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Auf Dauer könnte Ibuprofen die Hodenfunktion beeinträchtigen

Freitag, 16. Februar 2018

Ibuprofen / dpa
/dpa

Rennes – Männer, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig Ibuprofen einnehmen, könnten ein erhöhtes Risiko für einen kompensierten Hypogonadismus haben. Das berichten Forscher aus Dänemark und Frankreich anhand einer Multicenter-Studie in PNAS (2018; doi: 10.1073/pnas.1715035115. Die Ergebnisse würden darauf hinweisen, dass Ibuprofen auch im jungen Erwachsenenalter die Hodenfunktion nachteilig beeinflussen könne, warnt daher Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Die Forscher hatten 31 gesunde Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren untersucht, die zweimal 600 Milligramm des Medikaments pro Tag über 6 Wochen eingenommen hatten. Etwa die Hälfte der Teilnehmer erhielten Placebo.

Es zeigte sich, dass das Analgetikum zu einem kompensierten Hypogonadismus führte – ein Zustand, der bei älteren Männern vorherrscht und mit reproduktiven und körperlichen Störungen in Verbindung gebracht wird. Dabei hemmt Ibuprofen zum einen die Testosteronproduktion in den Hoden, zum anderen produziert die Hypophyse als Reaktion mehr luteinisierendes Hormon (LH), wodurch der Testosteronspiegel anstieg. LH stieg nach 2 Wochen um 23 % an und nach 44 Tagen um 33 %.

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Die Netto-Testosteronwerte blieben somit konstant, der Körper ist durch die Aus­gleichs­leistung jedoch beansprucht. Verursacht wird der kompensierte Hypogona­dismus durch Ibuprofen vermutlich aufgrund einer selektiven Transkriptionsrepression in den menschlichen Hoden, wie sich bei In-vitro-Versuchen in einer Zelllinie herausstellte.

In einem 2. Versuch untersuchten die Forscher um David Møbjerg Kristensen Hodenzellen aus Biopsien von Prostatakrebspatienten, die keine Hormonbehandlung erhalten hatten. Auch hier konnten sie eine Verringerung der Testosteronproduktion durch Ibuprofen um bis zu 40 % beobachten.

„Ein antiandrogener Effekt von Analgetika wurde schon vielfach in früheren Studien gezeigt“, erklärt Schatz. Ibuprofen sei vor allem unter Athleten und Berufssportlern als regelmäßiges Schmerzmittel gegen Verletzungen beliebt. Eine Beeinträchtigung der Hodenfunktion bei regelmäßiger Einnahme kann der Endokrinologe daher nicht ausschließen. Zudem wurde gerade in der westlichen Welt in letzter Zeit vermehrt über männliche Fortpflanzungsstörungen berichtet. Insofern komme der Untersuchung eine besondere Bedeutung zu, sagt Schatz.

Spermienzahl sinkt vor allem in westlichen Ländern

Jerusalem/New York – Immer weniger Spermien sind pro Milliliter im Sperma enthalten, und auch die Spermienanzahl pro Samenerguss sinkt seit 1973. Vor allem in westlichen Ländern sei ein Spermienschwund um 50 bis 60 Prozent zu verzeichnen, wie Forscher um Hagai Levine von der Hebrew University-Hadassah in einem Review berichten, das in Human Reproductive Update erschienen ist (2017; doi:

© gie/aerzteblatt.de

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