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Medizin

Auch Ibuprofen in der Frühschwangerschaft könnte Töchter unfruchtbar machen

Freitag, 2. Februar 2018

/highwaystarz - stock.adobe.com

Rennes – Das nichtsteroidale Antiphlogistikum (NSAID) Ibuprofen hat in Laborex­perimenten in Human Reproduction (2018; doi: 10.1093/humrep/dex383) zu einem „dramatischen Verlust“ von weiblichen Keimzellen geführt. Damit gerät zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ein in der Schwangerschaft beliebtes und rezeptfrei erhältliches Schmerzmittel in den Verdacht, die spätere Fertilität der Töchter zu gefährden.

Im Januar hatten Forscher der Universität Kopenhagen in Endocrine Connections (2018; doi: 10.1530/EC-17-0298) auf Experimente an trächtigen Ratten und Mäusen hinge­wiesen. Die Exposition der Muttertiere mit Paracetamol (während einer vulnerablen Phase) in der Frühschwangerschaft hatte bei den weiblichen Tieren des Wurfes zu einer verminderten Produktion von Oozyten in den Ovarien geführt.

Auf den Menschen übertragen könnte dies bedeuten, dass die Mutter durch die Einnahme von Paracetamol während der Frühschwangerschaft die späteren Chancen ihrer Töchter auf eine erfolgreiche Schwangerschaft vermindert. Und da Paracetamol das am häufigsten verwendete Schmerzmittel in der Schwangerschaft ist, könnte dies ein verbreitetes Problem sein. Reproduktionsmediziner sehen in einer geringen „Oozytenreserve“ eine häufige Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch.

Nach Paracetamol ist Ibuprofen das am zweithäufigsten eingesetzte Schmerzmittel in der Schwangerschaft. In Umfragen gaben etwa 30 Prozent der Frauen an, das Mittel in der Frühschwangerschaft mindestens einmal eingenommen zu haben. In der Spätschwangerschaft ist Ibuprofen kontraindiziert, da es dann das Risiko auf Fehlbildungen erhöht.

Ibuprofen hemmt wie alle NSAID das Enzym Cyclooxygenase (COX). COX ist das Schlüsselenzym in der Produktion von Prostaglandinen, die möglicherweise für die Entwicklung von Oozyten im Ovar des Feten benötigt werden. Genau bekannt sind die Zusammenhänge jedoch nicht.

Dies hat ein Team um Séverine Mazaud-Guittot vom Forschungsinstitut INSERM in Rennes bewogen, den Einfluss von Ibuprofen auf die Entwicklung von Eizellen zu untersuchen. Die Experimente wurden im Labor an menschlichen Ovarien durchgeführt, die von legalen Abbrüchen in der siebten bis zwölften Schwangerschaftswoche stammten. 

Die Forscher kultivierten das Eierstockgewebe von 185 Feten im Labor und versetzten die Nährlösungen mit Ibuprofen in unterschiedlichen Konzentrationen. Einige Frauen hatten zwei bis vier Stunden vor dem Abbruch Ibuprofen eingenommen. Hier wurde die Konzentration von Ibuprofen im Nabelschnurblut bestimmt. 

Die Untersuchungen belegen, dass Ibuprofen ungehindert die Plazentaschranke überschreitet. Die Konzentration im Nabelschnurblut war laut Mazaud-Guittot genauso hoch wie im Blut von Menschen, die die gleiche Dosis Ibuprofen einnehmen.

Danach wurde das Ovarialgewebe der Feten, deren Mütter kein Ibuprofen erhalten hatten, eine Woche lang über das Nährmedium mit Ibuprofen exponiert. Die Folge wäre ein reduziertes Zellwachstum und ein, wie Mazaud-Guittot schreibt, dramatischer Rückgang der Oozytenzahl. Die Wirkung war nach Entfernung von Ibuprofen aus der Nährstofflösung nicht reversibel.

Die stärkste Auswirkung wurde bei einer Konzentration von 10 µmol Ibuprofen gesehen, während der Effekt bei einer Konzentration von 100 µmol etwas schwächer ausfiel. Diese fehlende (oder paradoxe) Dosis-Wirkungs-Beziehung stellt die Aussagekraft der „Ex vivo“-Experimente infrage. Offen ist auch, ob die Ovarien im lebenden Feten in gleicherweise geschädigt würden. 

Ob die Einnahme von Ibuprofen tatsächlich die Fruchtbarkeit der Töchter herabsetzt, könnte nur in epidemiologischen Studien untersucht werden. Diese Untersuchungen werden wegen der langen Zeitperiode zwischen der Exposition und den Folgen - frühestens zwei Jahrzehnten, heute eher später, wenn die dann geschlechtsreifen Töchter einen Kinderwunsch entwickeln - nur schwierig durchzuführen sein. Die Experimente bestärken jedoch die Grundhaltung vieler Pharmakologen, die schwan­geren Frauen raten, nur in begründeten Fällen Medikamente einzunehmen. © rme/aerzteblatt.de

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