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Ärzteschaft

Fachgesellschaften erinnern an das Schicksal jüdischer Chirurgen

Freitag, 9. Februar 2018

Gedenkstein am Haus der Chirurgie in Berlin. /DGU

Berlin – Einen Gedenkstein zur Erinnerung an das Schicksal jüdischer Ärzte während des Nationalsozialismus haben die Vertreter chirurgischer Fachgesellschaften am Haus der Chirurgie in Berlin errichtet. Die Initiative geht auf die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zurück und wurde von der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und allen mit ihr verbundenen zehn chirurgischen Fachgesellschaften umgesetzt. In einer Gedenkstunde gedachten sie ihrer über 315 jüdischen Mitglieder. „Die Schicksale unserer jüdischen Kollegen sind für immer ein Teil von uns. Wir gedenken ihrer und ehren sie in tiefer Verbundenheit“, sagte der DGCH-Präsident Jörg Fuchs.

Der Berliner Sanitärarzt Ernst Joseph

Beispielhaft nennen die Fachgesellschaften das Schicksal des Berliner Sanitätsrats Ernst Joseph: Joseph wurde 1872 in Breslau geboren. Als Ärztlicher Direktor des Berliner Verbandes für erste Hilfe und Leitender Arzt der Heilanstalt für Unfallverletzte vom Roten Kreuz am Mariannenufer wirkte er zwischen 1900 und 1920 an der Verbesserung des Berliner Rettungswesens mit. 1913 wurde ein nach seinen Vorgaben konstruiertes motorisiertes dreirädriges Krankentransportfahrzeug mit dem Maria-Feodorowna-Preis auf der Internationalen Ausstellung vom Roten Kreuz in Washington ausgezeichnet. Seit 1923 war er Leitender Arzt der Unfallstation der Norddeutschen Holz-Berufsgenossenschaft (BG).

Er engagierte sich ehrenamtlich als Gründungspräsident des Reichsverbandes der für die Berufsgenossenschaften tätigen Ärzte. Zudem war er Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Unfallheilkunde. Im April 1933 kündigte ihm die BG. Er verlor damit nicht nur seine Anstellung, sondern auch seine Ehrenämter in den Gesellschaften. Um seine Existenzgrundlage gebracht, starb er 1937 in Berlin.

Gedenkstätte

Neben der zwei Meter großen und 600 Kilogramm schweren Stele am Haus der Chirurgie in Berlin liegt eine in einen Sandsteinblock eingelassene Edelstahlplatte. Der Text darauf schließt ab mit den Zeilen: „Wir gedenken ihrer mit Hochachtung, Dank und Demut sowie im Bewusstsein und in der Verantwortung, dass diese Menschen­verachtung, dieses Unrecht und solche Verbrechen nie wieder geschehen.“ © hil/aerzteblatt.de

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