NewsMedizinWie sich kardiale Risiken der Brustkrebstherapie vermeiden lassen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wie sich kardiale Risiken der Brustkrebstherapie vermeiden lassen

Sonntag, 4. Februar 2018

/Anna Jurkovska, stock.adobe.com

Dallas – Radio- und Chemotherapie des Mammakarzinoms können das Herz schädigen. Die American Heart Association rät deshalb, die Patientinnen kardiologisch zu be­treuen. In Circulation (2018; doi: 10.1161/CIR.0000000000000556) werden Mög­lichkeiten zur Vermeidung und Behandlung der Therapiefolgen genannt. 

Die guten Behandlungsergebnisse beim Mammakarzinom haben dazu geführt, dass vor allem ältere Patientinnen häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als am Krebsleiden sterben. Dies liegt nicht nur daran, dass sich einige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs überlappen – etwa Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, eine Hormonersatztherapie und die westliche Ernährungsweise.

Anzeige

Auch die Brustkrebstherapie kann das Herz angreifen. Am bekanntesten ist der Abfall der Herzleistung unter der Therapie mit Trastuzumab, der nach Einschätzung der American Heart Association jedoch in der Regel reversibel ist. Dies ist nach einer Chemotherapie mit Taxanen oder Platin, die in fortgeschritteneren Stadien eingesetzt werden, nicht der Fall.

Diese Medikamente können die Herzleistung dauerhaft mindern. Auch eine adjuvante Chemotherapie im Frühstadium kann, etwa wenn Doxorubicin zum Einsatz kommt, den Herzmuskel langfristig schädigen. Anthrazykline können Herzrhythmusstörungen auslösen, die bei manchen Patienten gutartig sind, bei anderen jedoch lebensbe­drohliche Arrhythmien auslösen. Antimetabolite wie 5-Fluorouracil und Capecitabin können Spasmen der Koronararterien provozieren. Die Folge ist eine Angina pectoris und manchmal auch ein Herzinfarkt. Eine endokrine Therapie wirkt sich dagegen, vor allem wenn sie mit Tamoxifen durchgeführt wird, eher günstig auf das Herz aus. 

Bei der Radiotherapie lässt sich eine Strahlenexposition des Herzmuskels, vor allem bei einen Brustkrebs auf der linken Seite, kaum vermeiden: Mit jedem Gray der Strahlendosis steigt das Risiko auf eine spätere koronare Herzkrankheit.

Troponin I ist aus Sicht der American Heart Association ein brauchbarer Biomarker für eine akute Schädigung des Herzmuskels unter der Chemotherapie. Wenn der Wert nach der Therapie wieder sinkt, zeige dies eine Erholung des Herzmuskels an. Die Folgen der Radiotherapie auf den Herzmuskel machen sich häufig erst Jahre später bemerkbar: Ein Anstieg des hoch-sensitiven Troponin T könnte Hinweise liefern, Herzecho oder vielleicht auch eine Magnetresonanztomographie machen laut American Heart Association den Abfall der Herzleistung frühzeitig erkennbar.

Wie das Herz vor den Folgen der Therapie geschützt werden könnte, ist unklar. Kleinere Studien deuten darauf hin, dass eine langsame intravenöse Infusion von Doxorubicin statt einer schnellen Bolusgabe das Risiko auf eine spätere Herzin­suffizienz senken könnte. Die Schäden am Myokard, zu denen es unter der Therapie mit Doxorubicin kommt, können nach Einschätzung der American Heart Association durch die Gabe von Dexrazoxan vermindert werden.

Der Arzneistoff bildet Chelate mit Eisenmokekülen und verhindert dadurch oxidative Schäden an den Muskelzellen. Moderne Bestrahlungsgeräte, die das Herz aus dem Strahlenfeld heraushalten, sind aus Sicht der US-Kardiologen ebenfalls sinnvoll, auch wenn derzeit Studienergebnisse zum langfristigen Nutzen fehlen.

