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Medizin

Warum Diabetiker bei Prostatakarzinom eine schlechtere Prognose haben

Donnerstag, 8. Februar 2018

/dpa

Tübingen/München – Menschen mit Typ-2-Diabetes erkranken seltener an einem Prostatakarzinom als Patienten ohne Diabetes. Einmal erkrankt, ist ihre Sterblichkeit daran allerdings höher. Gründe dafür nennen Forscher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) aus Tübingen und des Helmholtz-Zentrums München jetzt in den Zeitschrift Endocrine Related Cancer (2018; doi: 10.1530/ERC-17-0465) und in der Zeitschrift Molecular Metabolism (2017; doi: 10.1016/j.molmet.2017.11.013).

Grundsätzlich deuten Studien darauf hin, dass Menschen mit Diabetes häufiger an Krebs erkranken. Dies gilt aber nicht für Prostatakarzinome. Metaanalysen von Studien haben laut den Autoren ergeben, dass Diabetespatienten seltener an diesem Karzinom erkranken. Allerdings ist die Sterblichkeit höher. Dies bestätigen auch aktuelle Untersuchungen von Forschern des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz-Zentrums München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (IDM), einem Partner des DZD, in Zusammenarbeit mit der Urologischen Universitätsklinik Tübingen.

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70 Patienten untersucht

Das Forscherteam hat kürzlich die Daten von Patienten analysiert, bei denen die Prostata krebsbedingt entfernt wurde. Wie erwartet waren darunter weniger Patienten mit Diabetes als in der Allgemeinbevölkerung. Allerdings hatten Prostatakrebs-Patienten mit Diabetes deutlich häufiger bereits Metastasen in den Lymphknoten. Zudem war der Anteil der Patienten, die nach den Leitlinien des National Comprehen­sive Cancer Network (NCCN) zu der sehr hohen Risikogruppe gehören, bei den Betroffenen mit Diabetes signifikant höher.

In einer weiteren Studie untersuchten sie jetzt 70 Tumorproben von Patienten ohne Diabetes und 59 Proben von Betroffenen mit Typ-2-Diabetes, um Gründe für dieses Phänomen zu finden. „Wir haben eine Genexpressionsanalyse von Schlüsselproteinen durchgeführt und festgestellt, dass bei Menschen mit Diabetes der Androgen-Rezeptor (AR) verstärkt gebildet wurde“, erläuterte Martin Heni, der am IDM die Studie leitete. Auch der durch AR vermittelte Signalweg war verstärkt aktiviert.

„In den Prostata­karzinomen der Patienten mit Diabetes werden außerdem verstärkt Insulinrezeptoren der Isoform A exprimiert“, so Stefan Lutz, Erstautor der Studie. Diese können Wachstumsfaktoren binden. Das trägt zum verstärkten Zellwachstum und zur verstärkten Zellteilung bei. Normalweise exprimieren Erwachsene hauptsächlich die Isoform B, die laut den Forschern keine Wachstumfaktoren binden.

Als 3. Mechanismus ist bei Patienten mit Diabetes offenbar auch die Steroidbio­synthese im Tumor verändert. Es werden weniger schützende Östrogen-Rezeptor-Liganden gebildet. Das verstärkt den Androgen-Signalweg in den Tumoren weiter. „Prostatakarzinom bei Männern mit Typ-2-Diabetes hat eine schlechtere Prognose und muss daher eher und umfassender abgeklärt und behandelt werden als ein Prostatakrebs bei Nichtdiabetikern“, betonte Arnulf Stenzl, Chefarzt der Urologischen Universitätsklinik Tübingen. © hil/aerzteblatt.de

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