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Ärzteschaft

Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie lehnt Humanistische Psychotherapie ab

Montag, 22. Januar 2018

/alexsokolov, stockadobecom

Berlin – Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie (WBP) erkennt die Humanistische Psychotherapie nicht als zur Krankenbehandlung geeignetes Psychotherapieverfahren entsprechend den Kriterien seines Methodenpapiers an. Zu diesem Ergebnis kommt der WBP in einem Gutachten, das am Freitag auf der Homepage des abwechselnd bei der Bundes­ärzte­kammer und der Bundes­psycho­therapeuten­kammer angesiedelten Gremiums veröffentlich worden ist.

Damit kann die Humanistische Psychotherapie (HP) nicht als Verfahren für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychothera­peuten empfohlen werden. Auch die Zulassung als GKV-finanziertes Verfahren durch den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) ist der HP damit verwehrt.

Im Oktober 2012 hatte die Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT) einen Antrag auf Anerkennung der zehn psychotherapeutischen Ansätze beim WBP gestellt, die unter dem Dachbegriff „Humanistische Psychotherapie“ firmieren. Diese historisch heterogenen Ansätze sind: Gesprächspsychotherapie, Gestalttherapie, Emotionsfokussierte Therapie, Psychodrama, Logotherapie, Existenzanalyse, Körper­psychotherapie, Pesso Boyden System Psychomotor, Integrative Therapie und Transaktions­analyse.

Hochwertige Studien für die Wirksamkeit bei Angststörungen fehlen

„Für eine wissenschaftliche Anerkennung als Psychotherapieverfahren fehlen den zehn psychotherapeutischen Ansätzen insbesondere qualitativ hochwertige Studien für ihre Wirksamkeit bei Angststörungen“, erläuterte der erste Vorsitzende des WBP, Gereon Heuft, in einer Pressemitteilung der Bundes­psycho­therapeuten­kammer.

Einzig für die Gesprächspsychotherapie, die von den Antragstellern der Humanis­tischen Psychotherapie zugeordnet wurde, hat der WPB jetzt die wissenschaftliche Anerkennung für die Anwendungsbereiche „Affektive Störungen, „Anpassungs- und Belastungsstörungen“ sowie „Psychische und soziale Faktoren bei somatischen Erkrankungen“ bei Erwachsenen festgestellt.

Nach den Kriterien des Methodenpapiers nach § 11 Psychotherapeutengesetz werden jedoch nur solche Verfahren für die vertiefte Ausbildung empfohlen, die bei „Affektiven Störungen“ sowie „Angst- und Zwangsstörungen“ – die beide eine besondere Versorgungsrelevanz haben – wirksam sind. Zusätzlich muss das Verfahren noch in mindestens ein bis zwei weiteren (von insgesamt 18) Anwendungsbereichen mit geringer Versorgungsrelevanz wirksam sein. Diese Kriterien erfüllen nach dem Gutachten weder die Gesprächspsychotherapie, noch weniger die übrigen neun Ansätze der HP aufgrund der vorhandenen Studien.

Keine Vermittlung der HP in gemeinsamer Aus-, Weiter- und Fortbildung

Der WBP konnte bei den Ansätzen der Humanistischen Psychotherapie insgesamt zwar „eine übergeordnete psychotherapeutische Grundorientierung, die im internationalen Schrifttum repräsentiert ist“, feststellen. Für eine Anerkennung als Psychotherapie­verfahren fehle es jedoch insbesondere an einer systematischen und differenzierten Vermittlung der zehn Ansätze in einer gemeinsamen Aus-, Weiter- und Fortbildung. Auch mangele es der HP an einem Konzept der differenziellen Indikationsstellung.

„Die Beurteilung aller Kriterien erlaubt es somit nicht, von der Humanistischen Psychotherapie als von einem Psychotherapieverfahren im Sinne des Methodenpapiers des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie zu sprechen“, heißt es in dem Gutachten.

Vorwurf der „machtpolitischen und lobbyistischen Interessen“

Aus Sicht des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie, Manfred Thielen, haben nicht wissenschaftliche Kriterien den Ausschlag für die Ablehnung der HP gegeben, sondern „machtpolitische und lobbyistische Interessen“. „Es geht schließlich um den großen Markt der Approbationsausbildungen, der von verhaltenstherapeutischen und psychodynamischen Instituten beherrscht wird“, heißt es in einer vorläufigen Stellungnahme der AGHPT, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt. Alle Vertreter des WBP gehörten zudem den Richtlinienverfahren an, niemand einem humanistischen Ansatz.

Enttäuschend ist das Votum des WBP nach Thielens Ansicht nicht nur für Psychothera­peuten, die seit Jahrzehnten mit humanistischen Ansätzen arbeiten, sondern auch für die Patienten. Sie könnten künftig nur noch in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken sowie in Privatpraxen mit Humanistischer Psychotherapie behandelt werden.

