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Medizin

US-Gremium rät vom Ovarialkarzi­nom-Screening ab

Mittwoch, 14. Februar 2018

/dpa

Washington – Die US Preventive Services Task Force, die das US-Gesundheits­ministerium in Fragen der Krankheitsprävention berät, hält Früherkennungs­untersuchungen des Ovarialkarzinoms für unwirksam und potenziell schädlich. Die im amerikanischen Ärzteblatt veröffentlichten Empfehlungen (JAMA 2018; 319: 588–594) beruhen im Wesentlichen auf dem negativen Ausgang aus 2 Screeningstudien, deren Ergebnisse in einem Evidenzreport (JAMA 2018; 319: 595–606) zusammen­gefasst werden.

Auf Krebserkrankungen der Eierstöcke entfallen zwar nur 3,2 % aller bösartigen Neubildungen der Frauen. Da der Tumor jedoch selten im Frühstadium entdeckt wird, sind die Überlebensaussichten schlecht. Das Ovarialkarzinom ist in Deutschland für 5,3 % aller Krebssterbefälle verantwortlich.

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Eine Früherkennung wäre im Prinzip durch transvaginale Ultraschalluntersuchungen (TVU) oder durch den Nachweis des Tumormarkers CA-125 im Blut möglich. Doch die Ergebnisse der beiden größten Screeningstudien aus den USA (PLCO-Trial mit mit 78.216 Frauen) und Großbritannien (UKCTOCS mit 202.638 Frauen) verliefen enttäuschend. Weder eine jährliche TVU noch regelmäßige CA-125-Bestimmungen konnten den Tumor in einem Stadium erkennen, der nach einer Behandlung das Sterberisiko vermindert. 

Am günstigsten waren noch die Ergebnisse in einem Arm der UKCTOCS-Studie, der die zeitlichen Veränderungen der CA-125-Konzentration (ROCA-Score) beurteilte. Nach einem medianen Follow-up von 11 Jahren kam es zu etwa 15 % weniger Todesfällen als in der Gruppe ohne Screening (148 versus 347 Frauen). Dieser Rückgang war jedoch nicht statistisch signifikant. Es gab allerdings eine Tendenz zur früheren Diagnose, sodass derzeit nicht auszuschließen ist, dass auf lange Sicht doch noch eine präventive Wirkung nachgewiesen wird.

Derzeit gibt es aber keine Belege für einen Nutzen des Screenings, sodass die Risiken überwiegen. Diese bestehen in falsch-positiven Ergebnissen die in den beiden Screeningstudien nicht selten zu unnötigen Operationen führten: Beim ROCA-Screening wurde 1 % der Frauen ohne Krebs operiert, beim transvaginalen Ultraschall-Screening lag die Rate sogar bei 3 %. Die chirurgische Entfernung der Ovarien ist nicht ohne Risiken. In den Studien kam es bei 3 bis 15 % zu größeren Komplikationen. Hinzu kommen noch einmal psychologische Belastungen, die sich durch falsche Vermutungsdiagnosen und die dadurch notwendigen Tests ergeben. Die US Preventive Services Task Force rät deshalb von einem Screening ab (sogenannte D-Empfehlung).

Diese Empfehlung gilt nur für Frauen ohne bekannte genetische Risiken. Frauen mit BRCA1/2-Mutation wird heute in jedem Fall zu einem intensiven Screening mit TUV und CA-125 (mindestens alle 3 bis 6 Monate) oder besser noch zu einer präventiven Entfernung der Ovarien geraten, wobei in jedem Fall auch die Tuben entfernt werden sollten. 

Studien haben kürzlich ergeben, dass die Mehrheit der serösen High-grade-Karzinome (HGSC), auf die 70 Prozent der Ovarialkarzinome entfallen und die die schlechteste Prognose haben, vermutlich im Eileiter und nicht im Ovar entstehen. Es wird deshalb derzeit diskutiert, ob die Entfernung der Eileiter ausreicht, um etwa jüngere Frauen vor einem Ovarialkarzinom zu schützen. Belastbare Daten hierzu gibt es aber nicht. © rme/aerzteblatt.de

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