NewsVermischtesVier neue Zentren bieten traumatisierten Flüchtlingen Hilfe in Hessen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Vier neue Zentren bieten traumatisierten Flüchtlingen Hilfe in Hessen

Freitag, 16. Februar 2018

/dpa

Darmstadt/Wiesbaden – Fast jeder zweite Flüchtling ist nach Schätzungen von Fachleuten als „psychisch krank“ einzustufen. Um traumatisierten Geflüchteten beim Einleben in Hessen zu helfen, unterstützt die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen nun vier Anlaufstellen für die psychosoziale Versorgung dieser Menschen. Die erste davon hat sich gestern in Darmstadt vorgestellt.

Alle Einrichtungen hätten aber bereits im Dezember 2017 mit der Arbeit begonnen, sagte der Sprecher des hessischen Sozialministeriums, Markus Büttner. Die anderen drei – mit Sitz in Frankfurt, Kassel und Gießen – gingen in den nächsten Wochen auch offiziell an den Start. Die Landesregierung unterstützt jedes Zentrum mit bis zu 400.000 Euro pro Jahr. Sie sind miteinander vernetzt und tauschen sich aus.

Anzeige

Wissenschaftliche Begleitung

Die Einrichtungen fußen auf Erfahrungen eines Pilotprojekts („Step-by-Step“) aus der Flüchtlingsunterkunft „Michaelisdorf“ in Darmstadt. Dies war nach Darstellung des Ministeriums bundesweit einzigartig. Es bestehe die Gefahr, dass „Schatten des Traumas“ auch die zweite und dritte Generation der Zuwanderer erfassten, hatte Marianne Leuzinger-Bohleber vom Sigmund-Freud-Institut gesagt, die das Projekt wissenschaftlich begleitete. So zeigten sich bei rund einem Drittel der Kinder traumatisierter Eltern Bindungsschwierigkeiten.

Die Beratungsstellen dienen als erste Anlaufstelle für die Krisenintervention und zur Stabilisierung. Sie sollen eine langfristige Hilfeplanung für die Traumatisierten gewährleisten. Sie sind aber auch Ansprechpartner für Kommunen in Fragen der psychosozialen Betreuung sowie Anlaufstellen für Therapeuten und Dolmetscher.

Das Psychosoziale Zentrum für Geflüchtete Südhessen wird von der Caritas und dem Deutschen Roten Kreuz gemeinsam getragen. Zwischen 8.000 und 16.000 Geflüchtete leben danach in Darmstadt sowie den Kreisen Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und dem Odenwald. Bislang fehle eine angemessene psychosoziale Versorgung für sie.

In dem Zentrum in Darmstadt teilen sich künftig zwei Psychologinnen eine Stelle, dazu kommen zwei Sozialpädagogen und ein Koordinator. Die Psychologinnen sollen vor allem mithilfe von Dolmetschern bei einem Erstgespräch herausfinden, wie stark traumatisiert ein Mensch ist und ihm die notwendige Hilfe vermitteln.

Das Zentrum will zudem Dolmetscher dafür schulen, Fachinformationen weiter­zugeben. Auch soll mithilfe von Dokumentation strukturellen Mängeln bei der Versorgung auf die Spur gekommen werden. Aufgebaut werden soll darüber hinaus ein Netzwerk niedrigschwelliger psychosozialer Ersthilfen. Da nicht jeder belastete Flüchtling gleich eine Psychotherapie brauche, sollten auch stressreduzierende Angebote gemacht und ein Spektrum an anderen Hilfen erarbeitet werden. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Oktober 2018
Sydney – Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat ihre Hilfe für gestrandete Asylbewerber auf der Pazifikinsel Nauru aufgeben müssen. Die Regierung von Nauru habe die NGO aus dem von Australien
Ärzte ohne Grenzen müssen Hilfe für Migranten auf Nauru einstellen
10. Oktober 2018
Berlin – Auf die Bedeutung psychischer Erkrankungen als Volkskrankheit hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) gestern Abend vor
Schweregradgestuftes sektorenübergreifendes Versorgungsnetzwerk für psychisch Kranke gefordert
9. Oktober 2018
Köln/Berlin/Wiesbaden – Bei der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen gibt es eine Reihe von Defiziten. Darauf haben Fachgesellschaften, Krankenkassen und Psychotherapeuten anlässlich
Verbände kritisieren Unter- und Fehlversorgung psychischer Erkrankungen
8. Oktober 2018
Berlin – Die Sozialkassen profitieren laut einem Medienbericht massiv von der Zuwanderung nach Deutschland. In der Rentenversicherung erreichte nach einem Bericht der Zeitungen des Redaktionsnetzwerks
Sozialkassen profitieren von Zuwanderung
5. Oktober 2018
Rom – Hilfsorganisationen haben ein Beobachtungsschiff ins Mittelmeer geschickt, mit dem sie die „dramatische Lage“ der Migranten aufdecken wollen. Die „Mare Jonio“ sei von Italien aus gestartet und
Hilfsorganisationen schicken Beobachtungsschiff ins Mittelmeer
4. Oktober 2018
Marseille – Das Rettungsschiff „Aquarius“ ist im südfranzösischen Marseille eingetroffen und sucht weiter nach einem neuen Flaggenstaat. „Wir rufen die europäischen Regierungen auf, es uns zu
„Aquarius“-Betreiber fordern Lösung für künftige Rettungseinsätze
1. Oktober 2018
Berlin – Eine neue Regelung im aktuellen Kabinettsentwurf für das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sorgte vor allem bei den Psychotherapeuten in der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) am Freitag
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER