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Übergewicht: Wer langsam isst, ist schlanker

Mittwoch, 14. Februar 2018

Teller mit Uhr /dimj, stock.adobe.com
/dimj, stock.adobe.com

Fukuoka – Langsam essen schützt vor Übergewicht. Diesen Zusammenhang bestätigen japanische Forscher in einer Auswertung der Daten von rund 60.000 Typ-2-Diabetikern. Langsames Essen könnte dabei helfen, Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen zu verhindern, schreiben die Wissenschaftler im British Medical Journal (2018; doi: 10.1136/bmjopen-2017-019589). Auch der Verzicht auf abendliche Snacks und Mahlzeiten weniger als 2 Stunden vor dem Schlafengehen schützt der Studie zufolge vor dem Dickwerden.

Wer dazu neigte, sein Essen zu verschlingen, hatte ein 29 Prozent höheres Risiko für eieinene Body Mass Index (BMI) über 25 kg/m2 im Vergleich zu denen, die mit normaler Geschwindigkeit aßen. Wer besonders langsam aß, hatte sogar ein um 42 Prozent geringeres Risiko für Adipositas. Obwohl die absoluten Verkleinerungen des Taillenumfangs gering waren, kamen sie unter den Langsam- und Normalgeschwindig­keits-Essern häufiger vor: Im Vergleich zu Schnell-Essern schrumpfte er bei Normal-Essern um 0,21 Zentimeter, bei Langsam-Essern um 0,41 Zentimeter.

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Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, können keine eindeutigen kausalen Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung gezogen werden. Hinzu kommt, dass die Essgeschwindigkeit auf subjektiver Einschätzung beruht und die Forscher weder die Energieaufnahme noch die körperliche Aktivität beurteilt haben.

Die ausgewerteten Krankenkassendaten enthielten Informationen zu Behandlungen, Gewicht und Taillenumfang sowie die Ergebnisse von Blut- und Urintests und der Leberfunktion. Während der Kontrolluntersuchungen wurden die Teilnehmer über ihren Lebensstil befragt, einschließlich ihrer Ess- und Schlafgewohnheiten sowie Alkohol- und Tabakkonsum. Ihre Essgeschwindigkeit sollten sie in eine von drei Kategorien einordnen: schnell, normal oder langsam.

Die meisten Teilnehmer (n = 33.455) beschrieben ihre Essgeschwindigkeit als normal. 22.070 gaben an, ihre Mahlzeiten meist schnell hineinzuschaufeln. Und nur wenige (n = 4.192), vor allem Frauen, zählten zu den Langsam-Essern. Einige Teilnehmer änderten im Verlauf des Untersuchungszeitraums zwischen 2008 und 2013 ihr Essverhalten.

Schnell-Esser merken zu spät, dass sie satt sind

Als einen Grund für den Zusammenhang vermuten die Forscher, dass Schnell-Esser „über den Hunger essen“ – sie essen weiter, obwohl der Kalorienbedarf längst gedeckt und der Hunger gestillt ist. Langsam-Esser hingegen spürten rechtzeitig, dass sie satt sind, und nähmen so weniger Kalorien auf. „Das Sättigungsgefühl wird unter anderem durch die Magendehnung beim Essen ausgelöst“, ergänzt Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam. „Allerdings entsteht es zu einem großen Teil auch im Kopf. Wer langsamer kaut und isst, schmeckt auch länger und nimmt intensiver wahr, dass er überhaupt isst.“

„Das ist die erste Studie in dieser Größe, die den Effekt der Essgeschwindigkeit untersucht“, kommentiert Kabisch. „Das Ergebnis ist grundsätzlich plausibel, allerdings wird man die Stärke des Effekts relativieren müssen.“ Fragebogendaten seien grundsätzlich mit Unsicherheiten behaftet und es gebe zahlreiche Überlappungen mit anderen Einflussfaktoren, die sich mit den vorhandenen Daten nicht berücksichtigen ließen. © gie/dpa/aerzteblatt.de

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