Die Bewertungen des WBP für „in hohem Maße sachwidrig“ hält auch Jürgen Kriz, emeritierter Professor der Universität Oldenburg, der den Antrag der AGHPT 2012 federführend ausgearbeitet hat. Man habe „über 300 Wirkstudien vorgelegt, die ganz überwiegend in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften mit wissenschaft­lichen Gutachtern publiziert worden waren. Von diesen hat der WBP letztlich nur 29 als Wirksamkeitsnachweise nach seinen aktuellen Kriterien anerkannt“, schreibt er in einer Stellungnahme. © PB/aerzteblatt.de

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Meike Braun
am Donnerstag, 25. Januar 2018, 08:07

PM des Fachverbandes GwG e.V.

Liebe Kolleginnen und Kollegen und Interessierte,
ich möchte hier auf die PM des Fachverbandes für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung, GwG e.V., hinweisen. https://www.gwg-ev.org/presse/gutachten-des-wbp-zur-wissenschaftlichen-anerkennung-der-humanistischen-psychotherapie
Es ist unseres Erachtens nicht nur - seit jeher - eine Fehlentscheidung des WBP, sondern vielmehr auch wichtig, hier in eine vernünftige Diskussion zu kommen, bzw. darin weiter zu bleiben. Dass viele der Verfahren unter dem Dach der Humanistischen Psychologie wissenschaftlich anerkannt, also wirksam sind, ist doch unumstritten. Dieses Querstellen gegen die sozialrechtliche Anerkennung und letztlich Verweigern in Richtung Patient/innen / Klient/innen ist mE unsäglich und völlig unsinnig.
In der PM werden u.a. Kontaktdaten zu Fachleuten gegeben, die sich sehr über Diskussionsinteressierte freuen.
zirk60
am Mittwoch, 24. Januar 2018, 12:37

Behandlung mit Humanistischer Psychotherapie

Ob HP bei Klinikaufenthalten bezahlt wird oder nicht -was "Schauinsland" diskutiert - sollte davon abhängen, ob dies dem Patienten hilft oder nicht.
Wenn beispielsweise ein depressiver Patient mit "Gesprächspsychotherapie" hehandelt wird (was sowohl der G-BA 2008 als auch der WBP 2002, die BPtK 2008 und 2010 als auch der WBP aktuell 2018 als wissenschaftlich nachgewiesen wirksam bezeichnet hat - so ist das wohl kaum davon abhängig, ob eine USA-Studie in einem ganz anderen Bereich (Angst) methodisch so eingestuft wird, wie es der WBP tat oder so, wie es der Autor der Studie selbst und die AGHPT tat.
Dies seriös zu diskutieren ist hier nicht der Ort und nicht der Platz.

Kurz: Die Diskussion sollte möglichst auf Fakten beruhen. Die "Schauinsland"-Polemik ist da wenig hilfreich.
Schlange#123
am Dienstag, 23. Januar 2018, 20:19

Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie lehnt Humanistische Psychotherapie ab

Die Darstellung ist nicht ganz richtig:
Der WBP hat die HP nicht als für die Krankenbehandlung ungeeignetes Verfahren bewertet, sondern mit seinem fragwürdigen "Gutachten" den wissenschaftlichen Nachweis ihrer Wirksamkeit BEI ANGSTSTÖRUNGEN (eine Studie fehlte angeblich) nicht anerkannt - und mit diesem "Trick" und der Zersplitterung den Antrag als Ganzes in Frage gestellt.
Die Krankenbehandlung ist damit vorerst langfristig weiterhin in Privatpraxen nur für Patienten annehmbar, die es sich finanziell leisten können.
Tübingen; Karl-Heinz Schuldt
Schauinsland
am Dienstag, 23. Januar 2018, 09:38

GKV soll HP auch bei Klinikaufenthalt NICHT mehr zahlen

Wenn der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie die Humanistische Psychotherapie NICHT als zur Krankenbehandlung geeignetes Psychotherapieverfahren entsprechend den Kriterien seines Methodenpapiers anerkannt hat, dann dürfen Patienten NICHT mehr in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken mit Humanistischer Psychotherapie behandelt sowie therapiert werden und dieses Behandlungsverfahren auch NICHT mehr von den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bei den Abrechnungen mit der Klinik erstattet werden !!! Gesetzliche Krankenkassen dürfen bei der ambulanten Psychotherapie ausschließlich Psychotherapieverfahren wie Verhaltenstherapie & Psychoanalyse bezahlen. Was für den ambulanten Bereich gilt, hat auch für den klinischen Bereich zu gelten !!! Allen Kliniken, die Humanistische Psychotherapie in ihrem Behandlungskonzept haben, ist der Tagessatz zu kürzen, damit diese NICHT anerkannte Behandlungsmethode NICHT weiter von der Solidargemeinschaft finanziert wird.

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