Auch die Patientin kann etwas für ihre Herzgesundheit tun. Die American Heart Association rät den Frauen, sieben einfache Regeln der Lebensführung zu beachten. Zu den „Life’s Simple 7“ gehören körperliche Aktivität, ein gesundes Körpergewicht und eine gesunde Ernährung. Brustkrebs-Patienten sollten keinen Tabak rauchen und Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls behandeln lassen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #667459
nabilabdulkadirdeeb.germany
am Montag, 5. Februar 2018, 08:34

Viele Menschen sehen Brustkrebs als die größte Bedrohung für die Gesundheit von Frauen an. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) sind nach wie vor die häufigste Todesursache bei Frauen, doch viele Menschen sehen Brustkrebs als die größte Bedrohung für die Gesundheit von Frauen an. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs haben mehrere sich überschneidende Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen. Darüber hinaus können aktuelle Brustkrebsbehandlungen negative Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Gesundheit haben (z. B. linksventrikuläre Dysfunktion, beschleunigte kardiovaskuläre Erkrankung), und bei Frauen mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung könnte dies die Entscheidungen der Krebsbehandlung sowohl seitens des Patienten als auch des Anbieters beeinflussen. Verbesserungen bei der Früherkennung und Behandlung von Brustkrebs haben zu einer zunehmenden Anzahl von Brustkrebsüberlebenden geführt, bei denen ein Risiko für langfristige kardiale Komplikationen durch Krebsbehandlungen besteht. Bei älteren Frauen stellt die kardiovaskuläre Erkrankung eine größere Mortalitätsgefahr dar als der Brustkrebs selbst. Dies ist die erste wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association zu CVD und Brustkrebs. Dieses Dokument wird einen umfassenden Überblick über die Prävalenz dieser Krankheiten, gemeinsame Risikofaktoren, die kardiotoxischen Wirkungen der Therapie und die Prävention und Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen bei Brustkrebspatientinnen geben.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. März 2019
Basel – Ein Schweizer Forscherteam hat in den Metastasen des Mammakarzinoms Rezeptoren für Glukokortikoide entdeckt. Ihre tierexperimentellen Befunde in Nature (2019; doi: 10.1038/s41586-019-1019-4)
Wie Glukokortikoide die Metastasierung des Mammakarzinoms fördern könnten
12. März 2019
Paris – Eine einzelne Schwangerschaft erhöht bei Frauen mit dem Krebsgen BRCA1 das Brustkrebsrisiko, bei weiteren Schwangerschaften sinkt das Risiko wieder. Auch lange Stillzeiten könnten nach den
Schwangerschaften und lange Stillzeiten senken Brustkrebsrisiko bei BRCA1- und BRCA2-Trägerinnen unterschiedlich
27. Februar 2019
Berlin – Auf die besondere Bedeutung sportlicher Aktivität bei einer Brustkrebserkrankung hat die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) hingewiesen. Eine moderne Strahlentherapie trage zwar
Sport steigert Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen auch während der Behandlung
25. Februar 2019
Triangle Park/North Carolina – Nicht nur das chronologische, sondern auch das biologische Alter beeinflusst das Krebsrisiko. In einer prospektiven Studie im Journal of the National Cancer Institute
Studie: Epigenetische Uhr beeinflusst Brustkrebsrisiko
22. Februar 2019
Berlin – Eine sogenannte innere Strahlentherapie (Brachytherapie) kann Vorteile gegenüber einer äußeren perkutanen Bestrahlung bieten: Die Therapiedauer ist kürzer und das Verfahren ist gewebe- und
Innere Strahlentherapie Option bei Brustkrebspatientinnen mit niedrigem Risiko für einen örtlichen Rückfall
22. Februar 2019
New York – Das Antikörperkonjugat Sacituzumab-Govitecan, das Krebszellen mit dem Zytostatikum Irinotecan gezielt abtötet, hat in einer ersten klinischen Studie bei jeder dritten Patientin mit mehrfach
„Bewaffneter“ Antikörper erzielt Remissionen bei triple-negativem Mammakarzinom
21. Februar 2019
Heidelberg – Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland, Zehntausende erkranken jedes Jahr daran. Umso wichtiger ist ein frühes Aufspüren der Krankheit. Heidelberger Forscher
LNS
Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER