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Medizin

Metabolisches Syndrom: Grunderkrankung und nicht die Medikamente führen zur erektilen Dysfunktion

Mittwoch, 31. Januar 2018

/photophonie, stockadobecom

Hamilton/Ontario – Die unter männlichen Patienten weit verbreitete Angst, dass Medikamente zur Behandlung von Cholesterin oder hohem Blutdruck zu Potenz­störungen führen, hat sich in einer großen randomisierten kontrollierten Studie nicht bestätigt. Nach den im Canadian Journal of Cardiology (2018; 34: 38–44) vorgestellten Ergebnissen sind eher die kardiovaskulären Risikofaktoren für die erektile Dysfunktion verantwortlich als die Medikamente.

Das metabolische Syndrom umschreibt eine häufige Risikokonstellation aus Fettleibigkeit sowie erhöhten Werten von Blutdruck, Lipiden und Blutzucker. Häufig kommt als weiterer kardialer Risikofaktor das Rauchen hinzu. Diesen Patienten wird häufig – nachdem alle Appelle an eine Änderung des Lebensstils sich als fruchtlos erwiesen haben – eine Kombination aus Blutdruck- und Cholesterinsenkern verschrieben, eventuell ergänzt um orale Antidiabetika, wenn die Grenze zum Typ-2-Diabetes überschritten wurde. 

Sowohl die Blutdruckmedikamente als auch die Cholesterinsenker stehen im Ruf, sich negativ auf die Potenz des Mannes auszuwirken. Ein Team um Philip Joseph von der McMaster University in Hamilton/Ontario hat hierzu jetzt die Daten der HOPE-3-Studie ausgewertet. An der (vom Hersteller gesponserten) Studie hatten seinerzeit mehr als 12.000 Personen teilgenommen. Sie hatten noch keine kardiovaskulären Erkrankungen erlitten, wiesen allerdings zumeist mehrere Risikofaktoren auf. Mit einem INTERHEART Risk Score von 15 hatten sie ein mittleres Risiko auf einen baldigen Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Studie hatte die Wirkungen des kombinierten Blutdrucksenkers Candesartan (16 mg/die) plus Hydrochlorothiazid (12,5 mg/die) und des Cholesterinsenkers Rosuvastatin (10 mg/die) untersucht. In einem 2x2-Design waren die Patienten entweder nur mit dem Blutdrucksenker oder nur mit dem Cholesterinsenker, mit einer Kombination beider Mittel oder mit Placebo behandelt worden. Die ursprünglichen Ergebnisse wurden vor 2 Jahren publiziert. Die kombinierte Behandlung mit beiden Medikamenten hatte nach einer Behandlungszeit von 5,6 Jahren die beste Schutzwirkung gegen kardiovaskuläre Ereignisse erzielt (NEJM 2016; 374: 2032–43).

Zu den Untersuchungen gehörte auch der IIEF-5-Fragebogen („International Index of Erectile Function“), der 5 Aspekte männlicher Potenzstörungen erfragt. Er kann zwischen 0 (maximale erektile Dysfunktion) und 25 Punkte (keine erektile Dysfunktion) erreichen. Von den 6.831 Männern der Studie hatten 4.414 den Fragebogen zu Beginn der Studie vollständig ausgefüllt. 

Etwa die Hälfte dieser Männer im Alter von durchschnittlich 65 Jahren gab zu Beginn der Studie an, nicht mehr sexuell aktiv zu sein. Da hier keine negativen Auswirkungen der Medikamente mehr zu erwarten waren, schloss Joseph sie von der Auswertung aus.

Die übrigen 2.153 Männer im Durchschnittsalter von 61,5 Jahren hatten zu Beginn der Studie einen IIEF-5-Score von 23,0 Punkten. Unter der Therapie mit Rosuvastatin kam es im Vergleich zu Placebo in den folgenden 5,6 Jahren zu einem leichten, aber nicht signifikanten Rückgang um 1,4 Punkte (p = 0,74). Die Behandlung mit Candesartan plus Hydrochlorothiazid führte ebenfalls nur zu einem schwachen und statistisch nicht signifikanten Rückgang des IIEF-5-Score um 1,6 Punkte (p = 0,10). Auch die Kombi­nation aus Cholesterinsenker und Hochdruckmedikament blieb ohne signifikante Auswirkungen auf die männliche Potenz (p = 0,35). 

Die Ergebnisse lassen sich natürlich nicht auf andere Hochdruckmedikamente über­tragen. Die Auswirkungen von Hochdruckmedikamenten auf die männliche Potenz sind laut dem Editorialisten John Mancini von der Universität von British Columbia in Vancouver jedoch für die meisten Wirkstoffe kaum untersucht. Die meisten Potenz­störungen dürften laut Mancini eher auf die kardiovaskulären Risikofaktoren zurückzuführen sein. © rme/aerzteblatt.de

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