Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Bluttest erkennt Schädel-Hirn-Trauma

Sonntag, 18. Februar 2018

/Anna Kowaltschuk, stockadobecom

Silver Spring/Maryland – Der Nachweis von zwei Proteinen, die bei Hirnverletzungen ins Blut freigesetzt werden, kann zuverlässig ein Schädel-Hirn-Trauma diagnostizieren und damit die Zahl der Computertomographien (CT) begrenzen. Der mit Unterstützung der US-Armee entwickelte Test wurde jetzt von der Arzneimittelagentur FDA auch für den zivilen Bereich zugelassen.

Die Zahl der Soldaten, die bei Kampfhandlungen ein Schädel-Hirn-Trauma erleiden, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Diagnose im Feld ist schwierig, da derzeit in der Regel nur ein CT erkennen kann, ob eine ernsthafte Schädigung des Gehirns vorliegt.

Die US-Armee hat deshalb die Entwicklung eines Tests gefördert, der durch den Nachweis der Proteine UCH-L1 („Ubiquitin Carboxy-terminal Hydrolase-L1“) und GFAP („Glial Fibrilliary Acidic Protein“) die Diagnose einer organischen Hirnschädigung ermöglicht.

Der Hersteller Banyan Biomarkers aus San Diego hat den „Brain Trauma Indicator“ in einer internationalen Studie (deutsche Beteiligung: Berlin, München, Heidelberg) an 1.947 Patienten getestet, die eine leichte bis mittelschwere Bewusstseinsstörung (Glasgow Coma Scale 9 bis 15) erlitten hatten. Die Bluttests wurden 3 bis 12 Stunden nach der Verletzung durchgeführt und sie sagten zu 97,5 Prozent voraus, ob später im CT Läsionen sichtbar wurden (Sensitivität). Ein negatives CT wurde zu 99,6 Prozent vorhergesagt (Negativer prädiktiver Wert). 

Der Test kann nach Einschätzung der FDA die Zahl der CT-Untersuchungen deutlich senken, da derzeit bei 90 Prozent aller Patienten mit Gehirnerschütterung oder einem leichten Schädel-Hirn-Trauma keine Auffälligkeiten im CT gefunden würden. 

Der Test, dessen Ergebnisse nach 2 bis 3 Stunden vorliegen, wurde von der FDA auch für den zivilen Bereich zugelassen. Er könnte auch für die Sportmedizin interessant sein, da es bei Kontaktsportarten wie dem American Football und auch beim Eishockey häufig zu Zusammenstößen mit vorübergehender Bewusstlosigkeit kommt. In den USA wird derzeit diskutiert, ob diese Sportverletzungen in der Summe zu einer chronisch-traumatischen Enzephalopathie führen. 

In Deutschland ist der Test noch nicht verfügbar. Hierzulande erleiden allein im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung jährlich etwa 40.000 Menschen eine Schädel-Hirn-Verletzung, von der sich die meisten wieder erholen. Pro Jahr erleiden etwa 4.000 Patienten durch eine Hirnverletzung dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigungen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

11. April 2018
Washington/Umeå – Wer als jüngerer Mensch ein Schädel-Hirn-Trauma erleidet, erkrankt im Alter häufiger an einer Demenz. Zwei aktuelle Studien in Lancet Psychiatry (2018; doi:
Schädel-Hirn-Trauma in der Jugend erhöht Demenzrisiko im Alter
4. April 2018
Palo Alto – Die Metapher, dass nach einer Hirnerschütterung die Glocken läuten, hat einen wahren Kern. US-Forscher zeigen in Physical Review Letters (2018; 120: 138101), wie ein leichtes
Schädel-Hirn-Trauma versetzt Gehirn in Schwingungen
6. Juli 2017
Helsinki – Wer in seinen 40ern ein moderates bis schweres Schädel-Hirn-Trauma (SHT) erleidet, könnte ein erhöhtes Demenzrisiko haben. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Rahul Raj von der University
Demenz: Schädel-Hirn-Trauma im mittleren Alter erhöht das Risiko
27. März 2017
Baltimore - Die Sekretion von Mikropartikeln durch Immunzellen könnten ein Grund dafür sein, dass nach einer traumatische Schädigung des Gehirns Entzündungsreaktionen entstehen. Im Journal of
Wie Hirntraumata Entzündungen im Gehirn triggern
23. September 2016
Köln – Selbst bei Patienten mit schweren Hirnschädigungen, die schon länger zurückliegen, können durch ein intensives vierwöchiges Rehabilitationsprogramm Ziele mit hoher Alltagsrelevanz häufiger
Reha-Intervention erleichtert hirngeschädigten Patienten die Bewältigung des Alltags
8. September 2016
Cambridge – Eine Kraniektomie zur Entlastung eines erhöhten Hirndrucks hat in einer randomisierten Studie die Sterblichkeit von Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma gegenüber einer fortgesetzten
Kraniektomie verbessert Prognose nach schwerem Schädel-Hirn-Trauma
15. Juni 2016
Boston – Soldaten, die durch eine Explosion ein Schädel-Hirn-Trauma erleiden, zeigen später häufig Glianarben im Hirngewebe. Dies konnte eine Arbeitsgruppe um Daniel Perl an der University of the

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige