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Medizin

Konsum von Methamphetamin und neuen psychoaktiven Substanzen in Deutschland

Sonntag, 28. Januar 2018

/dpa

Köln – Der Konsum von Methamphetamin ist in der deutschen Bevölkerung nicht allzu weit verbreitet. Geringe Prävalenzangaben aus 6 Bundesländern weisen darauf hin, dass Methamphetamin in keinem Bundesland die Rolle der „Alltagsdroge“ hat, wie teilweise medial dargestellt wird. Zu diesem Ergebnis kommt die Autorengruppe um Elena Gomes de Matos vom Institut für Therapieforschung in München in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 49–55).

Da der Großteil der Bevölkerung bisher keinen Kontakt zu Methamphetamin gehabt habe, raten die Autoren von bundesweiten Präventionskampagnen ab, die die Aufmerk­samkeit auf diese Substanz lenken und deren Verbreitung fördern könnten. Allerdings weisen sie darauf hin, dass es bei den Prävalenzangaben deutliche regionale Unter­schiede gebe; so liege die Lebenszeitprävalenz des Konsums von Methamphetamin in Sachsen (2,0 %) und in Thüringen (1,7 %) deutlich über den Angaben aus Nordrhein-Westfalen (0,37 %) oder Hamburg (0,62 %). Erklärt wird diese regionale Belastung mit der Nähe zu Tschechien, wo ein Großteil des Methamphetamins für den europäischen Markt produziert werde. In den stärker betroffenen Regionen empfehlen die Autoren eine besondere Sensibilisierung und Schulung des medizinischen Personals, das möglicherweise mit gesundheitlichen Folgen des Drogenkonsums konfrontiert werde.

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Gegenüber Methamphetamin liegt die Konsumentenzahl bei den neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) deutlich höher. Hier schwanken die Angaben zur Lebenszeitprävalenz zwischen 2,2 % in Bayern und 3,9 % in Hamburg. Der NPS-Begriff subsumiert synthe­tisch hergestellte Substanzen, die die Wirkung etablierter Drogen imitieren. In den letzten Jahren wurde ein deutlicher Anstieg der auf dem europäischen Markt erhält­lichen NPS beobachtet. Ihr Wirkspektrum erstreckt sich von cannabisähnlichen Effekten bis hin zu Wirkungen, die mit denen herkömmlicher Opioide vergleichbar sind.

Die Substanzformen reichen von sogenannten  Räuchermischungen, bei denen Pflanzenmaterial mit synthetischen Cannabinoiden vermengt wird (zum Beispiel dem sogenannten Spice), bis hin zu chemischen Reinsubstanzen (häufig als Research Chemicals bezeichnet). Bei der Befragung gaben die meisten Konsumenten an, die neuen psychoaktiven Substanzen in Form von Kräutermischungen geraucht zu haben.

Datengrundlage für die Studie bildet der Epidemiologische Suchtsurvey aus dem Jahr 2015. Diese bundesweite Befragung zum Konsum psychoaktiver Substanzen in der deutschen Wohnbevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren wurde in den 6 untersuchten Bundesländern Bayern, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen hinsichtlich der Fallzahlen aufgestockt, was repräsentative Aussagen ermöglicht. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass das Risiko bestehe, die Prävalenzen des Drogenkonsums aufgrund einer Tendenz zu sozial erwünschten Antworten zu unterschätzen. © tg/aerzteblatt.de

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