Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Keine soziale Selektion bei der Herzinfarkt­versorgung

Montag, 22. Januar 2018

/dpa

Bremen – Bremer Bürger aus sozial benachteiligten Stadtteilen erleiden häufiger einen Herzinfarkt als Personen aus Vierteln mit hohem sozialem Status. Bei der akuten Behandlung von Betroffenen scheint der soziale Hintergrund aber keine Rolle zu spielen. Das ergab eine Datenanalyse des Instituts für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) der Stiftung Bremer Herzen am Klinikum Links der Weser und des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS).

„Zwischen Januar 2006 und Dezember 2015 haben 3.462 Bremer erstmals einen ST-Hebungs-Myokardinfarkt erlitten. Davon waren 71 Prozent Männer, 44 Pro­zent der Betroffenen waren aktive Raucher, 21 Prozent hatten Diabetes und 23 Prozent waren fettleibig“, erläuterten die Erstautoren der Studie Johannes Schmucker und Susanne Seide vom BIHKF am Klinikum Links der Weser. Mithilfe der Postleitzahlen der betroffenen Personen haben die Wissenschaftler diese verschiedenen Benachteili­gungs­indizes zugeordnet und in vier Gruppen eingeteilt – von Gruppe eins mit hohem sozialen Status bis Gruppe vier mit niedrigem sozialen Status.

Die Analyse ergab einen ausgeprägten sozialen Gradienten. „Am stärksten ausgeprägt ist dieser Gradient bei jüngeren Patienten unter 50 Jahren. Hier ist die Häufigkeit von Infarkten in Gruppe vier mit niedrigem sozialem Status im Vergleich zur Gruppe eins mit hohem Status mehr als zweifach erhöht – mit fast identischen Werten für Frauen und Männer“, erläuterte Schmucker. „Ein Grund dafür könnten die Risikofaktoren sein. So waren die Betroffenen der Gruppe vier deutlich häufiger aktive Raucher und/oder stark übergewichtig“, so der Wissenschaftler.

Eine soziale Selektion bei der Versorgung zeigte die Studie aber nicht. Sowohl bei Art und Qualität der Behandlung im Krankenhaus als auch bei der verstreichenden Zeit vom Eintreffen im Krankenhaus bis zum lebensrettenden Erweitern der betroffenen Gefäße mittels Ballonkatheter – die „Door-To-Balloon-Zeit“ – spielt der soziale Status in Bremen laut der Studie keine Rolle. „Dieses Ergebnis steht im Kontrast zu Studien etwa aus Finnland, Kanada oder den USA“, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

23. Mai 2018
Potsdam – Um Kinder vor Armut zu bewahren, will Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Linke) vorhandene Hilfen besser verzahnen. Die Folgen für die Gesundheit der Mädchen und Jungen seien sonst
Armut bedroht Gesundheit von Kindern
11. Mai 2018
Bonn – Eine intrakardiale Injektion von Viren, die das Gen für das Tunnelprotein Connexin 43 in die Infarktnarbe transportierten, hat in tierexperimentellen Studien in Scientific Reports (2018; doi:
Gentherapie mit Tunnelproteinen könnte tödliche Arrhythmien nach Herzinfarkt verhindern
19. April 2018
Berlin – Die Linke im Bundestag hat eine Eindämmung der Armutsgefährdung in Deutschland gefordert. Die Armutsgefährdung habe sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, sagte die
Linke fordert Schritte gegen Armutsgefährdung in Deutschland
9. April 2018
Chicago – Nicht nur ein Kreislaufschock kann tödlich sein, nach einer Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 1341–1350) erhöht auch ein negativer „Wealth Shock“, der plötzliche Verlust
„Wealth Shock“: Plötzliche Armut erhöht Sterberisiko
9. April 2018
Mannheim – Berücksichtigt man Alter und Risikofaktoren, dann haben Frauen keine höhere Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt als Männer. Auch bei der Akuttherapie gibt es keine Unterschiede. Das zeigt
Herzinfarkt: Keine Geschlechterunterschiede bei Sterblichkeit und Therapie
20. März 2018
Berlin – Sozial Benachteiligte stehen in Deutschland weiter gesundheitlich schlechter da und haben eine geringere Lebenserwartung. Präventionsprogramme konnten in den vergangenen Jahren die Situation
Gesundheitszustand hängt weiter stark vom Einkommen ab
16. März 2018
Berlin/Hohenheim – Die neue Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) sieht den Kampf gegen Kinderarmut und für bessere frühkindliche Bildung als Schwerpunkt ihrer Arbeit. „Wir müssen dafür

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige