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Medizin

Diabetes: Smarte Kontaktlinse misst Glukosewerte in der Tränenflüssigkeit

Montag, 29. Januar 2018

Aus Südkorea kommt ein weiterer Prototyp für eine Kontaktlinse, die den Glukosespiegel von Diabetikern in der Tränenflüssigkeit messen kann. /Jang-Ung Park UNIST
Aus Südkorea kommt ein weiterer Prototyp für eine Kontaktlinse, die den Glukosespiegel von Diabetikern in der Tränenflüssigkeit messen kann. /Jang-Ung Park UNIST

Ulsan – Eine neue weiche Kontaktlinse soll den Glukosespiegel von Diabetikern in der Tränenflüssigkeit messen. Über ein kleines LED-Licht werden die Linsenträger gewarnt, falls die Glukosewerte zu hoch sind. Die Forscher vom Ulsan National Institute of Science and Technology in Südkorea haben einen Prototypen der Kontaktlinse bei Kaninchen getestet, wie sie in Science Advances berichten (2018; doi: 10.1126/sciadv.aap9841).

Insulinpflichtige Diabetiker messen bis zu 7-mal am Tag den Blutzucker. Dafür entnehmen sie einen Blutstropfen aus der Fingerspitze.

Bereits im Jahr 2014 stellte ein Forscher­­team vom Google X For­schungslabor sein smart contact lens project vor. Auch hierbei handelte es sich um eine digitale Kontaktlinse, die Tränen von Menschen mit Diabetes sekündlich nach dem Blutzuckerwert analysiert und die Daten zur Auswertung an Smartphones sendet. Im Gegensatz zur neuen Entwicklung handelt es sich hierbei jedoch um eine harte Linse, deren Elektronik nicht dehnbar ist und kein LED-Display besitzt.

Die Deutsche Diabetes-Hilfe und die AG Diabetologische Technologie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) begrüßten die neue technologische Entwicklung damals, warnten aber gleichzeitig vor Euphorie. Bis heute hat es der Prototyp nicht zur Markt­reife geschafft, Novartis ist inzwischen wieder aus dem Projekt ausgestiegen. „Auch bei dem neuen Prototyp aus Südkorea könnte es noch Jahre dauern, bis Patienten davon profitieren“, sagt Thomas Danne, Chefarzt des Kinderkrankenhauses „Auf der Bult“ in Hannover.

Um klinische Studien durchführen zu können, müssen die Forscher aus Südkorea zunächst eine Firma finden, die die Linse produziert. Das könnte schon in 2 Jahren der Fall sein, ist Jihun Park, Erstautor der Studie, überzeugt.

Vielversprechend klingt für Danne auch ein weiterer Prototyp einer Kontaktlinse von Gregory Herman von der Oregon State University. „Diese Linse soll nicht nur den Glukosespiegel über die Tränenflüssigkeit messen, sondern auch Harnsäurewerte und Änderungen des pH-Werts.“ Vor allem die Messung des pH-Werts hält der Kinder­diatologe für eine nützliche Entwicklung. Denn die Blutübersäuerung gebe wichtige Hinweise für die Ketoazidose-Prophylaxe. „Diese Prophylaxe könnte aufgrund von SGLT1/2-Inhibitoren in Zukunft wichtiger werden, da diese neuen Medikamente bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes zwar mit vielen Vorteilen, aber auch mit einem erhöhten Risiko für Ketoazidosen einhergehen.“

Ob sich diese Kontaktlinsen eignen, um beispielsweise eine künstliche Bauchspeichel­drüse in Echtzeit zu regulieren, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch fraglich. Gemessen wird der Glukosewert des Gewebes und nicht des Bluts. Dadurch könne es zu zeitlichen Verzögerungen kommen, da der Gewebezucker dem Blutzucker hinterherhinkt, erklärt Danne. „Darüber hinaus produzieren Menschen Tränenflüssigkeit nicht gleichmäßig, was ebenfalls zu zeitlichen Abweichungen führen kann.“

Ein System, dass es seit Kurzem bereits vom Prototypen in die Praxis geschafft hat, ist ein Langzeitsensor (Eversense), den der Diabetologe in einem 5-minütigen, ambu­lanten Verfahren in den Oberarm einsetzt. Dieser misst dann kontinuierlich den Gewebezucker, und ein auf der Haut geklebter Empfänger überträgt die Werte auf das Smartphone oder vibriert, falls dieser zu hoch oder zu niedrig ist. Nur alle 3 Monate muss der Arzt den Unterhautsensor wechseln. Laut Danne nutzen dieses Gerät bisher noch wenige Patienten. © gie/aerzteblatt.de

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