NewsMedizinOnline-Stress­management hilft Krebspatienten bei der Krisenbewältigung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Online-Stress­management hilft Krebspatienten bei der Krisenbewältigung

Montag, 5. Februar 2018

/DragonImages, stock.adobe.com

Basel – Die psychische Belastung, die mit der Diagnose einer Krebserkrankung verbun­den ist, ließ sich in einer randomisierten Studie im Journal of Clinical Oncology (2018; doi: 10.1200/JCO.2017.74.8491) durch ein Online-Stressmanagement-Programm mildern, das Psychologen aus der Schweiz entwickelt haben.

Jede Krebsdiagnose ist mit Stress verbunden. Die Krankheit stellt Lebensentwürfe unvermittelt infrage und die Behandlung belastet den Patienten durch Termine und Nebenwirkungen. Nur wenige Patienten können in dieser Situation auf die Hilfe eines Psychologen zählen. Dabei zeigen Untersuchungen, dass ein Stressabbau den Patien­ten helfen kann, die Diagnose zu verkraften, was sich auch auf die Adhärenz und damit auf die Ergebnisse der Therapie auswirken kann.

Anzeige

Um allen Patienten zu helfen, die nicht persönlich von einem Psychologen betreut werden können, haben Forscher der Universitäten Bern und Basel das Online-Stress­management-Programm STREAM („Stress aktiv mindern“) entwickelt.

Es besteht aus 8 Modulen. Sie klären die Patienten über die Stressreaktionen auf, die die Krankheit bei ihnen auslöst. Den Patienten sollen damit Instrumente an die Hand gegeben werden, mit denen sie ihre Sorgen und Ängste besser verarbeiten können. Die Patienten erhielten zudem einmal pro Woche die Möglichkeit, sich per E-Mail mit einer Psychologin auszutauschen.

Die Patienten loggen sich einmal wöchentlich über einen persönlichen, anonymen Zugang für 60 bis 90 Minuten in das STREAM-Portal ein. Jedes Modul enthält Infor­mationen zu einem bestimmen Thema, führt die Patienten zu einer Reflexion ihrer eigenen Situation und legt ihnen am Ende Strategien nahe, mit denen sie über die Woche hin ihren Krankheitsstress abbauen können.

Ein Team um die Onkologin Viviane Hess von der Universität Basel hat STREAM in einer randomisierten Studie bei 129 Patienten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich getestet. Die Hälfte der Patienten nahm sofort an dem Programm teil, die andere Hälfte begann 8 Wochen später. Primärer Endpunkt war der Fragebogen „FACIT-F“ („Functional Assessment of Chronic Illness Therapy–Fatigue“), der den Einfluss der Behandlung auf die Lebensqualität misst. Zu den sekundären Endpunkten gehörte ein „Stress-Thermometer“ und ein Fragebogen zu Ängsten und Depressionen (HADS).

Das Programm wurde von den Patienten offenbar gut angenommen: 4 von 5 Patienten nahmen an mindestens 6 Modulen teil. In der Abschlussuntersuchung schätzten die Patienten, die das STREAM-Programm absolviert hatten, ihre Lebensqualität deutlich besser ein als die Kontrollgruppe. Auch das „Stress-Thermometer“ war bei ihnen gesunken. Ängste und Depressionen wurden dagegen nicht beeinflusst. 

Die Forscher betrachten ihr Programm als erfolgreich und zukunftsfähig. Viele „digital natives“ würden demnächst das Alter erreichen, in denen Krebserkrankungen auftreten und webbasierte Programme könnten für sie eine akzeptable und effektive Hilfe sein, um den mit der Diagnose „Krebs“ verbundenen Stress besser zu verarbeiten. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Februar 2019
München – Studierende in Bayern scheinen häufig unter Prüfungsangst zu leiden. Entsprechende Beratungsangebote werden an den Universitäten stark nachgefragt. Die Universitäten in Augsburg, Bayreuth,
Beratungsangebote gegen Prüfungsangst an Universitäten stark gefragt
8. Februar 2019
Hamburg – Ein neues Onkolotsen-Programm hat das Universitäre Krebszentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UCCH) initiiert. Ein „Onkolotse“ unterstützt danach ab sofort Krebspatienten
Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf startet Onkolotsen-Programm
6. Februar 2019
Neu Delhi/Magdeburg – Eine Achtsamkeitsmeditation kann den Augeninnendruck bei Patienten mit grünem Star senken, stressbedingte Biomarker reduzieren und die Lebensqualität deutlich verbessern. Das
Achtsamkeitstraining senkt Augeninnendruck bei Glaukom
29. Januar 2019
Berlin – Die psychosoziale Beratung von Krebskranken und ihren Angehörigen steht in Deutschland offenbar auf wackligen Beinen. Dies soll sich aber ändern. Das verspricht die Bundesregierung in ihrer
Bundesregierung will sichere Finanzierung für psychosoziale Beratung von Krebskranken
9. Januar 2019
Leipzig – Wenn die Mutter gestresst ist, kann das zu Übergewicht bei den Kindern führen. Der empfundene Stress im ersten Lebensjahr des Kinds sei ein Risikofaktor für eine Übergewichtsentwicklung,
Stress bei Müttern kann zu Übergewicht bei Kindern führen
27. Dezember 2018
Düsseldorf – Für eine bessere Personalausstattung mit Krankenhausärzten hat sich der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, ausgesprochen. Ähnlich wie für Pflegekräfte soll es
Warnung vor Ärztemangel und hoher Burnout-Quote
18. Dezember 2018
Palo Alto/Kalifornien – Eine gewisse mentale Anspannung mag nützlich sein, weil es die Aufmerksamkeit erhöht. Ein zu hoher Stresslevel kann jedoch die Fehlerrate von Chirurgen erhöhen, wie eine Studie
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER