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Politik

Vor allem jüngere Menschen nutzen Notaufnahmen

Donnerstag, 1. Februar 2018

/eunikas, stock.adobe.com

Hamburg – An wen sich die Menschen in Deutschland in medizinischen Notfällen außerhalb der Praxisöffnungszeiten wenden, ist auch eine Frage des Alters. Das zeigte eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) unter 1.002 Menschen ab 18 Jahren.

Demnach suchten 44 Prozent der 18- bis 39-Jährigen in den vergangenen drei Jahren Hilfe in einer Notaufnahme. Bei den 40- bis 59-Jährigen waren es nur 35 Prozent und bei den 60- bis 70-Jährigen sogar nur 24 Prozent. 16 Prozent der 18- bis 39-Jährigen riefen zudem in den vergangenen drei Jahren die Notrufnummer 112 an.

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Darüber hinaus werden ambulante Notfallpraxen von den Jüngeren stärker frequentiert. Während knapp jeder Dritte (29 Prozent) unter 39 Jahren dort vorstellig wurde, trifft das nur auf jeden Fünften zwischen 40 und 59 Jahren zu. Bei den 60- bis 70-Jährigen sind es nur 13 Prozent.

Die Zahlen decken sich auch mit einem weiteren Umfrageergebnis. Denn demnach ist der Anteil der Notaufnahmebesucher unter denjenigen, für die das Internet eine wichtige oder sehr wichtige Quelle für Gesundheitsinformationen ist, besonders hoch. 59 Prozent von ihnen haben innerhalb der vergangenen zehn Jahre eigeninitiativ – also ohne Rettungswageneinsatz oder ärztliche Überweisung – eine Notaufnahme aufgesucht. Unter jenen, die „Dr. Google“ weniger Relevanz beimessen, waren es nur 45 Prozent.

Zudem sind in der Notaufnahme diejenigen besonders stark vertreten, die auch angaben, sich sehr gut in Gesundheitsthemen auszukennen. Sechs von zehn (59 Prozent) suchten seit 2008 eine Notaufnahme auf – unter jenen, die angaben, hier nur zufriedenstellend Bescheid zu wissen, waren es 47 Prozent.

Der Umfrage zufolge ist auch insgesamt die Notaufnahme die erste Wahl, wenn Menschen in Deutschland außerhalb der Praxisöffnungszeiten medizinische Hilfe benötigen. 37 Prozent der Menschen in Deutschland haben innerhalb der vergangenen drei Jahre mindestens einmal die Notaufnahme eines Krankenhauses aufgesucht. Eine ambulante Notfallpraxis suchten 22 Prozent auf, 13 Prozent wählten den Notruf (112) und 11 Prozent wandten sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117.

„Ob ein Notfall vorliegt oder nicht, können viele Menschen nur schwer einschätzen. Bei unklaren Beschwerden kann es natürlich sehr sinnvoll sein, einen Arzt aufzusuchen – es muss aber nicht immer direkt die Notaufnahme sein“, sagte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Er forderte ein Notfallsystem, das die Patienten verstehen und Notärzte nicht überlastet.

Aus seiner Sicht können dies Portalpraxen direkt in den Krankenhäusern leisten. Diese sollen etwa dafür sorgen, dass Patienten, die keine akuten Notfälle sind, die passende medizinische Hilfe finden, ohne die Kapazitäten der Notaufnahmen zu blockieren. Baas spricht sich dafür aus, dass Portalpraxen – als Teil der Notaufnahmen in Krankenhäusern – als Dreh- und Angelpunkte fungieren und rund um die Uhr eine Anlaufstelle für alle Notfallpatienten sind.

Konzept von KBV und MB

Baas unterstützt damit einen Vorschlag zur Neuorganisation der Notfallversorgung von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Marburger Bund (MB). Beide hatten ein Konzept für eine Reform der Notfallversorgung erarbeitet. Demnach soll es nur noch eine zentrale Anlaufstelle in den Kranken­häusern geben.

Dort nimmt medizinisches Fachpersonal eine medizinische Ersteinschätzung vor, die bundesweit einheitlich und standardisiert ablaufen soll. Von dort werden die Patienten entweder in die Krankenhausambulanz, an den kassenärztlichen Bereitschafts­dienst oder in die reguläre Sprechstunde beim niedergelassenen Arzt verwiesen. Ziel ist, dass die Patienten dort behandelt werden, wo es der Schwere ihrer Erkrankung und der Dringlichkeit einer Behandlung entspricht.

Um das zu erreichen, sollen den Vorstellungen von KBV und MB zufolge auch die Notrufnummern des Rettungsdienstes 112 und die des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 stärker vernetzt werden. Die 116117 sollte demnach künftig rund um die Uhr erreichbar sein und nicht, wie derzeit, nur zu den sprechstundenfreien Zeiten. Unter dieser Nummer sollen Anrufer zusätzlich die Möglichkeit erhalten, sich von speziell fortgebildeten Ärzten medizinisch beraten zu lassen. © may/aerzteblatt.de

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