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Medizin

Handystrahlen: Schwannome und längeres Leben bei männlichen Ratten

Montag, 5. Februar 2018

Handystrahlung /bluedesign, stock.adobe.com
Abschlussbericht zur Auswirkung von Strahlung der Frequenzen im G2- und G3-Bereich bei Nagetieren liegt vor. Neuere 4G-, 4G-LTE- und 5G-Netzwerke wurden nicht untersucht. /bluedesign, stock.adobe.com

Research Triangle Park/North Carolina – Die Exposition mit hochfrequenten elektro­magnetischen Feldern, die bei der Benutzung von Mobiltelefonen auftreten, hat in Langzeituntersuchungen bei männlichen Ratten zu einer Zunahme von malignen Schwannomen im Herzbereich geführt. Weibliche Ratten und Mäuse erlitten keine Nachteile in den Studien des US-National Institute of Environmental Health Service, die zu dem kuriosen Ergebnis kamen, dass die exponierten männlichen Ratten länger lebten als nicht exponierte Tiere.

Das National Toxicology Program (NTP) hatte im Jahr 1999 von der US-Arzneibehörde FDA den Auftrag erhalten, die Auswirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf Nagetiere zu untersuchen. Das 15 Millionen US-Dollar teure US-Forschungs­projekt ist schon seit längerem abgeschlossen. Erste Ergebnisse wurden vor zwei Jahren in BioRXiv veröffentlicht (2016; doi: 10.1101/055699). Jetzt legt ein Team um John Bucher vom NTP in Research Triangle Park/North Carolina die Entwürfe für den Abschlussbericht vor.

Die Forscher führten ihre Experimente an Ratten und Mäusen durch. Die Tiere wurden in einem Käfig gehalten, der sich in einem hochfrequenten elektromagnetischen Feld befand. Zum Einsatz kamen Sender mit Frequenzen im G2- und G3-Bereich. Die neueren 4G-, 4G-LTE- und 5G-Netzwerke gab es damals noch nicht.

Es gab zwei Versuchsreihen: In der ersten Versuchsreihe wurden trächtige weibliche Tiere während der Tragezeit und während der Säugeperiode an fünf bis sieben Tagen in der Woche jeweils über etwa neun Stunden mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern in einer Stärke von bis zu 9 Watt pro Kilogramm ausgesetzt. Am Tag 28 wurden die Tiere untersucht.

In der zweiten Versuchsreihe wurden die Tiere ab der sechsten Gestationswoche der Schwangerschaft über zwei Jahre täglich mit bis zu 6 W/kg exponiert. Die Exposition lag damit deutlich über der spezifischen Absorptionsrate (SAR) von 2 Watt pro Kilogramm, die das Bundesamt für Strahlenschutz als Obergrenze betrachtet, um gesundheitliche Auswirkungen hochfrequenter Felder auszuschließen. Die in Deutsch­land zugelassenen Smartphones haben eine geringere SAR.

Einigen Tieren waren Mikrochips implantiert worden, die die Temperatur registrierten. Bei den Muttertieren kam es während der Schwangerschaft bei einer Exposition mit mehr als 6 W/kg und während der Laktation bei einer Exposition mit mehr als 9 W/kg zu einem Anstieg der Körpertemperatur, der aber unter einem Grad Celsius blieb. Im Wurf wurde keine Erhöhung der Körpertemperatur gefunden.

Negative Auswirkungen nur bei männlichen Ratten

Wie bereits 2016 mitgeteilt, wurden in den Experimenten mit Mäusen und bei weib­lichen Ratten keine signifikanten Auswirkungen auf die Gesundheit gefunden. Bei den Versuchsreihen mit männlichen Ratten wurden dagegen eine Reihe von Phänomenen registriert.

Dazu gehört ein niedriges Gewicht bei den Muttertieren gegen Ende der Schwanger­schaft und in der Säugezeit, die sich negativ auf das Gewicht und die Überlebensrate des männlichen Wurfs auswirkte. Das Gewicht der Muttertiere normalisiert sich nach der Laktationsphase.

Bei den männlichen (nicht aber bei den weiblichen) Jungtieren wurde bei einer Untersuchung nach 14 Tagen eine erhöhte Zahl von rechtsventrikulären Kardio­myopathien beobachtet. Nach zwei Jahren kam es zusätzlich zu einer erhöhten Rate von malignen Schwannomen. Dies ist eine seltener Krebs der Schwann-Zellen, die die Markscheiden der Nervenzellen bilden.

Begrenzte Hinweise auf ein Tumorwachstum gab es auch in anderen Körperregionen. Die Ergebnisse waren jedoch nicht eindeutig. Der Anstieg in der Inzidenz von Gliomen, der in der früheren Publikation in BioRXiv hervorgehoben wurde, verfehlte das Signi­fikanzniveau. Ähnlich war dies bei Adenomen in der Hypophyse, Phäochromozytomen in den Nebennieren, Adenomen der Prostata, Adenomen der Leber oder Granular­zelltumoren im Gehirn, die tendenziell häufiger gefunden wurden. Ein signifikanter Anstieg von Karzinomen in den Inselzellen im Pankreas könnte ein Ausreißer gewesen sein.

Genotoxische Untersuchungen ergaben kein einheitliches Bild. Bei einigen Unter­suchungen wurde ein Anstieg der DNA-Schäden im Hippocampus gefunden, in anderen wiederum nicht. Auch im Blutbild gab es keine sicheren Hinweise auf eine Geno­toxizität.

Abschließende Bewertung zur karzinogenen Wirkungen durch 2G-Netz
Ingesamt kommen die Forscher zu dem Schluss, dass es Beweise für karzinogene Wirkungen der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen geben könnte, die möglicherweise auf das ältere 2G-Netz im Bereich von 900 MHz begrenzt sind. Die Evidenz gründet sich dabei auf den Anstieg der malignen Schwannome. Für die Gliome wird die Beweislage als unklar eingestuft.

Erwähnenswert ist die statistisch signifikant niedrige Sterberate der exponierten Tiere. Der Überlebensvorteil begann nach der 75. Woche. Nach zwei Jahren hatten in der Kontrollgruppe mit Scheinbestrahlung 28 % der Tiere überlebt. Unter den exponierten Tieren waren es dagegen 48 bis 68 %. Für diesen Überlebensvorteil gibt es derzeit keine Erklärung.

FDA-Entscheidung zur Einschränkung für Mobiltelefonnutzer steht aus

Beim Auftraggeber FDA scheint man vorerst erleichtert darüber zu sein, dass sich das erhöhte Risiko von Hirntumoren nicht bestätigt hat. Die Behörde wird sich vermutlich erst nach einer Tagung externer Experten festlegen, die Ende März stattfinden soll. Einschränkungen für Mobiltelefonnutzer wird es wohl nicht geben. Eine Empfehlung an Schwangere, mit Blick auf die Gesundheit ihrer Kinder auf unnötige Telefonate zu verzichten, erscheint denkbar. © rme/aerzteblatt.de

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Medizinphysik
am Mittwoch, 7. Februar 2018, 16:32

Handystrahlen

Nicht die SAR-Werte sind hier das Kriterium der Belastung durch Hochfrequenzstrahlung, sondern die Modulationsart. Die niederfrequente kontinuierliche Taktung beim WLAN mit 10 Hz sorgt für Artefakte im EMG, was durchaus die zunehmende kardiovaskuläre Problematik bei Langzeitnutzung erklären dürfte (z.B. P-kardiale, Spätpotenziale).

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