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Jede dritte Geburtsklinik musste Schwangere abweisen

Mittwoch, 24. Januar 2018

/dpa

Berlin – Zwischen Juni und November 2017 mussten mehr als 35 Prozent der Kliniken in Deutschland Schwangere unter der Geburt mindestens einmal abweisen. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hervor.

Als Gründe für die Abweisung von Schwangeren gaben 65,8 Prozent der Befragten an, es habe primär an einem Mangel an Hebammenbetreuung gelegen. Ebenfalls angegeben wurden eine Überlastung der neonatologischen Stationen (64,4 Prozent), fehlenden Raumkapazitäten (56,1 Prozent) und einem Arztmangel in der Geburtshilfe (13,7 Prozent). Mehrfachnennungen waren bei der Umfrage möglich. „Diese Zahlen bestätigen, dass aktuell ein ernstzunehmendes Problem vorliegt“, erklärte die DGGG. Die Fachgesellschaft warnte daher vor einem sich zuspitzenden Versorgungsengpass in der Geburtsmedizin.

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Vorschläge von Ärzten und Hebammen

Die Fachgesellschaft lud deshalb zusammen mit dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe (BLFG) Mitte Januar Vertreter des Deutschen Hebammenverbandes (DHV), des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) zu einem Fachgespräch ein.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wieder mehr Hebammen von der Arbeit in den Kreißsälen überzeugt werden können, denn nur rund ein Viertel der deutschen Hebammen sind laut der DGG im Augenblick aktiv in der Geburtshilfe tätig. Die Gespräche ergaben, dass ein sehr hohes Arbeitsaufkommen, starke Hierarchien und diverse Aufgaben, die nicht prioritär in den Arbeitsbereich der Hebammen fallen, dazu führen, dass seitens der Hebammen in den Kliniken oftmals keine umfassende Betreuung der Gebärenden möglich ist und sie sich daher häufig gegen eine Tätigkeit in der klinischen Geburtshilfe entscheiden.

Die ärztlichen und die Hebammenverbände fordern daher, Hebammen kurzfristig von fachfremden Tätigkeiten, die nicht prioritär zu ihrem Aufgabenbereich gehören, zu entlasten. Hebammen sollten außerdem maximal zwei Frauen gleichzeitig während der Geburt betreuen.

Außerdem sollte der Wiedereinstieg in die Geburtshilfe im Kreißsaal beispielsweise nach der Elternzeit durch geeignete Wiedereingliederungs­maßnahmen erleichtert und gefördert werden. Letztlich müssten „die Arbeits­bedingungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Flexibilität, beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten sowie angemessener Vergütung verbessert werden“, so das gemeinsame Plädoyer der Verbände.

Die Geburtshilfe in Deutschland ist im Augenblick im Umbruch. Zwischen 2004 und 2015 ist die Zahl der Geburtskliniken in Deutschland von etwa 950 auf etwa 750 zurückgegangen. Das berichtete Michael Abou-Dakn von der DGGG unter Berufung auf Zahlen des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) im vergangenen September. In den vergangenen Jahren habe sich die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau in Deutschland außerdem von 1,3 auf 1,5 erhöht, so Abou-Dakn. © hil/aerzteblatt.de

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