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Politik

Drogenprävention: Mehr Hilfen für Väter gefordert

Dienstag, 13. Februar 2018

Erfurt – Kinder, die bei drogenabhängigen Eltern aufwachsen, erleben den Forschungen einer Frankfurter Soziologin zufolge häufig Gewalt durch ihre Mütter und Väter. Anders als von den süchtigen Müttern in wissenschaftlichen Studien oft angegeben, würden sich die Kinder auch später im Leben noch sehr genau an solche Erfahrungen erinnern, sagte die Forscherin Irmgard Vogt in Erfurt auf einer Fach­tagung.

Die Vorstellung, dass kleine Kinder sich zum Beispiel an Schläge nicht erinnern könnten, sei eine Schutzbehauptung der Frauen. „Das hat Folgen für die Kinder, auch für ihre geistige Entwicklung, dessen müssen wir uns bewusst sein.“ Vogt lehrte bis zu ihrem Ruhestand an der Frankfurt University of Applied Sciences und gehört zu den bekanntesten Suchtforschern Deutschlands. Die Fachtagung sollte auf die vielfältigen Problem aufmerksam machen, die drogenabhängige Frauen und Männer haben, wenn sie Kinder bekommen.

Väter besser einbeziehen

Nach Angaben von Thüringens Ge­sund­heits­mi­nis­terin Heike Werner (Linke) wird in Fachkreisen davon ausgegangen, dass in Deutschland etwa drei von 1.000 Kindern von Frauen geboren werden, die während der Schwangerschaft in Kontakt mit Drogen kamen. Für Thüringen bedeute das, dass 2015 etwa 2.200 Kinder geboren wurden, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken, Zigaretten geraucht oder illegale Drogen wie Heroin oder Crystal Meth genommen haben. Bei allen statis­tischen Daten zum Drogenkonsum von Schwangeren gebe es allerdings viele Unsicher­heiten und Dunkelziffern, hieß es immer wieder auf der Tagung.

Wie auch andere Teilnehmer der Tagung forderte Vogt, die Väter der Kinder von drogenabhängigen Müttern bei allen Hilfsangeboten für solche Familien nicht zu vergessen. Zwar würden sie die Probleme der Mütter bisweilen eher verschlimmern. Beispielsweise würden Väter mit Suchtproblemen während der Schwangerschaft ihrer ebenfalls abhängigen Frauen meist nicht einmal versuchen, ihren eigenen Konsum von Suchtmitteln zu verringern. Doch gebe es auch Fälle, in denen sich die Väter später als Stütze der Familie erwiesen hätten, sagte Vogt.

In der Präventionsarbeit von Suchtberatungsstellen spielten die Väter in der Regel aber keine Rolle. Das müsse sich unbedingt ändern. Auch Werner sprach sich für mehr geschlechterspezifische Präventionsangebote aus.

Vogt beschrieb, in welchem Teufelskreislauf drogenabhängige Schwangere sich oft befinden. Ihre Schwangerschaften seien meist nicht geplant. Dann brächten die Frauen es aber nicht übers Herz, eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Später werde ihnen dann oft bewusst, dass ihr Drogenkonsum ihrem ungeborenen Kind schade. Aus Schuldgefühlen deswegen nähmen sie dann noch mehr Drogen. © dpa/aerzteblatt.de

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