NewsPolitikNoch sind die Wege zum Hausarzt kurz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Noch sind die Wege zum Hausarzt kurz

Freitag, 16. Februar 2018

/dpa

Berlin – Fast jeder Deutsche muss weniger als zehn Kilometer zum Hausarzt fahren. 2016 wohnten nur rund 173.000 Menschen oder 0,2 Prozent der Bevölkerung weiter vom nächst erreichbaren Hausarzt entfernt. Das geht aus der Antwort des Bundes­ministeriums für Gesundheit (BMG) auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Wieland Schinnenburg hervor, die dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) vorliegt.

Weiter als zehn Kilometer müssten neben den Bewohnern einiger Inseln insbesondere Menschen in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen sowie im Grenzgebiet zu Österreich und Luxemburg fahren.

Anzeige

Hohe Hausarztdichte

Die Zahl der Hausärzte im ländlichen Raum ist laut Bundesregierung in den vergan­genen Jahren nur geringfügig gesunken – von 16.966 (2012) auf 16.895 (2016). Die Hausarztdichte in Deutschland sei mit 1,7 je 1.000 Einwohner aber immer noch größer als in den meisten europäischen Ländern. Lediglich in Portugal und Irland liege der Wert mit 2,4 beziehungsweise 1,9 höher.

Das BMG kündigte in seiner Antwort dem Bericht zufolge an, die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum werde „auch in dieser Legislaturperiode“ ein Schwerpunkt sein. Schinnenburg betonte, die Zahlen schienen „gegen einen Landarztmangel zu sprechen“. Die Bundesregierung verkenne jedoch eine „drohende Gefahr“, denn die Details zeigten, dass es in Ostdeutschland größere Gebiete gebe, „in denen so eine Mangelversorgung verbreitet ist“. Zudem habe die Regierung keine Antwort auf die Frage, wie die künftige Prognose in Bezug auf Hausärzte und Krankenhäuser sei.

Antworten bleibe die Regierung zudem zu „zwei wesentlichen Mitteln zur Verhinderung einer Unterversorgung auf dem Lande“ schuldig. Das betreffe die Einrichtung mobiler Praxen und die Gewinnung ausländischer Ärzte. Schinnenburg forderte die Bundesregierung auf, für eine verlässliche Datengrundlage zu sorgen und intensiver moderne Versorgungskonzepte wie E-Health und mobile Praxen zu fördern.

Ob die Aufweichung des ausschließlichen Fernbehandlungsverbots, das beim kommenden Deutschen Ärztetag auf der Tagesordnung stehen soll, ein notwendiger Schritt für eine Sicherstellung der Versorgung sein kann, konnte Schinnenburg auf -Nachfrage nicht beantworten. „Zum Fernbehandlungsverbot hat die FDP noch keine abschließende Meinung“, sagte er. © afp/may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 20. Februar 2018, 21:03

Danke an den Kollegen Uwe Popert...

für diese wichtige Richtigstellung zur maroden Hausarzt-Dichte und -Verteilungsproblematik in Deutschland.

Wem fällt eigentlich noch auf, dass die Aussage: "Fast jeder Deutsche muss weniger als zehn Kilometer zum Hausarzt f a h r e n nur für Leute selbstverständlich ist, die über einen Chauffeur bzw. den Fahrdienst des Deutschen Bundestages verfügen.

Eine Antwort des Bundes­ministeriums für Gesundheit (BMG) müsste zumindest ansatzweise berücksichtigen, das unsere ältesten, schwächsten, oft Mobilitäts- und Kommunikations-eingeschränkten, multimorbide kranken Patientinnen und Patienten gerade n i c h t über derartige Transportmittel verfügen und selbst mit dem Öffentliche-Personen-Nahverkehr (ÖPNV) Distanzen bis zu 10 Kilometern definitiv nicht mehr bewältigen können.

Damit werden wir Hausärztinnen und Hausärzte nahezu täglich konfrontiert, bzw. die vertragsärztliche Versorgung ohne Schwellen-, Diskriminierungs- und Selektions-Ängste konterkariert.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #104037
popert
am Samstag, 17. Februar 2018, 23:53

Falsche Daten begründen falsche Politik!

Anscheinend bezieht sich das BMG hier auf Daten der OECD - diese sind aber falsch!
2015 waren nach Angaben des Bundesarztregisters 54.094 Ärzte hausärztlich tätig - bei einer Bevölkerung von 81,69 Mio Einwohnern ergibt das 0,66 Hausärzte/1.000 Einwohner. Damit landet Deutschland am unteren Rand der OECD-Tabelle.
(Leider weigert sich die OECD seit 1 Jahr, diese Daten zu berichtigen)
Bitte überprüfen und publizieren!
http://www.kbv.de/media/sp/2015_12_31.pdf
Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 17. Februar 2018, 18:05

Fernheilung

Fernheilung ist keine Anwort auf die Versorgungsdichte, sondern eine Herausforderung für den Arzt. Telekonsultation und Teletherapie sind zu verknüpfen.
LNS

Nachrichten zum Thema

25. September 2020
Stuttgart – Nach langen Diskussionen bringt die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg die Landarztquote auf den Weg. Am Dienstag soll nach jetzigem Stand eine entsprechende
Landarztquote in Baden-Württemberg wird konkret
24. September 2020
Hannover – In vielen Regionen in Deutschland wird es immer schwieriger für Praxisinhaber, einen Nachfolger zu finden. Das geht aus einer neuen Arztzahlprognose für Niedersachsen und einer Antwort der
Arztzahlprognosen: Immer mehr Praxen ohne Nachfolger
23. September 2020
Stuttgart – Die Hälfte der Hausärzte sieht in dem nationalen Gesundheitsportal der Bundesregierung große Unterstützungspotenziale für ihre Arbeit. Das geht aus einer Umfrage unter 745 Hausärzten aus
Hausärzte erwarten Unterstützung durch nationales Gesundheitsportal
21. September 2020
Berlin – Die Praxen der niedergelassenen Ärzte sind gut vorbereitet für die kommenden Wochen und das vermehrte Auftreten von Erkältungskrankheiten, grippalen Infekten und potenziellen COVID-19-Fällen.
SARS-CoV-2: KBV sieht niedergelassene Haus- und Fachärzte gut vorbereitet
17. September 2020
Berlin – Der Hausärzteverband fordert angesichts der steigenden Zahlen von grippalen Infekten die zügige Rückkehr zur telefonischen Krankschreibung. Eine große Mehrheit der Delegierten der
Hausärzte wollen telefonische AU zurück
16. September 2020
Frankfurt – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen hat auf den bestehenden und weiter zunehmenden Ärztemangel im Land hingewiesen. „Wir alle wissen, dass der Ärztemangel bereits sektorübergreifend spürbar ist.
Ärztekammer Hessen lehnt Landarztquote weiter ab
8. September 2020
Jena – Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen (LÄK) hat zu einer verstärkten Initiative gegen den Ärztemangel aufgerufen. „Nach wie vor ist die Lage in Thüringer Krankenhäusern, Praxen, aber auch Behörden
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER