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Medizin

Neue Mutationen für familiäre Form der ALS entdeckt

Mittwoch, 24. Januar 2018

/Monika Wisniewska, stockadobecom

Ulm/ Umea – Mutationen, die die familiäre Form der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) auslösen können, haben Wissenschaftler der Universitäten Ulm und Umea entdeckt. Die in der Fachzeitschrift Brain erschienenen Ergebnisse bestä­tigen laut Arbeitsgruppe die Annahme, dass der neurodegenerativen Erkrankung ein Zusammenspiel mehrerer Gendefekte zugrunde liegt (2018; doi: 10.1093/brain/awx370).

ALS ist eine neurodegenerative Erkrankung, die zum Untergang der motorischen Nervenzellen und somit zu stetig fortschreitenden Lähmungen führt. Unterschieden wird die sporadische Variante von der erblich bedingten familiären Form, die etwa 10 Prozent der Erkrankungen ausmacht.

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426 ALS-Patienten

Forscher der Ulmer Universitätsklinik für Neurologie und der schwedischen Universität Umea haben für die Studie das Erbgut von 426 ALS-Patienten mittels einer Gesamt-Exom-Sequenzierung analysiert. Eingeschlossen wurden nur solche Patienten, die mindestens einen weiteren erkrankten Verwandten hatten. Das Erbgut der Erkrankten verglichen die Forscher mit dem einer gesunden Kontrollgruppe.

Die Arbeitsgruppe um Jochen Weishaupt und Peter Andersen konnten bei ALS-Patien­ten drei Spleißstellen-Mutationen in der C-terminalen Domäne des Gens KIF5A identifizieren, die zu einem Funktionsverlust des entsprechenden Gens führen. Darüber hinaus fanden die Autoren bei etlichen Patienten mit familiärer ALS eine Anreicherung eines Einzelnukleotid-Polymorphismus, der ebenfalls das KIF5A-Gen betrifft.

„Bei 6 % der familiären ALS-Patienten konnten wir diesen Polymorphismus nachweisen und wiederum 50 Prozent von ihnen hatten mindestens eine Mutation in einem anderen bekannten ALS-Gen. Dies deutet darauf hin, dass bei der Krankheits­vererbung oft mehrere Gendefekte zusammenwirken“, meinen Weishaupt und der Erstautor der Arbeit, David Brenner.

Von allen genetischen Veränderungen, die seit 1993 weltweit bei ALS-Patienten gefunden wurden, sei rs113247976 der häufigste genetische Faktor, der zur Krank­heitsentstehung beitrage. Das KIF5A-Gen ist der Bauplan für ein Protein, das am Transport von Substanzen im Axon einer Nervenzelle beteiligt ist. „Die Studien­ergebnisse unterstreichen also die Bedeutung von intrazellu­lären Transportprozessen bei der ALS-Krankheitsentstehung“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

„Zusammenfassend fügt diese Studie KIF5A zu einer stetig wachsenden Liste von Genen hinzu, die ALS verursachen, und sie erweitert das Spektrum von Mutationen in diesem Gen“, erläuterte  Albert Ludolph, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitäts­klinik für Neurologie.

Die Studie wurde in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke sowie der Baden-Württemberg-Stiftung unterstützt. © hil/aerzteblatt.de

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