NewsPolitikPatientenbeauftragte stellt acht Forderungen an Gesundheitspolitik
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Patientenbeauftragte stellt acht Forderungen an Gesundheitspolitik

Dienstag, 30. Januar 2018

/Sandor Kacso, stock.adobe.com

Berlin – Die Patientenbeauftragte und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach (CDU), fordert von der künftigen Bundesregierung, die Menschen bewusster in den Mittelpunkt des Gesundheitssystems zu stellen.

Sie betont, zwar erhielten Patienten und Pflegebedürftige in Deutschland eine hochwertige Versorgung, allerdings gehe es im Gesundheitssystem auch oft um Geld und Einfluss – Patienten und Pflegebedürftige „geraten dabei allzu leicht aus dem Blickfeld“, so Fischbach. Ihre Forderung nach mehr Patientenzentrierung konkretisiert sie anhand von acht Punkten.

Anzeige

Verpflichtende Personaluntergrenzen

Die Patientenbeauftragte fordert, für alle bettenführenden Abteilungen verpflichtende Personaluntergrenzen einzuführen. „In einem zweiten Schritt sollte geprüft werden, ob – wie in der Altenpflege – ein wissenschaftliches Instrument zur Personalbemessung im Krankenhaus entwickelt werden kann“, so Fischbach.

Wichtig sei außerdem, die Gesundheitsfachberufe aufzuwerten. „Pflegefachkräfte und andere Gesundheitsfachberufe sind zusammen mit Abstand die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen und von erheblicher Bedeutung für die Versorgung von Patienten und Pflegebedürftigen. Die Attraktivität dieser Berufe muss durch kostenlose und moderne Ausbildungen und durch eine angemessene Vergütung in und nach der Ausbildung gekennzeichnet sein“, betont sie.

Mehr Transparenz notwendig

Die Patientenbeauftragte fordert außerdem mehr Transparenz über die Qualität in den Einrichtungen des Gesundheitssystems. „Deshalb muss die in der letzten Legislatur­periode im Krankenhausbereich begonnene Entwicklung zu mehr Transparenz über die Versorgungsqualität mutig fortgeführt und auf den ambulanten Bereich ausgedehnt werden“, so Fischbach.

Dafür seien Methoden und Indikatoren zu entwickeln, mit denen Qualität und Patientensicherheit im ambulanten wie im stationären Bereich gemessen und verständlich abgebildet werden könnten.

Mehr Transparenz sei auch bei den Entscheidungen der Kranken- und Pflegekassen nötig. Diese würden häufig als willkürlich wahrgenommen. „So gilt der Medizinische Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) vielen Patienten als der verlängerte Arm der Krankenkassen – nicht zuletzt, weil in seinen Verwaltungsräten Kassenmitarbeiter vertreten sind. Der MDK muss deshalb mit dem Ziel größerer Unabhängigkeit weiterentwickelt werden. Darüber hinaus müssen die Widerspruchsausschüsse der Kranken- und Pflegekassen transparenter werden sowie zeitnah und unabhängig entscheiden“, sagte sie.

Terminservicestellen verbessern

Des Weiteren müssten die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen durchgehend besser erreichbar sein, andernfalls müsse „ gesetzlich nachgesteuert werden“, so Fischbach. Sie fordert außerdem, es Patienten zu vereinfachen, bei möglichen Behandlungs­fehlern Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld durchzusetzen.

Fischbach kritisierte außerdem, ambulante Rehamaßnahmen vor Ort entlasteten pflegende Angehörige  nicht ausreichend. Für pflegende Angehörige müsse daher der Grundsatz „ambulant vor stationär“ korrigiert werden. Wichtig sei außerdem, die Kurzzeitpflege auszubauen. Diese sei eine wichtige Hilfe, wenn aufgrund einer Krisensituation Angehörige die Pflege eine Zeitlang nicht leisten könnten oder Patienten nach einem Kranken­haus­auf­enthalt vorübergehend hilfebedürftig seien. Betroffene fänden im Augenblick jedoch häufig keinen Kurzzeitpflegeplatz in ihrer Umgebung, kritisierte die Patientenbeauftragte. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. September 2020
Dortmund – Im Augenblick sind 78 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten mit den Leistungen des deutschen Gesundheitssystems zufrieden oder sehr zufrieden. Das geht aus der neuen Ausgabe der
Zufriedenheit der Deutschen mit dem Gesundheitswesen auf Rekordniveau
17. September 2020
Berlin – „Mach dich stark für die Sicherheit des Gesundheitspersonals“, so lautete übersetzt das Motto des heutigen Welttags für Patientensicherheit. Die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO hatte den
Welttag für Patientensicherheit: Gesundheitspersonal besser schützen
17. September 2020
Berlin – Rund neun Millionen Menschen sind in der EU jährlich von behandlungsassoziierten, sogenannten nosokomialen Infektionen betroffen. Etwa ein Drittel gilt als vermeidbar, vor allem durch bessere
Patientensicherheit: BVMed fordert EU-weiten Infektionsschutz
16. September 2020
Berlin – Eine gute Patientenversorgung setze einen wirksamen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten in Kliniken und Praxen voraus. Dies betonte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) Klaus
BÄK-Präsident Reinhardt betont Rolle des Gesundheitsschutzes für medizinische Berufe
15. September 2020
Konstanz – Die Mehrheit der Bevölkerung schätzt die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystem als hoch ein. Das zeigt eine Studie von Marius Busemeyer, Politikwissenschaftler und Experte für
Bevölkerung vertraut dem Gesundheitssystem bei Bekämpfung von SARS-CoV-2
14. September 2020
Brüssel – Tausende Ärzte, Krankenschwestern und andere Demonstranten haben gestern in der belgischen Hauptstadt Brüssel mehr Geld für das Gesundheitswesen in der Coronakrise gefordert. Die Polizei
Tausende fordern in Brüssel mehr Geld für Gesundheitswesen
11. September 2020
Berlin –Obwohl Frauen in vielen Teilen des Gesundheitssystems überproportional vertreten sind, werden Führungspositionen in der Regel mit Männern besetzt. Der Verein Spitzenfrauen Gesundheit hat es
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER