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Medizin

US-Report: E-Zigaretten verführen Jugendliche zur Nikotinsucht und erleichtern Erwachsenen den Rauchstopp

Donnerstag, 25. Januar 2018

/dpa

Washington – Elektrische Zigaretten, die derzeit bei Jugendlichen immer beliebter werden, können nach Ansicht einer Gruppe von US-Experten der Beginn einer lebenslangen Nikotinabhängigkeit sein, gleichzeitig können sie jedoch Erwachsenen helfen, auf das Tabakrauchen zu verzichten und den damit verbundenen Gesundheits­risiken zu entgehen. So lautet das Fazit eines Reports, den die US-National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine im Auftrag des Parlaments erstellen ließ.

Das Team um David Eaton von der University of Washington in Seattle hat mehr als 800 Studien gesichtet und den Inhalt auf mehr als 500 Seiten zusammengefasst. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass E-Zigaretten zwar nicht ohne Gesundheits­risiken sind. Sie seien jedoch weitaus weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten. 

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Kein Zweifel besteht darin, dass Nikotin süchtig macht. Wie hoch das Suchtpotenzial ist, lässt sich derzeit nicht abschätzen, da die E-Zigaretten erst seit einigen Jahren auf dem Markt sind. Die Experten sehen moderate Belege dafür, dass das Risiko und die Schwere der Abhängigkeit bei E-Zigaretten geringer sind als bei herkömmlichen Zigaretten. Im einzelnen hänge dies jedoch von der Höhe der abgegebenen Nikotin­menge ab, die von Gerät zu Gerät verschieden sein kann, in erster Linie aber von dem verwendeten E-Liquid abhängt.

Die E-Liquids enthalten neben Nikotin noch zahlreiche weitere Substanzen, die bei der Benutzung eingeatmet werden und die das Gremium als potentiell toxisch einstuft. Die Schäden seien jedoch mit hoher Sicherheit geringer als beim Tabakrauchen, finden die US-Experten. Es sei jedenfalls schlüssig belegt, dass die Nutzer von E-Zigaretten weniger Giftstoffe und Karzinogene aufnehmen als Tabakraucher. Kurzfristig sei der Wechsel von herkömmlichen Zigaretten auf E-Zigaretten deshalb mit einer Verringerung der gesundheitlichen Schäden verbunden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass E-Zigaretten gesund sind. Aufgrund ihres Nikotingehalts haben sie ein Suchtpotenzial und die US-Experten sehen erhebliche Beweise dafür, dass die Verwendung von E-Zigaretten Jugendliche und junge Erwachsene dazu verleiten kann, später auf herkömmliche Zigaretten umzusteigen.

Wer E-Zigaretten raucht, schadet möglicherweise nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Menschen. Für die US-Experten ist schlüssig erwiesen, dass E-Zigaretten in geschlossenen Räumen die Belastung anderer durch Nikotin und Feinstaub erhöhen, wenn auch in geringerem Umfang als bei konventionellen Zigaretten.

Ob E-Zigaretten langfristig das Krebsrisiko erhöhen, lässt sich nach Einschätzung der Experten derzeit nicht beurteilen. Ein Anstieg von Krebsvorstufen sei bisher in epidemiologischen Studien nicht beobachtet worden. Auch tierexperimentelle Studien lieferten keine Antwort.

Es gibt nach Einschätzung der Experten derzeit auch keine Beweise dafür, dass E-Zigaretten chronische Atemwegserkrankungen beim Menschen verursachen. E-Ziga­retten könnten bei Jugendlichen jedoch Husten und Keuchen verursachen und bei Asthmapatienten die Zahl der Anfälle erhöhen.

Gewisse Risiken sehen die Experten durch die Explosion von E-Zigaretten, was zu Verbrennungen oder Projektil-Verletzungen führen könne. Die Gefahr geht dabei von alten oder qualitativ minderwertigen Batterien aus, wenn diese unsachgemäß gelagert werden oder von Benutzern manipuliert wurden.

Die E-Liquids sind toxisch. Sie dürfen deshalb nicht getrunken werden. Auch ein Kontakt mit Haut und Schleimhäuten muss vermieden werden. Todesfälle nach oraler oder gar intravenöser Applikation sind bisher nicht bekannt geworden. Zu den möglichen gesundheitsschädlichen Folgen bei versehentlicher oder absichtlicher oraler Aufnahme gehören Krampfanfälle, Hirnschäden durch Sauerstoffmangel, Erbrechen und Laktatazidose.

Ob E-Zigaretten die Fruchtbarkeit herabsetzen oder bei einer Verwendung in der Schwangerschaft zu Entwicklungsstörungen des Kindes führen, ist bisher nicht untersucht worden. © rme/aerzteblatt.de

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