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Laparoskopische Sterilisation verursacht weniger Reoperationen als hysteroskopischer Eingriff

Freitag, 2. Februar 2018

Hormonfreie Spirale Essure zur Sterilisation von Bayer Healthcare Pharmaceuticals/ dpa
Hormonfreie Spirale Essure zur Sterilisation von Bayer Healthcare Pharmaceuticals/ dpa

Saint-Denis – Das Risiko einer hysteroskopischen Sterilisation wurde seit 2015 immer wieder infrage gestellt. Mehr als 8.000 Frauen in den USA, aber auch in anderen Ländern, berichteten über ungewollte Schwangerschaften, Unterleibsschmerzen, Migräne, Depressionen, Allergien und auch Selbstmordversuche. Einen Vorteil der laparoskopischen Sterilisation gegenüber der hysteroskopischen konnten französische Forscher in einer Übersichtsarbeit in JAMA jedoch nicht für alle Risiken bestätigen (2018; doi: 10.1001/jama.2017.21269). Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hält weiterhin am etablierten Verfahren der laparoskopischen Sterilisation fest.

Bei der hysteroskopischen Sterilisation setzen Frauenärzte unter endoskopischer Sicht und ohne Operation 2 Mikrospiralen in die Öffnungen der Eileiter.

Bei der laparoskopischen Sterilisation wird der Eileiter hingegen unter Vollnarkose ligiert oder durch Elektrokoagulation durchtrennt.

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Während des 1. Jahrs nach einer hysteroskopischen Sterilisation kam es bei Frauen häufiger zu Komplikationen als nach einer laparoskopischen Steri­lisation (adjusted hazard ratio, HR: 7,11). Bei 5,65 % der Frauen, die sich für die nichtoperative Variante entschieden hatten, war ein zweiter Eingriff not­wendig. Die laparoskopisch sterilisierten Frauen mussten hingegen nur in 1,76 % der Fälle erneut operiert werden (HR = 3,26). Dieses Risikoverhältnis konnten die Forscher 3 Jahre nach dem Eingriff noch etwas abgeschwächt beobachten. Für Bernd Holthaus von der DGGG gibt es daher keine Notwendigkeit, das etablierte Verfahren der laparoskopischen Sterilisation zu verändern.

Auch das Risiko einer Schwangerschaft zeigte Unterschiede bei den beiden Methoden. Innerhalb des 1. Jahrs lag der Vorteil bei der hysteroskopischen Sterilisation. 3 Jahre später traten jedoch keine signifikanten Unterschiede mehr auf (HR = 1,04). Ebenso stellten die Forscher keine signifikanten Vorteile einer der beiden Methoden in Bezug auf medizinische Folgen fest. Dazu zählten etwa Allergien, Autoimmunerkrankungen, Selbstmordversuche, die Einnahme von Antidepressiva, Schmerzmitteln oder Migränemedikamenten.

Im Rahmen der französischen Kohortenstudie wurden Versicherungsdaten von mehr als 100.000 Frauen im Alter von 30 bis 54 Jahren ausgewertet. Sie hatten zwischen 2010 und 2014 eine laparoskopische (n = 34.054) oder hysteroskopische (n = 71.303) Sterilisation durchführen lassen. Die Forscher verglichen das Risiko für Kompli­kationen, Reoperationen, ungewollten Schwangerschaften und Allergien, Depressionen und anderen medizinischen Folgen über einen Zeitraum von 1 bis 3 Jahren nach der Sterilisation.

Anlass der Gegenüberstellung ist auch die anhaltende Skepsis gegenüber der hysteroskopischen Sterilisation. Denn zwischen 2002 und 2016 erhielt die FDA mehr als 8.000 Berichte von Frauen zu Komplikationen, bei denen das hysteroskopische Essure-Verfahren von Bayer durchgeführt wurde. Dem Boom folgte daher eine Pleite. Bis 2016 wurden weltweit 750.000 der hormonfreien Spiralen eingesetzt, wie die FDA 2015 mitteilte. Schon 2017 kündigte Bayer den Verkaufsstopp von Essure außerhalb der USA an. „Auch vor dieser Entscheidung hatte das System in Deutschland nur einen marginalen Marktanteil und wurde nur in vereinzelten Abteilungen angeboten“, sagt Holthaus, Gynäkologe am Krankenhaus St. Elisabeth in Damme und Präsident der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie der DGGG dem Deutschen Ärzteblatt.

Bayer stoppt Verkauf von Verhütungsmittel Essure außerhalb der USA

Paris – Der Pharmakonzern Bayer hat angekündigt, den Verkauf seines Verhütungsmittels Essure außerhalb der USA zu stoppen. Die Entscheidung sei aus wirtschaftlichen Gründen gefallen, teilte Bayer gestern mit. Damit werde eine bereits im Mai getroffene Entscheidung verstetigt, den Verkauf von Essure in den meisten Ländern zu beenden. Essure ist eine hormonfreie Verhütungsmethode, die ohne (...)

Die FDA hat Bayer angeordnet, eine randomisiert kontrollierte Studie mit 2.800 Frauen durchzuführen, die die hysteroskopische mit der laparoskopischen Sterilisation vergleicht (ClinicalTrials.gov-Identifier: NCT03127722). Die Ergebnisse werden nicht vor 2023 erwartet. © gie/aerzteblatt.de

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