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Experten fordern Pflege- und Qualitätsoffensive für Wundmanagement

Dienstag, 13. Februar 2018

Berlin – Angesichts der durch den Pflegebericht des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) nachgewiesenen massiven Mängel in der Wundversorgung, haben der Bundesverband Medizintechnologie BVMed sowie die Initiative Wundmanagement (ICW) vor strukturellen Defiziten in der Versorgung chro­nischer Wunden gewarnt.

Laut MDS-Bericht wurde 2016 in der stationären Pflege rund ein Viertel (24,4 Prozent) der chronischen Wunden nicht nach dem aktuellen Wissenstand versorgt, im häus­lichen Bereich mangelte es bei rund 13 Prozent der Gepflegten an nötiger Druckent­lastung, Kompression oder einer phasengerechten, hydroaktiven Wundabdeckung der chronischen Wunden.

Wundversorgung und Schmerzerfassung in Pflegeheimen oft mangelhaft

Berlin – Bei der Wundversorgung und der Schmerzerfassung gibt es deutliche Mängel in den 13.600 stationären Pflegeheimen. Bei den 13.300 ambulanten Pflegediensten gibt es vor allem Probleme bei der Intensivpflege und der Beratung der Pflegebedürftigen. Das zeigt der fünfte Qualitätsbericht des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen und ihres Medizinischen Diensts (MDS) für 2016.

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„Diese Zahlen sind deshalb alarmierend, weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse eindeutig belegen, dass eine an Standards orientierte Versorgung den Patienten spürbar hilft und erheblich zur Heilung beiträgt", kritisierte Daniela Piossek, Leiterin des Referats Ambulanter Gesundheitsmarkt beim BVMed. Vor diesem Hintergrund forderte sie qualifizierte Fortbildungen sowie angemessene Arbeits- und Vergütungs­bedingungen für die Pflege.

„Ohne eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung des Pflegesektors werden diese Defizite nicht verschwinden. Kostenträger, Politik und Gesamtgesellschaft müssen hier deutlich größere Anstrengungen unternehmen“, mahnte auch der ICW-Vorstand. Des­halb werde derzeit in Kooperation mit dem Deutschen Wundrat ein Expertenrat aus Abgeordneten der Berufsverbände, Politik, Kostenträgern und MDS einberufen, der die erforderlichen Strukturen für das Wundmanagement in Deutschland definieren und der Politik zur Entscheidung vorlegen soll. © hil/sb/aerzteblatt.de

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Wiebrecht
am Donnerstag, 15. Februar 2018, 21:54

Ominöse Wundschwestern

Ich kann Herrn Katz nur weitgehend zustimmen. Wenn man als Hausarzt eine Pflegestation mit der Wundversorgung beauftragt, schaltet sich bald eine externe "Wundschwester" ein, die nicht zur Pflegestation gehört. Man kennt nicht deren Qualifikation und Finanzierung. Sie empfiehlt dann meist teure Wundauflagen, die man bei dem riesigen Angebot mitunter nicht kennen kann. Offensichtlich finanziert sich diese Kraft aus der hohen Gewinnspanne durch die "moderne Wundversorgung" (die mitunter durchaus effektiv sein kann). In jedem Fall besteht ein dicker Interessenkonflikt und der Erfolg hängt mehr von der konsequenten und situationsadaptierten Versorgung als von der Wundauflage ab. Wer garantiert eigentlich für die Qualifikation der "Wundschwester"? Ist diese rechtlich befugt, neben der Sozialstation pflegerisch tätig zu werden?
Dr. Axel Wiebrecht, Berlin
ullrichkatz
am Donnerstag, 15. Februar 2018, 15:33

Wundversorgung scheitert an 5000 verschiedenen Wundauflagen, mangelhafter Kompression und so kurze Ausbildung

Täglich sehen wir in unserem Wundzentrum die Folge von Wundexperten, die in wenigen Wochen „ausgebildet wurden“: Ein Sammelsurium von immer wechselnden Wundauflagen, Immer „moderner“, aber besonders immer teurer...Aber so gut wie nie sehen wir einen sufficienten Kompressionsverband der auch nur länger hält als wenige Stunden! Da die weitaus meisten chronischen Wunden chronische venöse Wunden sind, steht und fällt der Therapieerfolg mit der Kompression! Die Wundauflage ist von extrem untergeordneter Bedeutung. Wenn sie einmal erlebt haben wie schnell und relativ problemlos derartige Ulcera und der Kompression heilen, werden sie begeistert sein.
Offensichtlich ist es so, wie Professor Gerhard von Max Delbrück Zentrum Berlin bereits berichtete, Gefäße brauch Eindruck…
Stattdessen werden die Kostenträger fehlinformiert, Man könne Geld sparen indem man seltener Verbandswechsel macht. Der Patient habe dann angeblich weniger Schmerzen, bei seltenerem Verbandswechsel ! Derartige Aussagen grenzen schon am Fahrlässigkeit ... so lange Beine geschwollen sind können Sie niemals heilen! Da ist die Wundauflage von völlig untergeordnete Bedeutung!Und geschwollene Ulcera schmerzen auf bestialisch!
Kompressionsmanagement geht vor Wundmanagement!
Was nutzen jedoch die Krokodilstränen von Hersteller nahen verwenden, wenn es am Ende doch nur um Umsatz geht.
Warum hat man mit Recht mächtige Angst vor Gesetzes Änderungen, bei denen man die Wirksamkeit seiner Wundauflage überweisen muss?
Stattdessen startet man Kampagnen, bei denen betroffene Patienten Angst gemacht wird, es gebe bald kaum noch Wundauflagen.
Es wird auch Zeit dass die so genannten opinion leader Vor jedem Vortrag ihre Interessen Konfllikte offen legen müssen.
Und wenn man Wundexperten in 2 × 3 Wochenkursen ausbildet, oder gar in zweimal drei Tagen, TÜV zertifiziert!, dann darf man nicht weinen, dass die Wundversorgung schlecht ist.
Kein einziger Wundexperte dürfte am Patienten arbeiten, wenn er nicht gezeigt hat, dass er nicht die Kompression beherrscht. Kein einziger Wundexperte dürfte von dem Verkauf der wund Auflagen leben dürfen!
Solange man 30 % des Umsatzes der Wundauflagen verdienen kann, so lange wird sich nichts ändern. Im ärztlichen Bereich Film der Staatsanwalt… und die Hersteller müssen gezwungen werden ihre wund Auflagen gegen die Basistherapie zu messen und zu beweisen, dass die Wunden dann schneller heilen. Ich garantiere, wir könnten Milliarden sparen.
Ullrich Katz
Leitender Arzt des Wundzentrums
Der AOK Nord Ost Berlin

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