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Medizin

Ösophagus: Heißer Tee verstärkt Krebsrisiko durch Rauchen und Alkohol

Dienstag, 6. Februar 2018

/mehmetcan, stockadobecom

Peking – Die Gewohnheit, den Tee „brennend“ heiß zu trinken und gleichzeitig zu rauchen oder Alkohol zu konsumieren, scheint bei chinesischen Männern das Risiko auf ein Ösophaguskarzinom deutlich zu erhöhen. Dies zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie in den Annals of Internal Medicine (2018; doi: 10.7326/P17-9054).

Tee ist gesund. Dies gilt insbesondere für den grünen Tee, der in China bevorzugt wird. Aufgrund seines hohen Gehalts an Polyphenolen und anderen bioaktiven Substanzen könnte grüner Tee auch vor Krebs schützen – wofür es Hinweise aus tierexperimen­tellen Studien gibt.

Epidemiologische Studien haben in der Vergangenheit jedoch keine Hinweise dafür gefunden, dass Teetrinker seltener an Krebs sterben. Sie scheinen im Gegenteil sogar häufiger zu erkranken. Dies zeigen jetzt auch die Ergebnisse der China Kadoorie Biobank-Studie, die seit 2004 mehr als 450.000 erwachsene Chinesen aus 10 Regionen beobachtet. Nach 9,2 Jahren sind 1.731 Teilnehmer neu an Krebs erkrankt. Männer, nicht aber Frauen, die in einer Befragung angegeben hatten, täglich Tee zu trinken, hatten ein leicht, aber signifikant erhöhtes Risiko, an einem Plattenepithel­karzinom des Ösophagus zu erkranken. 

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Könnte dies daran liegen, dass chinesische Männer im Gegensatz zu Frauen den Tee gerne „brennend“ heiß trinken? Heiße Getränke stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte 2016 sehr heiße Getränke (über 65° C) als „wahrscheinlich karzinogen“ ein. Tierexperimentelle Studien hatten ergeben, dass heiße Getränke über eine thermische Verletzung der Schleimhaut N-nitroso-Verbindungen freisetzen, die das Krebswachstum fördern. Für eine Einstufung als „sicher karzinogen“ fehlte es bisher an Belegen aus epidemiologischen Studien. 

Es gibt zwar eine Reihe von Fall-Kontroll-Studien, die die Vorliebe zu sehr heißen Getränken in einigen asiatischen Ländern mit dem erhöhten Risiko auf Ösopha­guskarzinome in Verbindung bringen. Daten aus prospektiven Beobachtungsstudien, die weniger fehleranfällig sind, fehlten jedoch bisher weitgehend. Dies könnte sich jetzt durch die vorliegenden Ergebnisse der China Kadoorie Biobank-Studie ändern. 

Zunächst einmal war das Krebsrisiko von Teetrinkern nur mäßig erhöht. Ein Team um Jun Lv von der Universität Peking ermittelte für Männer, die angegeben hatten, ihren täglichen Tee gerne „brennend“ heiß zu sich nehmen, eine Hazard Ratio von 1,55 (95-%-Konfidenzintervall 1,19–2,02). Bei Rauchern, die ihren Tee sehr heiß trinken, war das Risiko auf ein Ösophaguskarzinom dagegen um den Faktor 2,03 (1,55–2,67) erhöht. Noch problematischer war ein gleichzeitiger Alkoholkonsum. Chinesische Männer, die ihren Tee sehr heiß trinken und dabei noch 15 Gramm Alkohol pro Tag oder mehr trinken, hatten ein 5-fach erhöhtes Risiko auf ein Plattenepithelkarzinom des Ösophagus (Hazard Ratio 5,00; 3,64–6,88).

Die verstärkende Wirkung eines gleichzeitigen Alkohol- und/oder Zigarettenkonsums ist aus Sicht von Lv biologisch plausibel. Der heiße Tee könnte durch eine thermische Schädigung der Schleimhaut die Wirkung von Alkohol und Tabakrauch durchaus verstärken.

Dass Frauen seltener erkranken, könnte daran liegen, dass sie den Tee seltener sehr heiß trinken und sich auch beim Konsum von Tabak und Alkohol zurückhalten. Einen geschlechtsspezifischen Schutz gibt es wahrscheinlich nicht. © rme/aerzteblatt.de

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