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Medizin

Diäten im Vergleich: Mediterrane Kost schneidet bei Diabetes am besten ab

Dienstag, 23. Januar 2018

Die mediterrane Kost besteht vor allem aus Früchten, Gemüse, Olivenöl, Hülsenfrüchten, Getreide, Fisch und etwas Rotwein. /PhotoSG, stock.adobe.com
Die mediterrane Kost besteht vor allem aus Früchten, Gemüse, Olivenöl, Hülsenfrüchten, Getreide, Fisch und etwas Rotwein. /PhotoSG, stock.adobe.com

Potsdam-Rehbrücke – Die Mittelmeerdiät ist im Vergleich zu 8 anderen Kostformen am besten geeignet, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Blutzuckerwerte zu verbessern. Gute Langzeit-Blutzuckerwerte erreichen Diabetiker zudem auch mit einer Low-Carb-Diät. Dieser Effekt konnte jedoch nur über einen begrenzten Zeitraum von bis zu 12 Monaten nachgewiesen werden. Das berichtet ein europäisches Wissenschaftlerteam unter Leitung von Lukas Schwingshackl und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in einer Übersichtsarbeit, die im European Journal of Epidemiology publiziert wurde (2018; doi: 10.1007/s10654-017-0352-x).

Das Team wertete die Daten von 4.937 Studienteilnehmern aus 56 Ernährungsstudien mithilfe einer neuen Analysemethode aus. Die Netzwerk-Metaanalyse ermöglichte es erstmals, die Effekte von 9 verschiedenen Kostformen auf die Nüchtern- und Langzeit-Blutzuckerwerte unmittelbar zu vergleichen. Welche Kostform bei Diabetes am besten geeignet ist, konnten Ernährungsstudien bisher nur schwer einzuschätzen. Denn meistens vergleichen die Wissenschaftler nur die Effekte von wenigen Diäten direkt miteinander.

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Diäten im Vergleich

  • Low-Carb: < 25 % Kohlenhydrate von der gesamten Ergiezufuhr; viel tierische und pflanzliche Proteine, meist viel Fett
  • Mittelmeerkost: Früchte, Gemüse, Olivenöl, Hülsenfrüchte, Getreide, Fisch, etwas Rotwein zu den Mahlzeiten
  • Low-Fat: < 30 % Fett von der gesamten Ergiezufuhr; viel Getreide und Zerealien; 10–15 % Proteine
  • Weitere Diäten sind im Methoden-Teil der Studie erklärt.

Voraussetzung für die aktuelle Analyse war, dass die einbezogenen Studien die Wirkung von mindestens 2 verschiede­nen Kostformen auf Studienteilnehmer untersucht hatten. Die Teilnehmer mussten zudem über 18 Jahre alt sein und mindestens für 12 Wochen eine bestimmte Kostform eingehalten haben.

Zu den 9 untersuchten Kostformen gehören die Low-Fat-, die Paläo-, die High-Protein-, die Low-Carb- und die Mittelmeerdiät. Ebenso analysierten die Forscher die Wirkung einer vegeta­risch/ve­ganen Kost sowie die Effekte von Diäten mit einem moderaten Kohlenhydratanteil oder mit einem niedrigen glykämischen Index (GI) beziehungsweise einer niedrigen glykämischen Last. Denn der GI beeinflusst über den Stoffwechsel auch die Entstehung einer Fettleber und Insulinresistenz.

Zucker: Mehr als nur leere Kalorien

San Diego/Berlin – Eine Tatsache über Saccharose ist unumstritten – Haushaltszucker enthält weder Vitamine noch Mineralstoffe, Proteine oder Ballaststoffe. Dennoch könnten der Zucker und auch andere Glukose-Fruktose-Mischungen die Gesundheit des Menschen nicht nur wegen seiner „leeren“ Kalorien schaden. Aufgrund der scheinbar unaufhaltsamen Adipositas- und Diabetes-Epidemie appelliert der Physiker (...)

Wenn die Teilnehmer im Rahmen der jeweiligen Ernährungsstudie keine vorgegebene Diät verzehrten, sondern sich wie gewohnt ernährten, werteten die Forscher dies als Kontrolldiät.

Favoriten für den Nüchtern- und Langzeit-Blutzuckerwert

Die Mittelmeerdiät war im Vergleich zur Kontrolldiät, gefolgt von der Paläodiät und der veganen Kost am besten geeignet, um den Nüchtern-Blutzuckerwert zu senken. Dieser Wert gibt die Blutzuckermenge nach einer mindestens 8-stündigen Fastenperiode an, zum Beispiel am Morgen nach der Nachtruhe. Bei gesunden Menschen beträgt der Nüchtern-Blutzuckerwert 4,4 bis 5,6 mmol/l. Ein Wert von 5,6 bis 6,9 mmol/l weist auf eine beginnende Diabeteserkrankung hin.

Schon nach 12 Monaten konnten wir jedoch keinen signifikanten Effekt mehr im Vergleich zur Low-Fat-Diät beobachten. Lukas Schwingshackl, DIfE

Die Low-Carb-Diät war dagegen am besten geeignet, den Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert) günstig zu beeinflussen. „Schon nach 12 Monaten konnten wir jedoch keinen signifikanten Effekt mehr im Vergleich zur Low-Fat-Diät beobachten“, erklärt Erstautor Schwingshackl. Die Ursache dafür führt er auf den vergleichsweise stärkeren Gewichtsverlust zurück, der bei Low Carb zu Beginn der Diät meist kurz- bis mittelfristig (< 12 Monate) erzielt wird. Im Gegensatz dazu wirkte sich die Mittelmeer­diät im Vergleich zur Low-Fat-Diät auch noch länger als 12 Monate günstiger auf den HbA1c-Wert aus.

Low-Fat-Diät beeinflusst Blutzuckerwerte kaum

Die Low-Fat-Diät zeigte die schwächsten Effekte auf den Zuckerstoffwechsel, das heißt, auf den Nüchtern- sowie den Langzeit-Blutzuckerwert. Sie war aber immer noch deutlich effektiver als die Kontrolldiät. Im Vergleich zu letzterer trugen alle unter­suchten Kostformen mit leicht unterschiedlicher Stärke dazu bei, den Nüchtern-Blutzuckerwert um 1 bis 1,61 mmol/l zu senken. Ebenso verminderten sie die HbA1c-Werte um 0,47 bis 0,82 %.

„Unsere Studie zeigt, dass eine pflanzenbasierte Kost wie die Mittelmeerdiät eine gute Möglichkeit ist, den Zuckerstoffwechsel bei Menschen mit Diabetes günstig zu beein­flussen“, sagt Schwingshackl. Die Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass die in Früchten, Gemüse, Olivenöl, Nüssen, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten enthalte­nen sekundären Pflanzenstoffe sowie Ballaststoffe die Insulinempfindlichkeit der Patienten verbessern und die Produktion von Advanced Glycation Endproducts (AGEs) verringern. Letztere sind Zucker-Eiweiß-Verbindungen, die insbesondere bei oxidativem Stress, aber auch bei zu hohen Blutzuckerwerten entstehen. © gie/aerzteblatt.de

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