NewsMedizinKaiserschnitt: Nachteile für Mutter und Kind überwiegen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Kaiserschnitt: Nachteile für Mutter und Kind überwiegen

Mittwoch, 24. Januar 2018

/dpa
Edinburgh – Ein Kaiserschnitt kann die Mutter langfristig vor Inkontinenz und Uterusprolaps schützen. Diesem Vorteil steht jedoch eine Reihe von Nachteilen gegenüber, zu denen neben Komplikationen in nachfolgenden Schwangerschaften auch eine erhöhte Morbidität für das Kind gehört, wie eine Meta-Analyse in PLoS Medicine (2017; doi: 10.1371/journal.pmed.1002494) ergab.
Weltweit nimmt die Zahl der Kaiserschnitte zu. In Westeuropa wird ein Viertel aller Kinder per Sectio entbunden (in Deutschland zuletzt 30 Prozent), in Nordamerika ist es neuesten Schätzungen zufolge jedes dritte und in einigen Ländern Südamerikas sogar fast jedes zweite Kind. Nicht für alle Kaiserschnitte gibt es eine medizinische Indika­tion. Häufig folgen die Ärzte dem Wunsch der Frau oder auch dem wirtschaftlichen Interesse der Klinik.
Die unmittelbaren Risiken eines Kaiserschnitts, zu denen Infektionen oder Thrombo­embolien gehören, sind heute minimal. Anders sieht es bei den Langzeitfolgen aus. Diese können positiv sein, da jede vaginale Geburt eine Belastung für den Becken­boden ist. Mit der Zahl der Geburten steigt das Risiko von Harninkontinenz und  Uterusprolaps.
Ein Kaiserschnitt kann jedoch auch gesundheitliche Nachteile mit sich bringen. Für die Frau bedeutet ein Kaiserschnitt, dass spätere Schwangerschaften erschwert werden (Subfertilität) oder häufiger in einer Fehl- und Totgeburt enden. Fehllagen der Plazenta (Placenta praevia) können die Geburt erschweren oder durch eine langsame Ablösung (Placenta accreta) nach der Geburt zu verstärkten Blutungen führen (weshalb viele Frauenärzte bei weiteren Schwangerschaften erneut zur Indikation einer Sectio neigen).
Auch für das Kind kann eine Schnittentbindung langfristig von Nachteil sein. Epide­miologische Studien zeigen, dass die Kinder später häufiger an Asthma leiden und ein Übergewicht entwickeln. Dies wird mit dem fehlenden Kontakt mit dem Mikrobiom der Vagina in Verbindung gebracht, die die Entwicklung der Darmflora verzögert, was wiederum Immunsystem und Darmfunktion beeinflussen soll.
Ein Team um Oonagh Keag von der Royal Infirmary of Edinburgh hat jetzt in einer Meta-Analyse eine Nutzen-Schaden-Bilanz aufgestellt. Grundlage waren die Ergebnisse aus einer randomisierten kontrollierten Studie sowie 79 Kohortenstudien mit Daten zu fast 30 Millionen Frauen.
Nutzen und Nachteile lassen sich am besten durch die Gegenüberstellung der Number Needed to Treat (NNT) und der Number Needed to Harm (NNH) vergleichen. Das ist hier die Zahl der Kaiserschnitt-Entbindungen, auf die jeweils ein günstiges oder ungünstiges Ereignis folgt.
Für die Vermeidung einer Harninkontinenz ermittelt Keag eine NNT von 19. Eine NNT für den Uterusvorfall gibt Keag nicht an. Nach den Berechnungen des Berichterstatters läge sie bei 28. Diesen Vorteilen stünde eine NNH von 8 auf eine Subfertilität, eine NNH von 70 auf Fehlgeburten, eine NNH von 1.138 von Totgeburten gegenüber. Hinzu käme eine NNH von 492 auf eine Placenta praevia und eine NNT von 543 auf eine Uterusruptur.
Für das Kind ermittelt Keag eine NNH von 164 für eine Asthmaerkrankung in der Kindheit. Für die Adipositas im Alter von fünf Jahren beträgt die NNH (erneut nach Berechnung des Berichterstatters) 3.030.
Keag hofft, dass diese Zahl den Schwangeren und ihren Ärzten bei der Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt behilflich sein könnten.
© rme/aerzteblatt.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG Wort
NEWSLETTER