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Politik

Berlin plant mehr Hebammen und Kreißsäle

Freitag, 2. Februar 2018

/dpa

Berlin – Werdende Mütter in Berlin sollen bei der Geburtshilfe in Zukunft besser betreut werden. Zahlreiche Beteiligte beschlossen dazu an einem Runden Tisch ein Aktionsprogramm, das zehn Punkte umfasst. Vorgesehen ist unter anderem, mehr Hebammen auszubilden und ihre Arbeitsbedingungen an den 19 Geburtskliniken zu verbessern. Außerdem stellt der Senat zusätzlich 20 Millionen Euro für die Erweiterung von Kreißsälen bereit, wie Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) heute mitteilte.

Eine Vermittlungsplattform für Hebammen soll ebenso online gehen wie ein System für alle Geburtskliniken, das freie Kapazitäten in Kreißsälen in Echtzeit abbildet. Dieses soll im April starten, die aus Lottomitteln finanzierte Plattform voraussichtlich im Oktober.

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Engpässe beseitigen

Hintergrund ist der Babyboom in Berlin mit jährlich um die 42.000 Geburten, in dessen Folge es zuletzt Engpässe gab. Schwangere fanden keine Hebamme oder wurden trotz einsetzender Wehen von Kliniken abgewiesen, Geburtshelferinnen wiederum klagten über Überlastung. Um die Probleme anzugehen, berief Kolat im Vorjahr erstmals einen Runden Tisch ein, an dem Kliniken, Hebammenverband, Rettungsdienste, Ärztever­bände, Krankenkassen und Eltern vertreten sind.

„Wir wollen, dass sich alle werdenden Mütter gut unterstützt und betreut fühlen“, sagte Kolat. Das gelte nicht nur für die Geburt selbst, sondern auch die Vor- und Nachsorge. Wichtig sei, dass bei der Beseitigung der „Engpasssituation“ alle Beteiligten an einem Strang zögen und sich verpflichtet hätten, ihren Anteil zu leisten.

Zu den Details des Aktionsprogramms: Bis 2020 sollen die Berliner Hebammenschulen ihre Kapazitäten von 202 auf 332 Ausbildungsplätze erhöhen. Die Finanzierung ist über die Krankenkassen gesichert. Die zusätzlichen 20 Millionen Euro für die Kreißsäle werden auf sechs Geburtskliniken verteilt. Durch mehr Personaleinsatz und bessere Organisation an den Geburtszentren für Frühchen und kranke Säuglinge sei es gelungen, kurzfristig mindestens 900 Geburten pro Jahr zusätzlich zu ermöglichen, hieß es.

Wesentlich gerade aus Sicht ihres Verbandes ist das Ziel, die Arbeitsbedingungen für Hebammen zu verbessern. Die Kliniken sollen sich bis Herbst auf einen konkreten Maßnahmekatalog verständigen. Wenn sich Hebammen auf ihre Kernaufgaben der Geburtshilfe konzentrieren könnten und von diversen zusätzlichen Aufgaben befreit würden, seien auch wieder mehr bereit, in die Kliniken zu gehen, sagte die Vorsitzende des Berliner Hebammenverbandes, Susanna Rinne-Wolf. Zuletzt waren dort 25 von 300 Stellen nicht besetzt.

Kolat kündigte eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel an, eine Mindestausstattung an Hebammen für Geburtskliniken festzulegen. Die Kliniken und Verband planen zudem eine Werbeoffensive für mehr Hebammen. Die Zahl der Wochenbetten soll abhängig vom Bedarf „flexibel“ oder „dauerhaft“ erhöht werden.

Besser kooperieren

Teil des Programms ist auch die Verpflichtung der Geburtskliniken, „sensibel und situationsgerecht mit Schwangeren zu kommunizieren“. Hier habe sich in der Zusammenarbeit der Einrichtungen schon einiges verbessert, sagte der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des St.-Joseph-Krankenhauses, Michael Abou-Dakn. Mutter und Kind müssten im Mittelpunkt stehen. Ziel sei „mehr Ruhe“ für die Frauen, die zuletzt sehr nervös geworden seien angesichts der öffentlichen Diskussion.

Die Elternvertretung am Runden Tisch kritisierte das Zehn-Punkte-Programm. „Die Perspektive der Eltern als der direkt Betroffenen findet sich in den Ergebnissen kaum wider“, erklärte Claudia Watzel vom Netzwerk der Elterninitiativen für Geburtskultur. Das Ausmaß der Problematik werde vom Senat „bagatellisiert“. Nötig sei eine genaue Analyse des Ist-Zustands. Die CDU begrüßte, dass Senatorin Kolat schon länger vorgebrachte Forderungen der Partei nun umsetzen wolle. © dpa/aerzteblatt.de

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