Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

MRSA: Neue Antibiotikagruppe im Erdreich entdeckt

Dienstag, 13. Februar 2018

/dpa

New York – Ein systematisches Genscreening von mehr als 2.000 Bodenproben aus allen Teilen der USA hat zur Entdeckung einer neuen Antibiotikaklasse geführt, die laut einem Bericht in Nature Microbiology (2018; doi: 10.1038/s41564-018-0110-1) bei Ratten eine schnelle Wirksamkeit gegen den Problemkeim MRSA zeigte, nicht zu Resistenzen neigt und im Gegensatz zu Daptomycin auch bei Atemwegsinfektionen eingesetzt werden könnte.

Das Erdreich ist noch immer eine gute Quelle für Antibiotika, nur dass die Mikro­biologen sich nicht mehr mit Petrischalen auf Reisen in ferne Länder begeben. Die Suche findet heute in High-Tech-Laboratorien statt und anstelle der konventionellen Kultur fahnden die Forscher mit Gensonden nach möglichen Antibiotika.

Das Team um Sean Brady von der Rockefeller Universität in New York suchte nach einer Alternative zu Daptomycin, einem in den 1980er-Jahren im Erdreich entdeckten zyklischen Lipopeptid, das heute bei Infektionen mit Methicillin-resistenten Staphylo­coccus aureus (MRSA) oder anderen Problemkeimen eingesetzt wird. Daptomycin zerstört als falscher Baustein den Zusammenhalt der Zellmembran grampositiver Bakterien, wodurch die Keime rasch abgetötet werden. Die Wirkung tritt nur in Anwesenheit von Kalzium ein, das an einen bestimmten Abschnitt von Daptomycin bindet.

Die Forscher haben deshalb in den Erdproben nach Genabschnitten gesucht, die die Information für diese Bindungsstelle enthalten. Die Gene, auf denen sich diese Abschnitte befinden, wurden dann isoliert und die auf ihnen enthaltene Information mithilfe von Bakterien in Proteine umgesetzt. 

Das Ergebnis der Suche war eine neue Gruppe von Antibiotika, die die Forscher als Malacidine bezeichnen. Die gehören wie Daptomycin zu den zyklischen Lipopeptiden, haben aber einen anderen Wirkungsmechanismus. Malacidine werden nicht in die Membran eingebaut. Sie binden an einem normalen Bestandteil der Membran­oberfläche (Lipid II), wodurch diese untereinander verkleben. Durch eine gestörte Membranfluidität (die freie Beweglichkeit von Phospholipiden in der Membran) kommt es zu „Rissen“ in der Membran und zum Absterben des Bakteriums.

Erste Experimente an Ratten ergaben, dass Malacidin A innerhalb von 24 Stunden MRSA aus einer Hautwunde beseitigen kann. Anders als Daptomycin wird Malacidin A nicht vom Surfactant abgebaut, das in der Lunge das Kollabieren der Alveolen verhindert. Malacidin A könnte deshalb auch bei Atemwegsinfektionen eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil könnte die offenbar geringe Neigung zur Bildung von Resistenzen sein. Im Labor kam es selbst nach einer 20-tägigen Exposition mit subletalen Dosierungen nicht zur Resistenzbildung. 

Ob sich Malacidin A zum Antibiotikum eignet, lässt sich natürlich nicht vorhersagen. Die Verträglichkeit bei Ratten war gut, ob dies auch für den Menschen gilt, wird sich – nach weiteren tierexperimentellen Studien – erst in klinischen Studien zeigen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

09.02.18
Antibiotika­resistente Keime auch in bayerischen Gewässern
Erlangen – Badegewässer sind auch in Bayern mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Bei einer Studie im Zusammenhang mit einem europäischen Forschungsprojekt zeichne sich eine mehrheitliche......
07.02.18
Antibiotika­resistente Keime in Gewässern: Gesundheitsamt beruhigt
Hannover – Nach dem Fund antibiotikaresistenter Keime in niedersächsischen Gewässern hat das Landesgesundheitsamt teilweise Entwarnung gegeben. Resistenzgene seien in der Natur vorhanden, das sei......
06.02.18
Antibiotika­resistente Keime in Gewässern gefunden – Experten besorgt
Hamburg/Hannover – Bei stichprobenartigen Untersuchungen von Gewässern sind antibiotikaresistente Keime gefunden worden. Gesundheitsexperten sind besorgt über die Ergebnisse. „Das ist wirklich......
05.02.18
Multinationale Unternehmen produzieren in Indien weiterhin nicht genehmigte Antibiotika
London – In Indien sollen Millionen nicht zugelassener Antibiotika verkauft werden. Auch multinationale Unternehmen sind daran beteiligt – trotz der Zusage, antimikrobielle Resistenz zu bekämpfen. Das......
02.02.18
Bundesrat setzt auf Festpreise für Antibiotika
Berlin – Der Bundesrat hat sich für Festpreise für Antibiotika ausgesprochen. In einer Entschließung plädiert die Länderkammer heute dafür, mit Festpreisen die wirtschaftlichen Anreize durch......
01.02.18
Antibiotika­resistenzen: WHO stellt erste Daten zu „weltweiter“ Surveillance vor
Genf – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat erste Daten zu ihrem neuen Global Antimicrobial Resistance Surveillance System (GLASS) vorgestellt, das die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen......
29.01.18
Strengere Regeln für kritische Antibiotika in Tiermast geplant
Berlin – Der umstrittene Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung soll weiter eingedämmt werden. Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant ein Verbot, besonders wichtige Wirkstoffe bei Rindern,......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige