NewsMedizinMilliroboter könnte Medikamente gezielter platzieren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Milliroboter könnte Medikamente gezielter platzieren

Freitag, 26. Januar 2018

/ Max Planck Institute for Intelligent Systems

Stuttgart – Ein 4 Millimeter kleiner Roboter könnte in der Zukunft Medikamente durch den Körper an den gewünschten Zielort transportieren. Den magnetisch gesteuerten Kleinstroboter haben Stuttgarter Forscher vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme entwickelt. Über die neue Technik berichten die Autoren um Wenqi Hu in Nature (2018; doi: 10.1038/nature25443).

Inspirationen holten sich die Experten in der Natur, von Käferlarven, Raupen und Quallen. Während andere Kleinstroboter auf unwegsamen Terrain rasch an Grenzen stoßen, könne das Stuttgarter Modell leicht seinen Fortbewegungsmodus ändern (siehe Video). Dabei ist er flach wie ein Blatt Papier und geformt aus weichem, elastischem Polymer.

Anzeige

In der Polymerschicht des Roboters wiederum sind magnetische Partikel eingebettet. So lässt sich der Roboter über ein externes Magnetfeld steuern. Zudem können die Forscher die Form des Roboters von außen verändern. Er kann auf Oberflächen laufen oder rollen, über Hindernisse springen, durch enge Röhren krabbeln und auf oder in einer Flüssigkeit schwimmen.

/youtube, Max Planck Institute for Intelligent Systems

Zudem kann er Objekte greifen, transportieren und zielgerichtet ablegen. „Uns schwebt vor, dass unser Milliroboter eines Tages Medikamente dorthin transportiert, wo sie gebraucht werden“, hofft Metin Sitti. „Wir wollen ihn bei minimalinvasiven Eingriffen am Patienten einsetzen: entweder, indem der Patient den Roboter schluckt oder wir ihn durch eine kleine Öffnung in der Haut in den Körper einführen. Von dort kann sich der Roboter dann durch den Verdauungstrakt bewegen oder durch die Blase oder bis zum Herz – uns schweben viele Möglichkeiten vor.“

Tests finden in einer Magenattrappe und in Hühnchenfleischgewebe statt

Es sind noch große Herausforderungen zu bewältigen, bis solche Systeme in der Medizin geläufig sein könnten. Aktuell testeten die Forscher den Milliroboter nur in einer synthetischen Magenattrappe und in Hühnchenfleischgewebe. Sittis Team gelang es, den Milliroboter durch diese Umgebung zu steuern. Mit Ultraschall überprüften sie, wo genau der Roboter sich seinen Weg bahnte.

Ohne chirurgischen Eingriff ist es in vielen Bereichen des Körpers aktuell nicht möglich, sich Zugang zu verschaffen. Metin Sitti, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Die Hoffnung ist bei allen Forschern groß, dass ihr Roboter eines Tages zum Standard im Gesundheitswesen wird, dass nichtkabelgebundene, mobile Roboter eine Revolution der Forschung im Bereich der minimalinvasiven Chirurgie einläuten werden. Mittels solcher Milliroboter hätte ein Chirurg direkten Zugang und die genaue Kontrolle in schwer zugänglichen Bereichen des Körpers. „Ohne chirurgischen Eingriff ist es in vielen Bereichen des Körpers aktuell nicht möglich, sich Zugang zu verschaffen. Unser Ziel ist es, mit unserem weichen Milliroboter diese Regionen nicht-invasiv erreichbar zu machen, um eine Diagnose erstellen und eine Therapie vornehmen zu können,“ so Sittis Zukunftsvision. © dpa/idw/gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Januar 2019
Weimar – Mit dem Einsatz von Robotern bei der Pflege älterer und kranker Menschen beschäftigt sich ab April ein internationales Forscherteam an der Bauhaus-Universität Weimar. Dabei geht es auch um
Wissenschaftler erforschen Robotereinsatz in der Pflege
15. Januar 2019
San Diego – Ein Rückenmarkimplantat, das innerhalb von wenigen Minuten mit einem 3-D-Drucker hergestellt werden kann, hat bei Ratten nach einer Querschnittverletzung die Regenerierung von Axonen
Implantat aus 3-D-Drucker könnte regenerierenden Nerven den Weg bahnen
14. Januar 2019
Jena – Die Geschäfte des Medizintechnik-Unternehmen Carl Zeiss Meditec laufen auch im neuen Geschäftsjahr gut. Das Jenaer Unternehmen meldete heute ein Umsatzwachstum im ersten Quartal, das von
Carl Zeiss Meditec verzeichnet Wachstum
8. Januar 2019
Berlin – Die Medizintechnik- und Laborbranche in Deutschland geht mit positiven Erwartungen ins neue Jahr. „Unsere Unternehmen gehen größtenteils positiv gestimmt in das neue Jahr. Die Zahlen für 2019
Medizintechnikunternehmen blicken optimistisch ins neue Jahr
7. Januar 2019
Stuttgart – Die Nachfrage nach Robotern, die im gewerblichen oder privaten Umfeld als Dienstleister unterstützen, wächst stark. Das berichtet das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und
Roboter auf dem Vormarsch
3. Januar 2019
Berlin – Einen „Strategieprozess Medizintechnik“ fordert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed). „Mit dieser Unterstützung wollen die Medizintechnikunternehmen erreichen, Forschungsergebnisse
Bundesverband Medizintechnologie will bundesweiten Strategieplan
28. Dezember 2018
Brüssel – Die Europäische Kommission will die Entwicklung von Robotersystemen für Medizin und Pflege und die Implementierung in die Versorgungsstrukturen vorantreiben. Sie stellt dafür rund 16
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER