Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Tsipras will Untersuchungs­ausschuss zu Novartis-Vorwürfen

Montag, 12. Februar 2018

Athen – Das griechische Parlament soll sich mit den Korruptionsvorwürfen gegen mehrere Politiker in Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Begünstigung des Schweizer Pharmakonzerns Novartis befassen. Dies kündigte Regierungschef Alexis Tsipras heute an. „Der Untersuchungsausschuss ist der einzige institutionelle Weg, den Fall Novartis zu klären“, sagte Tsipras im griechischen Fernsehen. Zudem werde Athen Entschädigungen von Novartis verlangen. Es geht um den Verdacht von Schmiergeldzahlungen.

Novartis Griechenland erklärte, das Unternehmen kooperiere mit der griechischen Justiz. Alle in der Presse erschienenen Berichte seien unvollständig, erklärte das Unternehmen in Athen weiter. Am Hauptsitz der Firma in Basel hieß es, Novartis habe bereits eine interne Untersuchung durchgeführt. „Wir sind entschlossen, ein umfassendes Verständnis der Situation zu erlangen und gegebenenfalls die Verantwortung für alle Aktivitäten zu übernehmen, die unsere hohen Standards für ethisches Geschäftsverhalten nicht erfüllt haben“, teilte das Unternehmen mit.

„Novartis hat bislang keine Einsicht in diese Akte erhalten und ist weder vom Staatsanwalt noch vom Parlament in Griechenland über die Ermittlungen informiert worden. Die Behörden haben bisher weder gegen Novartis noch gegen einen unserer aktuellen Mitarbeitenden formelle Anschuldigungen – geschweige denn eine Anklage – erhoben“, hieß es weiter.

Der Pharmakonzern soll nach den Aussagen von unter dem Schutz der Justiz stehenden Zeugen den ehemaligen Regierungschef Antonis Samaras und andere griechische Politiker sowie Ärzte bestochen haben, um die Preise für seine Medikamente zu erhöhen und den Markt durch die rasche Genehmigung eigener Produkten zu beherrschen. Dies habe nach Regierungsangaben den griechischen Staat in den vergangenen 15 Jahren bis zu 23 Milliarden Euro gekostet.

Die genannten Politiker sprechen von „Verleumdung“ und einem Versuch der Tsipras-Regierung, das politische Klima anzuheizen, um von der schweren Finanzkrise abzulenken. EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulus zum Beispiel hat jegliche Verbindungen zum Korruptionsskandal zurückgewiesen.

Der ehemalige griechische Ge­sund­heits­mi­nis­ter sagte in Athen, bei den Anschul­digungen gegen ihn handele es sich um eine „Erfindung“. „Das ist ein erbärmlicher Fall von Verleumdung“, fügte er nach Angaben der Nachrichtenagentur ANA hinzu. In Avramopoulos' konkretem Fall geht es um einen Vertrag über Blutuntersuchungen sowie eine große Bestellung von Vogelgrippeimpfstoff. Der EU-Innenkommissar war von 2006 bis 2009 griechischer Ge­sund­heits­mi­nis­ter.

Das juristische Tauziehen wird nach Ansicht von Rechtsanwälten mehrere Monate, wenn nicht Jahre dauern. Die griechische Justiz musste nach mehrmonatigen Untersuchungen den Fall vergangene Woche an das Parlament weiterleiten, weil viele mutmaßlich Verwickelte Parlamentarier sind und Immunität genießen. © afp/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

22.02.18
Griechisches Parlament veranlasst Ermittlungen in Novartis-Affäre
Athen – Griechenlands Parlament hat Ermittlungen zum Korruptionsskandal um den Schweizer Pharmakonzern Novartis eingeleitet. Nach einer Nachtsitzung stimmte eine breite Mehrheit der Abgeordneten in......
21.02.18
Parlament in Athen berät zu Novartis-Vorwürfen
Athen – Das griechische Parlament hat über Korruptionsvorwürfe gegen mehrere griechische Politiker im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Begünstigung des Schweizer Pharmakonzerns Novartis beraten.......
15.02.18
Ex-Regierungschef Samaras verklagt Amtsinhaber Tsipras im Novartis-Skandal
Athen – Im Korruptionsskandal um den Schweizer Pharmakonzern Novartis hat der ehemalige griechische Ministerpräsident Antonis Samaras seinen Amtsnachfolger Alexis Tsipras wegen „Verleumdung“ verklagt.......
13.02.18
UNO prangert sexuelle Gewalt in griechischen Flüchtlingslagern an
Genf – Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat grassierende sexuelle Gewalt in Flüchtlingslagern auf griechischen Inseln angeprangert. Wie das Hilfswerk in Genf mitteilte, erhielt es im vergangenen Jahr......
24.01.18
Novartis hofft auf Wachstum
Basel – Der zum Monatswechsel scheidende Novartischef Joseph Jimenez erwartet viel von seinem Nachfolger: Vasant Narasimhan, der zum 1. Februar das Ruder übernimmt, soll beim Schweizer Pharmariesen......
27.12.17
Lage auf Ostägäis-Inseln bleibt angespannt
Athen – Die Situation in den überfüllten Flüchtlingslagern auf den Ostägäis-Inseln in Griechenland bleibt angespannt – obwohl die Regierung in Athen in den vergangenen Wochen Tausende Menschen von den......
15.11.17
Griechische Flüchtlingscamps nicht winterfest
Athen – Die EU-Politikerin Barbara Lochbihler warnt vor einer bevorstehenden humanitären Katastrophe in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln. „Das Lager Moria auf Lesbos ist mit gut 6.500......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige