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Medizin

Studie: Fertignahrungsmittel könnten Krebsrisiko erhöhen

Freitag, 16. Februar 2018

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Paris – Der häufige Verzehr von industriell hergestellten Nahrungsmitteln war in einer web-basierten prospektiven Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 360: k322) mit einem Anstieg von Krebserkrankungen verbunden. Bei Frauen traten insbesondere Brustkrebserkrankungen häufiger auf.

Die Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Viele Menschen bereiten sich ihre Nahrung nicht mehr selber zu, sondern greifen zu Fertiggerichten aus dem Supermarkt. Auch Backwaren, Zerealien und selbstverständliche auch Süßigkeiten und Knabbereien werden in der Regel industriell hergestellt.

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Diese hoch-verarbeiteten Lebensmitteln haben nicht nur einen hohen Anteil von gesättigten Fettsäuren, raffinierten Zucker und Salz. Sie werden zur Verbesserung der Haltbarkeit auch mit zahlreichen Zusatzstoffe versetzt. Schließlich werden viele Nahrungsmittel aus geschmacklichen Grünen bei der Herstellung hoch erhitzt, was aufgrund der Maillard-Reaktion zur Bildung von Acrylamiden, heterozyklischen Aminen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen führt, von denen einige als karzinogen eingestuft werden. Last but not least werden hoch-verarbeitete Lebens­mitteln häufig in Plastikverpackungen verkauft, die Bisphenol A freisetzen, das als endokriner Disruptor krebserregend sein könnte. 

Es gibt deshalb Grund zu der Annahme, dass der häufige Verzehr von hoch-verarbei­teten Lebensmitteln das Risiko von Krebserkrankungen erhöht. Ein Team um Bernard Srour von der Pariser Sorbonne hat hierzu die Daten der NutriNet-Santé-Studie ausgewertet. Es handelt sich um eine prospektive Kohortenstudie, die seit 2009 über web-basierte Fragebögen eine Gruppe von 104.980 Franzosen mittleren Alters (Durchschnitt: 43 Jahre) intensiv nach ihren Lebensgewohnheiten befragt. Dazu gehören 24-Stunden-Fragebögen über die Ernährung, von denen die Teilnehmer der Studie wenigstens zwei ausgefüllt hatten. 

Der Anteil der hoch-verarbeiteten Lebensmittel an der Gesamternährung lag bei Männern und Frauen im Durchschnitt bei fast 20 Prozent.

Die Teilnehmer werden regelmäßig zu Erkrankungen befragt, wobei die Angaben mit den Daten der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung SNIIRAM und im Todesfall auch mit dem Sterbergister CépiDC abgeglichen werden. Auf diese Weise konnten die Forscher über 90 Prozent der Erkrankungen verifizieren. 

In den ersten fünf Jahren der Nachbeobachtung sind 2.228 Krebserkrankungen aufgetreten, darunter waren 739 Mammakarzinome (fast 80 Prozent der Teilnehmer der Studie waren weiblich), 281 Prostatakarzinome und 153 kolorektale Karzinome. Insgesamt 108 Teilnehmer sind an der Folgen der Krebserkrankung gestorben.

Die Auswertung ergab, dass Teilnehmer, die mehr hoch-verarbeitete Lebensmittel verzehrten, häufiger an Krebs erkrankten. Für jeden Anstieg des Anteils der hoch-verarbeiteten Lebensmittel an der Ernährung um 10 Prozentpunkte ermittelte Srour eine um 12 Prozent erhöhtes Krebsrisiko. Die Hazard Ratio von 1,12 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,06 bis 1,18 signifikant. Bei den Frauen betrug die Hazard Ratio auf ein Mammakarzinom 1,11 (1,02 bis 1,22) pro 10 Prozent mehr hoch-verarbeitete Lebensmittel in der Kost. Bei den anderen Krebserkrankungen gab es eine Tendenz, die aufgrund der niedrigen Fallzahl jedoch das Signifikanzniveau nicht erreichte.

Ob diesen Assoziationen eine Kausalität zugrunde liegt, kann eine prospektive Beobachtungsstudie nicht beweisen. Einige mögliche Verzerrungen können die Forscher jedoch ausschließen. Dazu gehört, dass Raucher und Menschen mit Bewegungsmangel häufiger als andere zu hoch-verarbeiteten Lebensmitteln greifen. Auch der Einfluss von Body-Mass-Index, Energiezufuhr, Alkoholkonsum und Ausbildungsniveau wurde berücksichtigt.

Ob diese Analysen alle möglichen Störgrößen eliminiert haben, muss am Ende offenbleiben, und angesichts der relativ geringen Hazard Ratio es bleibt möglich, dass nicht die hoch-verarbeiteten Lebensmittel sondern andere Faktoren der Lebensführung für den leichten Anstieg des Krebsrisikos verantwortlich ist. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob andere Kohortenstudien die Assoziationen bestätigen werden. © rme/aerzteblatt.de

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DrmedRExner
am Freitag, 16. Februar 2018, 19:23

Korrelation heißt nicht Kausalität !!!

Das alte Thema Korrelation und Kausalität:
Leute, geht nicht mehr ins Bett - über 87.3% der Deutschen sterben darin!

Wenn Sie schon die Aussage der Studie in den beiden letzten Absätzen relativieren und kritisch einschätzen, warum dann diese "Wahrheit heischende" Überschrift und das dazu passende Foto?

Der Zusatz "... oder doch nicht? ..." hätte gepasst.
LNS

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