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Medizin

Studie: Probiotika könnten vor Präeklampsie und Frühgeburt schützen

Donnerstag, 25. Januar 2018

/dpa

Oslo – Der regelmäßige Konsum von probiotischer Milch, der in Norwegen bei Schwangeren sehr beliebt ist, hat in einer prospektiven Beobachtungsstudie in BMJ Open (2018; 8: e018021) die Rate der Präeklampsien und vielleicht auch der Frühgeburten gesenkt. 

Viele Norweger trinken Milch, die mit Lactobacillus acidophilus (LA-5), Bifidobacterium lactis (Bb12) und/oder Lactobacillus rhamnosus GG (LGG) angereichert ist. Die Werbebotschaften des führenden Herstellers Tine kommen in der Bevölkerung offenbar gut an. Etwa ein Viertel der Frauen, die an der „Norwegian Mother and Child Cohort Study“ (MoBa) teilnahmen, gab in einem Fragebogen an, bereits vor der Schwanger­schaft regelmäßig ein Glas probiotischer Milch getrunken zu haben.

In der Schwangerschaft stieg der Anteil zunächst auf 37 Prozent. In der Spät­schwangerschaft tranken noch 32 Prozent der Frauen regelmäßig probiotische Milch. Der durchschnittliche Konsum lag bei anderthalb Gläsern, was etwa 390 ml entspricht.

Protektive Wirkung erkennbar

Epidemiologen des Folkehelseinstituttet in Oslo hatten bereits in zwei früheren Studien den Konsum von probiotischer Milch mit einer verminderten Rate von Präeklampsien und Frühgeburten in Verbindung gebracht. Auf der Basis von 18.000 und 33.000 Frauen war eine protektive Wirkung für beide Erkrankungen erkennbar gewesen. Inzwischen ist die Zahl der Teilnehmerinnen auf über 70.000 angestiegen, was Mahsa Nordqvist und Mitarbeiter veranlasste, die Untersuchung zu wiederholen.

Von den 37.050 Frauen, die in die Präeklampsie-Analyse einbezogen wurden, erkrank­ten 1.851 oder 5 Prozent an der Schwangerschaftskomplikation. In 550 Fällen kam es zu einem schweren Verlauf mit starken Beschwerden, einem Anstieg des Blutdrucks auf über 160/110 mm Hg, einer Proteinurie von mehr als 3 g/24 Stunden, eventuell auch zu einem HELLP-Syndrom. Unter den Frauen, die in der Spätschwangerschaft regel­mäßig probiotische Milch getrunken hatten, kam es zu 20 Prozent seltener zur Präeklampsie (Odds Ratio 0,80; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,68 bis 0,94). Das Risiko auf eine schwere Präeklampsie wurde sogar um 32 Prozent gesenkt (Odds Ratio 0,68; 0,50-0,92).

Der Einfluss auf die Frühgeburtlichkeit war weniger eindeutig. Von den 34.458 Frauen, die in die Analyse einbezogen wurden, erlitten 2.858 eine Frühgeburt. Darunter waren 1.795 spontane Frühgeburten und 1.065 ärztlich eingeleitete Frühgeburten. Eine Beziehung zur probiotischen Milch ließ sich nur für einen Konsum in der Früh­schwanger­schaft herstellen, der wie zu erwarten nur für die spontanen Frühgeburten signifikant war (Odds Ratio 0,74; 0,57-0,96).

Keine Dosis-Wirkungsbeziehung

Den Beweis, dass Probiotika vor Präeklampsie und Frühgeburt schützen, liefert die Studie nicht. Wie bei allen prospektiven Studien lässt sich nicht ausschließen, dass andere Faktoren, etwa eine insgesamt gesündere Lebensweise der Probiotika-Konsumentinnen, für die protektive Wirkung verantwortlich sind. Eine Schwäche besteht darin, dass keine Dosis-Wirkungsbeziehung nachgewiesen werden konnte.

Wenn Schwangere, die mehr Gläser pro Tag getrunken haben, seltener erkrankt wären, hätte dies auf eine mögliche Kausalität hingewiesen. Auch die pathophysiologischen Zusammenhänge sind nicht unbedingt plausibel. Nordqvist vermutet, dass der Konsum der probiotischen Milch über das Immunsystem im Darm die entzündlichen Parameter im Blut abschwächt und so möglicherweise die Entwicklung von Präeklampsie und Frühgeburt verhindert. Dies ist jedoch eine unbewiesene Hypothese. Die Forscher liefern zudem keine weiteren Beweise für eine günstige Wirkung der probiotischen Milch auf die Immunparameter im Blut.

Der Beweis einer protektiven Wirkung könnte nur durch eine randomisierte kon­trollierte Studie erfolgen, die Frauen nach dem Zufallsprinzip auf die Einnahme von Probiotika oder einem Placebo randomisieren würde. Eine solche Studie ist trotz der Beliebtheit probiotischer Milch in der norwegischen Bevölkerung derzeit nicht in Sicht. © rme/aerzteblatt.de

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