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Medizin

Auch Indien hat ein Diabetes- und Hypertonie-Problem

Dienstag, 30. Januar 2018

Elroi - stock.adobe.com

Boston – Die rasche wirtschaftliche Entwicklung in Indien bleibt offenbar nicht ohne Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung. Der Anteil der Diabetiker hat einer repräsentativen Querschnittsstudie in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.8094) zufolge westliche Dimensionen erreicht und bei der arteriellen Hypertonie hat die Prävalenz vor allem bei jüngeren Menschen ein beunruhigendes Niveau erreicht.

Mehr als ein Sechstel der Weltbevölkerung lebt in Indien. Das Land erlebt derzeit einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung. Trotz der unterschiedlichen Kultur und der in weiten Teilen vegetarischen Ernährung bleiben der Bevölkerung die westlichen Wohlstandserkrankungen jedoch nicht erspart. Die im letzten Jahr publizierten Ergebnisse der Global Burden of Disease Study haben bereits gezeigt, dass ischämische Herzerkrankungen, also in erster Linie ein Herzinfarkt, zur häufigsten Ursache für vorzeitige chronische Erkrankungen („disability-adjusted life-years“) geworden sind. 

Eine landesweite Umfrage, an der zwischen 2012 und 2014 mehr als 1,3 Millionen erwachsene Inder teilgenommen haben, zeigt jetzt das Ausmaß des Problems. Landesweit haben 6,1 Prozent aller Frauen und 6,5 Prozent aller Männer einen Typ 2-Diabetes. Am höchsten war die Prävalenz bei den Männern in der Altersgruppe über 65 Jahre: Hier wurden bei 14 Prozent zu hohe Blutzucker-Werte gemessen.

Eine arterielle Hypertonie wurde bei 20 Prozent der Frauen und bei 24,5 Prozent der Männer diagnostiziert. Die höchste Prävalenz hatten ältere Frauen: Mit 48,6 Prozent hat fast die Hälfte aller Inderinnen über 65 einen zu hohen Blutdruck. Fast noch erschreckender ist für Lindsay Jaacks von der Harvard T. H. Chan School of Public Health in Boston, die die Daten ausgewertet hat, dass viele jüngere Inder einen zu hohen Blutdruck haben. In einigen ärmeren ländlichen Regionen liegt die Prävalenz im Alter von 40 Jahren bereits bei 30,0 Prozent. Damit wird laut Jaacks sogar die Prävalenz in Zentral- und Osteuropa übertroffen.

Co-Autor Ashish Awasthi vom Indian Institute of Public Health in Gandhinagar befürchtet angesichts dieser Zahlen, dass die Zahl der Todesfälle in den nächsten Jahrzehnten stark ansteigen wird, wenn Regierung und Bevölkerung die Risiken nicht erkennen und die Probleme Diabetes und arterielle Hypertonie nicht rechtzeitig angehen. © rme/aerzteblatt.de

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