NewsPolitikNotfallrettung im deutsch-polnischen Raum soll grenzenlos werden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Notfallrettung im deutsch-polnischen Raum soll grenzenlos werden

Donnerstag, 25. Januar 2018

/dpa

Greifswald – Deutsche und polnische Rettungsdienste wollen künftig stärker miteinander kooperieren und bei Bedarf auf der jeweils anderen Seite der Grenze tätig werden. Das haben beide Seiten heute vereinbart.

„In der deutsch-niederländischen und der deutsch-österreichischen Grenzregion funktioniert das seit Jahrzehnten gut“, sagte der Leiter des Rettungsdiensts des Landkreises Vorpommern-Greifswald, Lutz Fischer. Ähnliches wollen nun sieben Forschungseinrichtungen und Rettungsdienste aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und der polnischen Wojewodschaft Westpommern in der deutsch-polnischen Grenzregion auf den Weg bringen. „Vor allem die Luftrettung ist ein Problem“, hieß es heute. Bislang dürfe der polnische Hubschrauber nicht in den deutschen Luftraum fliegen und umgekehrt.

Anzeige

Pilotprojekt für drei Jahre

Heute startete mit einer Konferenz in Greifswald das auf drei Jahre angelegte und mit zwei Millionen Euro geförderte Projekt „Integrierter grenzüberschreitender Rettungs­dienst Pomerania/Brandenburg“. Zwar arbeite man schon seit Jahren zusammen, nun sei eine dauerhafte Vernetzung der Rettungsdienste in der Boden- und Luftrettung das Ziel, sagte Projektleiter und Professor an der Unimedizin Greifswald, Konrad Meissner. Dazu müssten rechtliche Normen abgestimmt, Sprachbarrieren abgebaut und Standards erarbeitet werden, wie die Leitstellen in Stettin und Greifswald künftig miteinander kooperieren.

Die Verflechtung im deutsch-polnischen Grenzraum sei gestiegen, der Tourismus wachse – all das führe zu einem Anstieg medizinischer Notfälle, verdeutlichte Meissner. Oftmals müssten noch deutsche oder polnische Patienten an der Grenze in einen anderen Rettungswagen umgelagert werden.

Ein Kooperationsvertrag zwischen der Wojewodschaft Westpommern und dem Landkreis Vorpommern-Greifswald über die grenzüberschreitende Notfallversorgung sei bereits in der Endabstimmung. „Das Projekt soll diesen Vertrag mit Leben füllen“, sagte der Sozialdezernent des Landkreises, Dirk Scheer. „Wir nehmen damit an der deutsch-polnischen Grenze einer Vorreiterrolle ein.“

In dem Projekt geht es zunächst um rechtliche und organisatorische Standards. Darüber hinaus wollen deutsche und polnische Rettungsdienste in einem Simula­tionstraining die grenzüberschreitende Versorgung von Notfallpatienten üben. Dazu kommt ein Simulations-Rettungsfahrzeug zum Einsatz, mit dem Handlungsabläufe gemeinsam trainiert werden. Zudem sollen die Retter das fremdsprachliche Fachvokabular sicher anwenden können – und entsprechend geschult werden.

Auf einen Zeitpunkt, wann die Rettungsdienste so kooperieren wie die Kollegen im niederländischen und österreichischen Grenzraum, wollte sich keiner der Projekt­partner festlegen. Der Greifswalder Gesundheitsökonom Steffen Fleßa brachte aber einen weiteren Aspekt in die Diskussion – die medizinische Grundversorgung, auch wenn der Weg dahin noch weit sei.

Auf der polnischen Seite der Insel Usedom in Swinemünde arbeitet ein Krankenhaus, unter anderem mit Geburts- und Kinderstation. Es könnte als Inselkrankenhaus fungieren und damit vor allem im Sommer Probleme lösen, wenn deutsche Rettungs­wagen sich durch Urlauberstaus nach Wolgast oder Greifswald quälen müssen. Administrative und technische Fragen ließen sich klären, sagte Fleßa. „Die größten Barrieren gibt es in den Köpfen der Menschen.“ © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Mai 2019
Berlin – Der Bundesrat hat die Bundesregierung dazu aufgerufen, endlich mehr gegen Gaffer zu unternehmen. Wie die Länderkammer in einer Unterrichtung mitteilte, soll der Bundestag die
Bundesrat will Gaffer endlich bekämpfen
17. Mai 2019
Aachen – Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) macht sich für die landesweite Einführung des Aachener Telenotarzt-Modells stark, bei dem ein Notarzt in der Leitstelle Rettungssanitäter vor
Telenotarzt soll in Nordrhein-Westfalen landesweit eingeführt werden
3. Mai 2019
Winnenden – Heute gelten die bundesweiten Notfallnummern 110 und 112 in Deutschland als Selbstverständlichkeit. Vor 50 Jahren sah das noch anders aus. Die Einführung der Nummern geht auf einen
Tragischer Tod stand am Anfang der bundesweiten Notrufe 110 und 112
25. April 2019
Dresden – Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sollen bis Herbst dieses Jahres ein neues Spezialfahrzeug für Patienten mit gefährlichen Infektionskrankheiten erhalten. Es soll Betroffene aus den drei
Neuer Rettungswagen für gefährliche Infektionskrankheiten
3. April 2019
München – Die medizinische Versorgung bei Notfällen durch organisierte Ersthelfergruppen ist in Deutschland sehr unterschiedlich verbreitet. Während Bayern klarer Spitzenreiter ist, klaffen in Nord-
Große Unterschiede bei Versorgung durch Ersthelfer
29. März 2019
Biberach – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) zieht es offenbar in Erwägung, das Notfallsanitätergesetz zu überprüfen. Das wurde heute bei einem Besuch Spahns beim Deutschen Roten Kreuz (DRK)
Notfallsanitätergesetz soll auf den Prüfstand
21. März 2019
Luxemburg – Kommunen müssen ihre Rettungsdienste nicht europaweit ausschreiben. Voraussetzung ist, dass sie an gemeinnützige Organisationen vergeben werden, die keine Gewinne erzielen, wie heute der
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER