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Starkes Übergewicht wird als selbstverschuldet wahrgenommen

Montag, 5. Februar 2018

Umfrage zeigt: Die Öffentlichkeit macht dicke Menschen für ihr Übergewicht selbst verantwortlich, ebenso für andere Süchte, wie Alkohol- oder Tabakabhängigkeit. /dpa

Mannheim – Für die weltweite Zunahme von stark übergewichtigen Menschen machen Experten hauptsächlich veränderte Umweltbedingungen verantwortlich. Die breite Öffentlichkeit sieht das anders. Sie gibt dem Einzelnen die Schuld an den über­schüssigen Kilos. Betroffene sollten resultierende medizinische Behandlungskosten deshalb selbst tragen. Das Meinungsbild zeigt eine repräsentative Befragungen in Deutschland, Großbritannien und den USA, die Max-Planck-Institut für Bildungs­forschung und die Universität Mannheim in Annals of Behavioral Medicine veröffentlicht haben (2018; doi: 10.1093/abm/kax003).

In allen drei Ländern machten die meisten Befragten den Einzelnen für Fettleibigkeit verantwortlich, genauso wie bei Süchten wie Alkohol- oder Tabakabhängigkeit. Generell gilt: Umso höher die persönliche Verantwortung bewertet wurde, desto stärker befürworteten die Befragten, dass der Einzelne für seine Behandlungskosten selbst aufkommen sollte. In Deutschland und Großbritannien war ein gutes Drittel der Befragten dieser Meinung, in den USA waren es knapp 45 Prozent. Das Haushaltsein­kommen der Befragten beeinflusste ihre Aussagen nicht.

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Wirksamkeit politischer Maßnahmen schlecht bewertet

Darüber hinaus schätzten die Befragten die Wirksamkeit politischer Maßnahmen zur Prävention von Adipositas – wie hohe Steuern, reglementierte Verfügbarkeit, regulierte Vermarktung und Bewerbung sowie Kennzeichnung und Warnungen – im Vergleich zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen zur Prävention von Alkohol- und Tabakabhängigkeit ein. Insgesamt bewerteten sie politische Maßnahmen gegen die Verbreitung von starkem Übergewicht als weniger wirksam als die gegen Alkohol- und Tabak­abhängigkeit. Darüber hinaus wurde eine hohe Besteuerung in allen drei Ländern als am wenigsten erfolgsversprechend bei der Bekämpfung von Adipositas angesehen, auch wenn dies bei Alkohol- und Tabakabhängigkeit als effektiv eingeschätzt wird.

Die wirksamste Maßnahme gegen Adipositas ist aus Sicht der Befragten eine verständliche Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln. Solche Kennzeichnungen zielen vor allem auf die Essensentscheidungen des Einzelnen ab. Verständlichere Nährwertkennzeichnungen halten die meisten sogar für effektiver als deutliche Warnungen vor den Gesundheitsrisiken auf Alkohol- und Tabakprodukten.

Dass die meisten Deutschen wenig über die Entstehung und Therapie von Adipositas wissen, zeigte bereits der XXl Report der DAK.

So denkt die Allgemeinbevölkerung über Fettleibige

Berlin – Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Fast Food und Bequemlichkeit – diese Ursachen vermuten die meisten Bundesbürger als Ursache starken Übergewichts. Stoffwechselstörungen und genetische Faktoren spielen ihrer Ansicht nach keine Rolle. Das zeigt der „XXL-Report: Meinungen und Einschätzungen zu Übergewicht und Fettleibigkeit“, der im Auftrag der DAK-Gesundheit im Juli und August 2016

© gie/idw/aerzteblatt.de

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tweitershagen
am Samstag, 10. Februar 2018, 11:43

Lust ist schwer zu beherrschen

... das wissen wir alle. Genetische Prädisposition zur Adipositasentwicklung scheint kluge Entscheidungen bei der Nahrungsauswahl und dem individuellen Akt des zum Munde Führens zu erschweren. Letzten Endes aber entscheidet Jede(r) für sich, was dem Munde zugeführt wird. Als Gesellschaft haben wir die Aufgabe, die Lebensmittel zu kennzeichnen. Rot Gelb Grün. Komplizierte Kennzeichnung gehen an der Wahrnehmungsrealität der Menschen vorbei. Wer gewarnt ist, und es "trotzdem tut", ist verantwortlich. Möge "Antwort geben" für sein Tun. Wenigstens vor sich selbst ehrlich sein...
LNS

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