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Medizin

Menschliche Eizellen im Labor gezüchtet

Freitag, 9. Februar 2018

Vergrößerung einer im Labor gezüchteten, voll ausgereiften menschlichen Eizelle, die zur Befruchtung bereit ist. /Prof David Albertini

Edinburgh – Schottische Forscher haben Eizellen aus Biopsien des menschlichen Ovars isoliert und im Labor bis zur Befruchtungsfähigkeit ausgereift. Die in Molecular Human Reproduction (2018; doi: 10.1093/molehr/gay002) vorgestellten Ergebnisse könnten das Behandlungsspektrum der assistierten Reproduktion erweitern und Krebspatientinnen, die eine Chemotherapie oder Radiotherapie benötigen, die Option auf einen späteren Kinderwunsch erhalten.

Die Zellen, die die Eizellen im Ovar umgeben, durchlaufen nach der Pubertät eine Entwicklungsphase, die vom Primordialfollikel über Primär- und Sekundär- bis zum Graaf-Follikel reicht. Die Epithelzellen der Follikelzellen steuern dabei die abschließende Reifung der Eizelle in einer Weise, die im monatlichen Rhythmus ein Exemplar an den Eileiter abgibt und zur Befruchtung bereitstellt.

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Diesen Prozess im Labor nachzustellen, hat sich als schwierig erwiesen. Bei der Maus gelang es Anfang der 2000er Jahre, Eizellen aus Primordialfollikeln zu befruchten. Ein Team um Evelyn Teller von der Universität Edinburgh war 2008 nur bis zum Sekundär­follikel erfolgreich. Die zweite Hälfte gelang einem US-Team im Jahr 2015. Jetzt stellen die schottischen Forscher eine Methode vor, mit der die gesamte Follikelreifung im Labor möglich ist.

Die Forscher entnahmen zehn Frauen bei elektiven Kaiserschnitten Biopsien aus dem Ovar und extrahierten vorsichtig die Follikel. Diese wurden dann auf einer speziellen Membran unter Zugabe verschiedener wachstumsfördernder Proteine bis zur Befruch­tungsfähigkeit ausgereift. An Ende hatten neun Eizellen die Metaphase II, den letzten Schritt der Meiose, begonnen und die Voraussetzungen für eine Befruchtung erfüllt.

Keine der neun Eizellen wurde jedoch künstlich befruchtet, so dass offen bleiben muss, ob sich aus den im Labor gereiften Eizellen tatsächlich lebende Embryonen entwickeln könnten und ob es danach zur Geburt eines gesunden Kindes käme. Es gibt Hinweise, dass die Entwicklung der Eizelle im Labor von der natürlichen Reifung abweichen könnte. Zum einen wurde die Entwicklung, die normalerweise fünf Monate benötigt, künstlich auf 22 Tage beschleunigt. Zum anderen zeigten die Eizellen morphologische Auffälligkeiten. So waren die Polarkörper, die nicht mehr benötigte Teile der Erbsubs­tanz isolieren, auffällig groß und einige Eizellen hatten sie nicht wie üblich aus­gestoßen. 

Die von den britischen Medien befragten Experten äußerten sich deshalb überwiegend skeptisch. Ihr Fazit war, es werde wohl noch Jahre dauern, bis das Verfahren für die klinische Anwendung ausgereift sei.

Denkbar sind zwei Anwendungsgebiete. Zum einen könnte das Verfahren die künstliche Befruchtung bei Frauen ermöglichen, deren Follikel nicht so weit heranreifen, dass Eizellen für die assistierte Reproduktion entnommen werden können. Die zweite Gruppe wären Mädchen oder jüngere Frauen, die beispielsweise wegen einer Krebs­erkrankung eine Radiotherapie oder Chemotherapie benötigen, die die Eizellen im Ovar zerstört.

Diesen Frauen kann derzeit durch die Entnahme und Kyrokon­servierung einer Biopsie geholfen werden. Die Methode ist jedoch nicht zuverlässig und es besteht die Gefahr, dass mit der späteren Retransplantation des Ovargewebes Tumorzellen in den Körper gelangen. Die Reifung der Eizellen im Labor und eine anschließende In-vitro-Fertilisation würde dieses Risiko vermeiden.

© rme/aerzteblatt.de

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