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Medizin

„Proinflamma­torische“ Nahrungsmittel könnten Darmkrebs fördern

Mittwoch, 31. Januar 2018

/Vitos, stockadobecom

Boston – Der häufige Verzehr von Nahrungsmitteln, die drei etablierte Entzündungs­parameter im Blut erhöhen, war in 2 prospektiven Beobachtungsstudien in JAMA Oncology (2018; doi: 10.1001/jamaoncol.2017.4844) mit einem gesteigerten Darmkrebsrisiko assoziiert. 

Epidemiologen vermuten seit Langem, dass eine ungesunde Ernährung für den Anstieg von Darmkrebserkrankungen in westlichen Ländern verantwortlich ist. Es ist allerdings umstritten, welche Bestandteile der Nahrung die Auslöser sind. Ein Team um Fred Tabung von der Harvard T. H. Chan School of Public Health in Boston hat eine Gruppe von Nahrungsmitteln im Verdacht, die im Körper entzündliche Vorgänge stimulieren. 

In einer früheren Untersuchung hatten die Forscher die Daten der Nurses’ Health Study darauf untersucht, welche Nahrungsbestandteile die Konzentration von 3 Entzün­dungs­­parametern im Blut steigern. Dies waren das C-reaktive Protein (CRP), Interleukin-6 (IL-6) und der Rezeptor für den Tumornekrosefaktor-alpha (TNFaR2). 

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Der im Journal of Nutrition (2016; 146: 1560–70) vorgestellten EDIP-Index („empirical dietary inflammatory pattern“) bewertet die Nahrungsmittel nach ihrem Einfluss auf die Entzündungsparameter: Einen hohen EDIP-Index haben rotes Fleisch, Fisch (ausge­nommen Fisch mit dunklem Fleisch), Gemüse (mit der Ausnahme von grünem Blattgemüse und dunkelgelbes Gemüse), raffiniertes Getreide, kohlensäurehaltige Getränke (mit oder ohne Zucker) und Tomaten. Einen günstigen Einfluss haben dagegen Bier, Wein, Tee, Kaffee, dunkelgelbes Gemüse (Karotten, gelber Kürbis und Süßkartoffeln), grünes Blattgemüse, Snacks, Fruchtsaft und Pizza (sic!).

Die Forscher haben den Index jetzt auf die Daten der Professionals Follow-up Study und der Nurses' Health Study angewendet, deren Teilnehmer alle 4 Jahre nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt wurden.

Tatsächlich bestand eine Assoziation zwischen proinflammatorischer Diät und einem erhöhten Darmkrebsrisiko. Männer mit dem höchsten EDIP-Score (Vergleich des obersten mit dem untersten Fünftel) erkrankten zu 44 Prozent häufiger an Darmkrebs. Tabung ermittelte eine Hazard Ratio (HR) von 1,44, die mit einem 95-%-Konfidenz­intervall von 1,19 bis 1,74 signifikant war. Bei Frauen war eine proinflammatorische Diät (hoher EDIP-Score) mit einem um 22 Prozent erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden (HR 1,22; 1,02–1,45). 

Die Assoziation zwischen EDIP und Darmkrebs wurde für alle Abschnitte des Darms mit Ausnahme des Rektums bei Frauen beobachtet. Eine Adipositas verstärkte bei Männern die Assoziation, während Frauen eher gefährdet scheinen, wenn sie schlank sind. 

Alkohol hatte einen eher unerwarteten Einfluss. Bei abstinenten Männern wirkte sich eine proentzündliche Diät ungünstig aus, während bei Frauen ein regelmäßiger Alkoholkonsum die ungünstigen Folgen der proentzündlichen Ernährung sogar aufhob.

Wie verlässlich die Ergebnisse sind, ist wie immer bei epidemiologischen Studien fraglich. Eine Kausalität lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Das Konzept der „proentzündlichen“ Diät ist neu. Tabung verteidigt es mit dem Hinweis auf andere bekannte Zusammenhänge zwischen Entzündungen und Darmkrebs. Dazu gehört etwa die erhöhte Darmkrebsrate bei entzündlichen Darm­er­krank­ungen und die krebs­präventive Wirkung von ASS, die auch in randomisierten Studien beobachtet wurde. Der Beweis, dass die Meidung proinflammatorischer Nahrungsmittel vor Darmkrebs schützt, müsste in einer randomisierten Studie zur Ernährungstherapie erbracht werden. Eine solche Studie ist allerdings nicht in Sicht. © rme/aerzteblatt.de

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