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Medizin

Finnland: Suizidrate bei Depressionen hat sich halbiert

Dienstag, 6. Februar 2018

Helsinki – In Finnland ist die Zahl der Patienten, die sich wegen einer schweren Major-Depression das Leben nehmen, seit 1991 deutlich gesunken. Psychiater führen dies in World Psychiatry (2018; doi: 10.1002/wps.20501) auf unterschiedliche Ursachen zurück.

Finnland hatte lange Zeit eine der international höchsten Suizidraten. Vor allem jün­gere Männer waren in dem nördlichen Land mit seinen langen Winternächten und dem hohen Alkoholkonsum gefährdet. Dies hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich geändert. Das Land führte Anfang der 1990er-Jahre ein nationales Projekt zur Suizidprävention ein.

Auch die Behandlung von Patienten mit Major-Depression hat sich verändert: Die Zahl der Verordnungen von Antidepressiva hat sich in den letzten 20 Jahren verachtfacht, berichtet Kari Aaltonen von der Universität Helsinki. Auch der seit etwa 2007 gesunkene Pro-Kopf-Alkoholkonsum könnte einen Anteil am Rückgang der Suizide haben. Ein weiterer Grund könnte eine Psychiatrie-Reform sein, die die Zahl der psychiatrischen Betten um etwa 60 Prozent gesenkt und die ambulante Behandlung ausgebaut hat.

Aaltonen hat jetzt die Entlassungsdiagnosen der psychiatrischen Kliniken mit den Sterberegistern des Landes abgeglichen. Endpunkt der Analyse war die Zahl der Patienten, die wegen einer Depression stationär behandelt wurden und sich innerhalb von 3 Jahren nach der Entlassung das Leben nahmen. Hier kam es ausgehend vom Zeitraum 1991–1995 in den Jahren 1996–2000 zu einem Rückgang um 31 Prozent. In den 3 Jahren nach einer Entlassung in 2001–2005 hatten sich 46 Prozent weniger Patienten das Leben genommen und für die Jahre 2006–2011 betrug der Rückgang 52 Prozent (jeweils gegenüber dem Ausgangszeitraum von 1991–1995).

Der Rückgang trat vor allem bei den Männern auf, was sich auch in den allgemeinen Landesstatistiken widerspiegelt. Kamen 1990 noch fast 50 Suizide auf 100.000 Männer, so sind es heute nur noch etwa 20 auf 100.000 Männer, womit die Suizidrate immer noch doppelt so hoch ist wie bei den Frauen.

Dies gilt auch bei Patienten mit Depressionen, bei denen die Suizidrate ungleich höher ist: Während des gesamten Untersuchungszeitraums von 24 Jahren nahmen sich 8,6 Prozent der männlichen und 4,1 Prozent der weiblichen Patienten, die zuvor wegen einer Depression hospitalisiert waren, das Leben. © rme/aerzteblatt.de

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