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Politik

Tausende Hausarztpraxen verwaist

Freitag, 26. Januar 2018

/dpa

Düsseldorf/Bonn – Bundesweit sind zurzeit 2.613 Hausarztpraxen verwaist. Insbeson­dere in ländlichen Gebieten werde es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereini­gungen (KVen) zunehmend schwieriger, für freiwerdende Arztpraxen Nachfolger zu finden, zeigt eine Umfrage der Rheinischen Post und des General-Anzeigers unter den KVen.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) regte angesichts der Zahlen eine bessere Bezahlung von Landärzten an. Zudem gehe es darum, den „Masterplan Medizinstudium 2020“ zügig umzusetzen und die Allgemeinmedizin zu stärken.

Strukturelle Anreize notwendig

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank-Ulrich Montgomery, forderte weitere strukturelle Anreize. „Wenn man Ärzte aufs Land bekommen will, sollte man nicht nur dafür sorgen, dass sie günstige Praxisräume und Arbeitsplätze für ihre Partner finden. Man muss dafür sorgen, dass ihre Kinder eine gute Schulbildung vorfinden.“

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Maria Klein-Schmeink, kritisierte „Fehlanreize bei der Arztverteilung“. Für viele Hausärzte seien Niederlassungen in Städten attraktiver, weil dort mehr Privatpatienten leben. Dieser Entwicklung müsse man mit einer Reform der Honorarordnung und einer Angleichung von Privat- und Kassenhonoraren gegensteuern: „Das geht gerecht jedoch nur in einer Bürgerversicherung.“

Bund, Länder, Kommunen und Kassenärztliche Vereinigungen versuchen bereits mit verschiedenen Förderprogrammen gegen einen Ärztemangel auf dem Land anzugehen. So werden Ärzte, die sich niederlassen wollen, zum Beispiel beim Umzug finanziell unterstützt. Zum 2017 beschlossenen „Masterplan Medizinstudium 2020“ gehört zudem, dass Medizinstudenten am Ende ihres Studiums in der Allgemeinmedizin geprüft werden.

Außerdem soll es künftig eine „Landarztquote“ bei der Vergabe der Studienplätze geben. Sie regelt, dass Studenten bevorzugt werden, die sich verpflichten, später in unterversorgten Regionen tätig zu sein. Mittlerweile ist ein Drittel der Hausärzte 60 Jahre alt oder älter. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schätzt, dass 2030 mehr als 10.500 Hausärzte fehlen könnten. © kna/dpa/aerzteblatt.de

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Practicus
am Freitag, 26. Januar 2018, 20:42

Ums Geld geht es nicht

auch Kassensitze mit einem Bruttoerlös von 250k€ sind in bestimmten Regionen unveräußerlich! - zB am Niederrhein...
Die Landarztkrise hat viele Gründe - aber bestimmt nicht unzureichende Umsätze
Eher schon die Budgetrisiken, wenn eine Nachbarpraxis schließt und neue Patienten ein ganzes Jahr lang quasi "unentgeltlich" behandelt werden müssen, aber das Arzneibudget sprengen...
Der kO-Katalog, der allgemeinmedizinische Leistungen ausschließt, die in Landpraxen wichtig sind - zB Gastroskopie, kleine Chirugie und Teilradiologie
Die Feminisierung der Medizin - wer zieht mit seiner Familie in eine Gegend, in der die Kinder stundenlang zur Schule kutschiert werden müssen und für jeden Bleistift eine Fahrt ins nächste "Mittelzentrum" notwendig ist - und die Ehepartner keine Jobs finden
Die Notwendigkeit einer abgeschlossenen Fachausbildung für jede vertragsärztliche Tätigkeit, selbst als Vertreter...
Früher konnte jeder Arzt mit einiger klinischer Erfahrung als Vertreter die hausärtliche Praxis kennenlernen, auch auf dem Land - und mancher von der Hierarchie in der Klinnik und von autöritären Chefs genervte Arzt zog die Nierlassung als praktischer Arzt vor, auch auf dem Land
Wer heute eine 5-jährige Fachausbildung absolviert, entscheidet sich eher für ein Fach, das einen geregelten 9-to-5-Job mit odentlichem Einkommen verspricht... aber doch nicht für die hausärztliche Medizin mit ihren vollkommen unkalkulierbaen Arbeitszeiten
Nicht nur Frauen möchten heute issen, wann sie abbends nachhause kommen
Ich werde meine Hausarztpraxis im Ruhrgebiet voraussichtlich auch ohne einen Nachfolger schleßen müssen...
rkubina
am Freitag, 26. Januar 2018, 19:40

Zu lange Facharztausbildung

Vorstellen könnte ich mir, dass auch die sehr lange Facharztausbildung ein Hemmschuh ist. Zu meiner Zeit waren es 3 Jahre, fand ich ok....

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