NewsÄrzteschaftNiedersachsen und Bremen wollen Korrektur der Bedarfsplanung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Niedersachsen und Bremen wollen Korrektur der Bedarfsplanung

Montag, 12. Februar 2018

Hannover/Bremen – Steigende Geburtenraten haben den Bedarf an Kinderärzten erhöht. Die Wartezimmer seien überfüllt, der Unmut der Eltern wachsen, und Kinder- und Jugendärzte arbeiteten am Limit, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Detlef Haffke. Das Problem sei, dass es rein statistisch in fast allen Regionen eine Überversorgung gebe. „Lediglich im Landkreis Cloppenburg und im Landkreis Nienburg/Weser kann sich jeweils ein weiterer Kinderarzt niederlassen“, so Haffke.

Aus Sicht vieler Mediziner führen die derzeitigen Bedarfsplanungsregeln zu Problemen. „Es muss bei den Verhältniszahlen nachgebessert werden“, sagt Haffke und verweist darauf, dass in Niedersachsen ein Kinderarzt je nach Region für 2.405 bis 4.372 Kinder zuständig ist. Bei der Planung werde nicht berücksichtigt, dass heute viel mehr Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen empfohlen und von der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung bezahlt werden als früher. „Die Intensität der Behandlung jedes einzelnen Kindes nimmt massiv zu“, sagte er.

Bedarfsplanung anpassen

Zudem verlangen Kindergärten und Schulen ärztliche Bescheinigungen, damit etwa vormals erkrankte Kinder die Einrichtungen wieder besuchen können. Als weiteres Problem sieht Haffke, dass sich immer mehr Kinderärzte auf Fachgebiete speziali­sieren. „Solche Praxen fallen dann für die normale medizinische Grundversorgung aus.“

Anzeige

Die KVN fordert angesichts der Entwicklung, die Bedarfsplanung an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Darüber hinaus müsse sie flexibler werden. Kinder- und Jugend­arztpraxen müssten dort sein, wo Eltern sie brauchten, vor allem in den dicht besiedelten Großstadtvierteln oder auch auf dem Land.

Aus Bremen gibt es ähnliche Forderungen. „Die Tätigkeit von Kinderärztinnen und Kinderärzten hat sich verändert“, sagte Bremens Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD). „Wir brauchen deshalb dringend eine neue Bedarfsplanung auf Bundesebene, die der Realität in den Arztpraxen entspricht. Ich bin froh, dass der vorliegende Entwurf des Koalitionsvertrags das Thema aufgreift.“

Die Verbesserung der medizinischen Versorgung von Kindern ist ein bundesweites Thema. „Die aktuelle Bedarfsplanung für kinder- und jugendärztliche Praxen entspricht nicht dem viel größeren tatsächlichen Bedarf“, schrieben etwa Vertreter des Berufs­verbandes der Kinder- und Jugendärzte sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin 2017 in einem gemeinsamen Positionspapier, das auch Handlungsempfehlungen für die Politik enthält.

© dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. Februar 2019
Düsseldorf – Der seit Ende 2018 bestehende Strukturfonds, ein Förderprogramm der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) für schlecht versorgte Regionen, zeigt erste Wirkung. „Bereits wenige
Strukturfonds im Rheinland erfolgreich gestartet
17. Dezember 2018
Wiesbaden – Die Landesregierung in Hessen will es jungen Fachärzten für Allgemeinmedizin leichter machen, insbesondere auf dem Land eine bereits bestehende Hausarztpraxis zu übernehmen. Das geht aus
Hessen will Allgemeinmedizinern bei Praxisübernahme helfen
21. November 2018
Hamburg – Hamburg wünscht sich mehr Länderrechte bei der Bedarfsplanung in sozial schwachen Gebieten. Das sieht ein Antrag vor, den Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am
Hamburg will mehr Länderrechte bei der Bedarfsplanung
17. Oktober 2018
Hamburg – In Hamburg können sich in den kommenden Monaten elf zusätzliche Rheumatologen niederlassen. Der Zulassungsausschuss aus Ärzten und Krankenkassen hat die Versorgungsaufträge für zehn neue
Elf zusätzliche niedergelassene Rheumatologen in Hamburg zugelassen
15. Oktober 2018
Berlin – Der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), Josef Hecken, hat einen Abbau von Überversorgung im ambulanten Bereich gefordert. „Die Politik muss sich ernsthafter
G-BA-Vorsitzender Hecken fordert Abbau von Überversorgung in Städten
12. Oktober 2018
Berlin – Die Autoren eines Gutachtens zur Umgestaltung der Bedarfsplanung schlagen eine Neuberechnung der Verhältniszahlen zwischen Ärzten und Patienten nach dem tatsächlichen medizinischen Bedarf
Bedarfsplanung: Gutachten schlägt neue Verhältniszahlen vor
28. September 2018
Hannover – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands – Landesverband Niedersachsen halten nichts davon, dass sich einige
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER