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Soziologe fordert grundlegende Reform der Organspende

Montag, 22. Januar 2018

/dpa

München – Eine grundlegende Reform der Organspende in Deutschland fordert der Soziologe Andreas Diekmann. In einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung forderte der emeritierte Professor der Universität Zürich heute die Einführung einer Widerspruchs­lösung, nach der jeder Bürger ein potenzieller Organspender ist – außer, er hat einer Organspende ausdrücklich widersprochen. Derzeit ist in Deutschland eine Organ­spende nur möglich, wenn der potenzielle Spender zu Lebzeiten ausdrücklich zuge­stimmt hat, oder seine Angehörigen für ihn zustimmen.

Diekmann schreibt, durch eine entsprechende Reform könnten in Deutschland mehr Leben gerettet werden als durch alle Abwehrmaßnahmen gegen Terrorismus. Wissen­schaftliche Studien ließen vermuten, dass eine Widerspruchslösung eine um 25 bis 30 Prozent höhere Bereitschaft zur Organspende auslösen würde. Appelle an die Moral oder Werbekampagnen seien demgegenüber wirkungslos geblieben.

In Deutschland war die Zahl der Organspenden im Jahr 2017 auf einen Tiefststand gefallen. Bundesweit gab es 797 Organspender, 60 weniger als im Jahr zuvor (2016: 857). Die Anzahl der gespendeten Organe sank um 9,5 Prozent auf 2.594 Organe (2016: 2.867). Mit 9,3 Spendern pro eine Million Einwohner rutschte die Bundesrepublik in Europa endgültig auf die untersten Tabellenränge.

17 europäische Staaten regeln die Organspende über die Widerspruchslösung, darunter auch die Nachbarn Belgien, Luxemburg, Frankreich, Österreich und Polen. Auch Spanien gehört dazu. Dass das Land die weltweit höchste Rate an Organspendern hat, dient oft als Argument für die Einführung einer Widerspruchslösung. Kritiker halten die Widerspruchslösung für verfassungswidrig und kontraproduktiv, weil sie das Misstrauen in die Transplantationsmedizin noch erhöhen könnte. © kna/aerzteblatt.de

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H.-D. Falkenberg
am Mittwoch, 24. Januar 2018, 02:38

Organspendemangel

Geben Sie den Hausärzten eine Abrechnungsmöglichkeit für eine entsprechende Beratung in der Gebührenordnung. Diese sind Vertrauensperson und können in weniger dramatischen Situationen als nach dem Tod eines Menschen mit Rat zur Seite stehen. Übrigens: Ich führe mindestens drei Ausweise mit mir! Hans Dieter Falkenberg
Bretscher
am Dienstag, 23. Januar 2018, 21:16

Die Spendenbereitschaft

wird wohl noch tiefer sinken. Vielleicht sieht man dann endlich die Schizophrenie dieser ganzen Situation.
1-Organspender werden als Spender behandelt als nichthonorierte Geber. Die Transplantationsmedizin ist dagegen ein hochdotierter und subventionierter medizinischer Wirtschaftskomplex. 2-Organtransplantation geht über die übliche Medizintherapie hinaus. 3-Der "Spender" läßt sich in seine Teile zerlegen, damit sie ein anderer bekommt. Das steht außerhalb der einvernehmlichen Akzeptanz der Menschen. Eine Widerspruchslösung ist absurd. 3- Der weltweite kriminelle Organhandel wird einfach ausgeblendet in der Diskussion. 4-Die Zeit der Organtransplantationen wird weitgehend unbedeutend werden.
Vielleicht könnte eine praktikable Lösung sein, Spender -und Empfängerwillige in einem "Verbund" mit Ausnahmen für bestimmte Altersgruppen oder anderer Ausnahmen zu registrieren. Das wäre ehrlich.
Günther Binnewies
am Dienstag, 23. Januar 2018, 11:24

Mensch-Maschine ohne Seele

Übertragen Organe Bewusstsein?
Ende des 20. Jahrhunderts erregte in den USA ein Fall Aufsehen, in dem eine Herzpatientin nach der Einpflanzung eines Spenderherzens von merkwürdigen Bildsequenzen gequält wurde, die immer wieder vor ihren inneren Augen auftauchten. Es stellte sich heraus, dass es Szenen aus dem Leben des Organspenders waren, der gewaltsam ums Leben gekommen war. Aufgrund der Beschreibungen der Empfängerin des Spenderherzens konnten die Mörder des Spenders verhaftet werden!
Fälle wie diese legen die Annahme nahe, dass menschliche Organe auf irgendeine Weise eine Prägung erhalten, die bei ihrer Entnahme und Weiterverpflanzung offensichtlich erhalten bleibt und übertragen wird. Sollte diese Annahme zutreffen, stellen sich eine Reihe von schwerwiegenden Fragen. Hans Stolp
doc.nemo
am Dienstag, 23. Januar 2018, 09:31

@Schauinsland

Was soll jetzt dieser aggressive Durchbruch? Niemand zwingt Sie, Organspender zu werden, auch nicht in einer Widerspruchslösung. Ich hoffe nur, Ihre rigorose Haltung gegen die Organspende spiegelt sich auch wider in einer ebenso rigorosen Haltung gegen Organempfang. Es wäre schön, wenn Sie uns Ihren Klarnamen nennen würden, dann könnten alle Organspender unter uns in ihrem Organspenderausweis verfügen, dass sie ihre Organe nicht an Sie spenden wollen. Ganz rigoros.
Schauinsland
am Dienstag, 23. Januar 2018, 09:01

Ich bin KEIN Ersatzteillager

Selbst wenn die Widerspruchslösung käme, würde diese meine Einstellung zur Organspende NICHT zum Positiven verändern. Der Organspende stand ich schon immer äußerst mißtrauisch gegenüber. Ganz brutal ausgedrückt: ICH BIN KEIN ERSATZTEILLAGER FÜR ANDERE, AUCH NACH MEINEM TOD NICHT !!!! Hatte schon immer den Verdacht, daß bei der Organspende nicht alles ganz mit rechten Dingen zugeht, BEVOR die Skandale an die Öffentlichkeit kamen. Vertrat ich diese Meinung bei Gästebüchern im Internet, bekam ich jede Menge Gegenwind. Diejenigen, die mich damals kritisiert haben, wurden später eines besseren belehrt.
ICH WAR SCHON IMMER GEGEN ORGANSPENDE, WERDE IMMER DAGEGEN SEIN !!!

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