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Medizin

STIKO lehnt Standard-Impfung gegen Typ B-Meningokokken ab

Montag, 22. Januar 2018

/dpa

Berlin – Trotz guter Erfahrungen in England, wo seit September 2015 die meisten Säuglinge gegen Typ B-Meningokokken geimpft werden und offenbar eine gute Immunität erzielt wird, lehnt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) eine Standard-Impfung weiterhin an. Als Grund werden im Epidemio­logischen Bulletin (2018; 3: 35-44) die geringe Krankheitslast und unklare Fragen zur Schutzwirkung genannt.

Invasive Infektionen mit Neisseria meningitidis (Meningokokken) können, vor allem wenn die Diagnose zu spät gestellt wird, rasch tödlich verlaufen oder schwere Behin­derungen hinterlassen. Erkrankungen sind in den Industrieländern jedoch selten. In Deutschland erkrankten in den Jahren 2013 bis 2016 im Mittel jährlich 315 Personen an invasiven Meningokokken-Infektionen. Davon entfielen zwei Drittel auf die Sero­gruppe B, gegen die lange kein Impfstoff zur Verfügung stand. Im Januar 2013 wurde Bexsero® zugelassen – im Mai 2017 kam Trumenba® hinzu, der aber erst ab einem Alter von zehn Jahren eingesetzt werden darf.

In England wird seit September 2015 zur Impfung aller Säuglinge mit Bexsero® geraten. Die Impfung wurde gut von der Bevölkerung angenommen und bereits im ersten Jahr ging die Inzidenz der Erkrankungen durch Typ B-Meningokokken um 50 Prozent zurück (Lancet 2016; 388: 2775-2782). Die Impfung hat sich zudem als gut verträglich erwiesen.

Dennoch lehnt die STIKO, die seit August 2015 zur Impfung von Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko rät, eine Standardimpfung aller Säuglinge in Deutschland ab. Begründet wird dies einmal mit der niedrigen Krankheitslast, die zudem seit 2003 stetig abgenommenen hat. 

Zum andern haben Modellrechnungen, die das RKI zusammen mit der Universität Bristol durchgeführt hat, ergeben, dass vermutlich nur wenige Erkrankungsfälle verhindert würden. Unter der Annahme einer Impfquote von 65 Prozent und einer Abdeckung von 82 Prozent würden vermutlich pro Jahr nur 34 invasive Meningo­kokken-Infektionen, darunter drei Todesfälle, verhindert, hatten Hannah Christensen von der Universität Bristol und Mitarbeiter errechnet. Die Kosteneffektivität wurde mit mehr als 500.000 Euro pro Lebensjahr in guter Lebensqualität (QALY) als negativ bewertet (Vaccine 2016; 34: 3412-3419).

Die STIKO will deshalb zunächst weitere Daten zur klinischen Impfeffektivität, zur Dauer des Impfschutzes und zu einem möglichen Effekt auf das Meningokokken-Trägertum abwarten. © rme/aerzteblatt.de

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