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Medizin

Warum Männer seltener an Multipler Sklerose erkranken

Mittwoch, 31. Januar 2018

/jarun011, stockadobecom

Chicago – US-Forscher haben herausgefunden, warum die höhere Testosteron­produktion Männer vor einer Multiplen Sklerose schützt. Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2018; doi: 10.1073/pnas.1710401115) vorgestellten Ergebnisse könnten neue Perspektiven für die Behandlung der Autoimmun­erkrankungen eröffnen.

Frauen leiden sehr viel häufiger unter Autoimmunerkrankungen als Männer. Dies gilt für die rheumatoide Arthritis, den systemischen Lupus erythematodes und auch für die Multiple Sklerose (MS), die bei Frauen 3- bis 4-mal häufiger vorkommt als bei Männern. Die Schutzwirkung für Männer lässt sich auf die vermehrte Produktion von Testosteron zurückführen, und erste klinische Studien bei männlichen MS-Patienten haben gezeigt, dass eine Testosteronbehandlung über 12 Monate den Angriff des Immunsystems auf die Myelinscheiden hemmen und die daraus folgenden Symptome lindern kann. Eine Testosteronbehandlung kommt jedoch wegen der Vielzahl von unerwünschten Nebenwirkungen für Männer und erst recht für Frauen nicht infrage. 

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Auf welche Weise Testosteron das Immunsystem vom Angriff auf die Myelinscheiden abhält, war bisher nicht bekannt. Nach den jetzt von Melissa Brown von der Feinberg School of Medicine in Chicago vorgestellten Ergebnissen könnte der Botenstoff Interleukin 33 (IL-33) eine zentrale Rolle spielen. Ihre Experimente an Mäusen, bei denen durch Gabe des Proteins PLP139-151 eine experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis (EAE) ausgelöst wurde (ein etabliertes Tiermodell der Multiplen Sklerose), zeigen, dass Testosteron die Mastzellen veranlasst, vermehrt IL-33 zu produzieren.

IL-33 wiederum aktiviert sogenannte „typ 2 innate lymphoid cells" (ILC2), die bei der Regulierung der Immunabwehr eine zentrale Rolle spielen. Konkret hemmen ILC2 die Th 17-Zellen, die am Angriff auf die Myelinscheiden beteiligt sind. Die Injektion von IL-33 verhinderte bei weiblichen Tieren den Angriff auf die Myelinscheiden, und die Entwicklung einer EAE blieb aus.

Inwiefern IL-33 zur Behandlung der MS bei Frauen (oder auch Männern) geeignet wäre, steht noch nicht fest. Da die Behandlung einen Anstieg des Testosterons vermeidet, könnte sie auch bei Frauen problemlos eingesetzt werden. Der nächste Schritt dürften weitere tierexperimentelle Studien zur Sicherheit von IL-33 sein. Erst dann kämen klinische Studien infrage. © rme/aerzteblatt.de

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