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Medizin

Melanom: Adipöse Männer überleben länger

Donnerstag, 15. Februar 2018

/M. Dörr & M. Frommherz, stockadobecom

Houston – Eine Adipositas, die nicht nur eine wichtige Ursache von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch von Krebs ist, hat in einer retrospektiven Studie in Lancet Oncology (2018; doi: 10.1016/S1470-2045(18)30078-0) die Überlebenszeit beim metastasierten Melanom verlängert. Eine Schutzwirkung war nur bei Männern und nur unter einer zielgerichteten Therapie oder einer Immuntherapie vorhanden (nicht aber bei Frauen und bei einer konventionellen Chemotherapie).

Jennifer McQuade vom MD Anderson Cancer Center in Houston hat die Daten von 1.918 Patienten ausgewertet, die an 6 Therapiestudien teilgenommen hatten. Dort waren Immuntherapeutika wie Ipilimumab, Pembrolizumab, Nivolumab oder Atezolizumab oder zielgerichtete Medikamente wie Dabrafenib, Trametinib, Vemurafenib oder Cobimetinib oder auch konventionelle Zytostatika wie Dacarbazin eingesetzt worden.

Alle Patienten befanden sich im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, in der keine Heilung mehr möglich ist. Das Ziel der Therapien ist dann eine Verlängerung des progressionsfreien oder des Gesamtüberlebens. Eigentlich hatte McQuade erwartet, dass eine Adipositas die Aussichten der Patienten verschlechtern würde. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Adipositas den krebsfördernden Stoffwechselweg „IGF-1/PI3K/AKT“ fördert. Außerdem hatten epidemiologische Studien zuletzt gezeigt, dass eine Adipositas ein wichtiger Risikofaktor für 13 Krebserkrankungen ist.

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Umso überraschender war das Ergebnis, dass eine Adipositas bei Männern (nicht aber bei Frauen) mit einer Verlängerung der Überlebenszeiten verbunden war. Besonders deutlich war dies bei zielgerichteten Medikamenten. Adipöse Männer (BMI 30 plus), die den BRAF-Inhibitor Dabrafenib oder den MEK-Inhibitor Trametinib erhalten hatten, lebten im Durchschnitt noch 33,0 Monate, davon 15,7 ohne Tumorprogression. Normalgewichtige Männer (BMI 18,5 bis 24,9) lebten noch 19,8 Monate, davon 9,6 Monate ohne Tumorprogression. Bei den Frauen lag das mediane Gesamtüberleben  bei mindestens 33 Monaten und zwar unabhängig vom BMI.

Ähnlich war die Situation in den Studien zur Immuntherapie: Nach einer Behandlung mit PD1/PD L1—Antikörpern lebten adipöse Männer im Durchschnitt noch 26,9 Monate, davon 7,6 Monate ohne Tumorprogression. Bei den Normalgewichtigen betrug die Gesamtüberlebenszeit 14,3 Monate, davon 2,7 Monate ohne Tumorprogression. In den Studien zu Ipilimumab gab es ähnliche Unterschiede, und wiederum war ein ähnlicher Einfluss des BMI bei Frauen nicht erkennbar.

Die Ursache für die neue Spielart des „Adipositas-Paradoxons“ sind nicht bekannt. McQuade vermutet, dass die mit der Adipositas verbundene gesteigerte Entzündungs­reaktion im Körper die Immunattacke auf die Tumorzellen, die durch die Checkpoint-Inhibitoren ausgelöst wird, verstärkt haben könnte.

Die geschlechtsspezifische Wirkung führt die Forscherin auf das Enzym Aromatase zurück, das im Fettgewebe Androgene in Östrogene umwandelt. Vielleicht entstünden dabei genügend weibliche Geschlechtshormone, um den Geschlechtsunterschied aufzuheben, so McQuade. Normalerweise haben Frauen beim Melanom längere Überlebenszeiten. Forscher führen dies auf Östrogenrezeptoren auf der Oberfläche von Melanomzellen zurück, die die Effektivität der Immuntherapie verstärken können. © rme/aerzteblatt.de

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