NewsPolitikLandessozialgericht kippt Schiedsamt-Urteil zum Erstattungsbetrag von Reizdarm-Medikament
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Landessozialgericht kippt Schiedsamt-Urteil zum Erstattungsbetrag von Reizdarm-Medikament

Mittwoch, 21. Februar 2018

/Geza Farkas, stock.adobe.com

Berlin – Das Landessozialgericht (LSG) Berlin-Brandenburg hat die Festsetzung des Erstattungs­betrages für das Arzneimittel Constella mit dem Wirkstoff Linaclotid gekippt (Az.: L 1 KR 295/14 KL). Gegen die Festsetzung des Erstattungsbetrages durch das Schiedsamt hatte der pharmazeutische Unternehmer geklagt. Constella ist zur symptomatischen Behandlung des mittelschweren bis schweren Reizdarmsyndroms bei Obstipation bei Erwachsenen zugelassen.

Das Urteil richtet sich aber nicht allein gegen die Schiedsamtsentscheidung, sondern zielt weiter auf eine Entscheidung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA). Dieser hatte am 17. Oktober 2013 festgestellt, dass ein Zusatznutzen von Linaclotid gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt sei. Zweckmäßige Vergleichstherapie sei eine Ernährungsumstellung nach ärztlicher Beratung sowie die symptomorientierte Behandlung, unter anderem gegen Obstipation, Blähungen und  Krämpfe. Im Rahmen dieser zweckmäßigen Vergleichstherapie fielen ausschließlich Arzneimittelkosten für die Behandlung mit Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Mebeverin an.

Diese Argumentation greift das LSG nun an. So habe der G-BA entgegen der vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in dessen Dossierbewertung dargelegten Auffassung und entgegen der einschlägigen Leitlinie nicht nachvollziehbar dargelegt, weshalb er die Psychotherapie als Vergleichstherapie für generell irrelevant ansehe. Ferner sei die Annahme des G-BA, die ärztliche Bera­tung zur Ernährungsumstellung als Teil der Vergleichstherapie sei für die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung nicht mit Kosten verbunden, nicht tragfähig. Es dürfe nicht einfach unterstellt werden, diese ärztlichen Bemühungen seien durchweg durch die Grundpauschale abgedeckt, hieß es aus dem LSG.

Hintergrund der Kontroverse sind Regelungen im Arzneimittelmarktneuordnungs­gesetz (AMNOG) aus dem Jahr 2011. Danach verhandelt der GKV-Spitzenverband mit den Arzneimittelherstellern über Erstattungsbeträge für neue Medikamente. In den zwölf Monaten vor den Verhandlungen gilt allerdings der vom Hersteller festgelegte Preis. Können sich GKV-Spitzenverband und der Hersteller innerhalb dieses Jahres nicht einigen, entscheidet eine Schiedsstelle über den Erstattungsbetrag. Der Preis eines Arzneimittels ohne Zusatznutzen darf allerdings nicht höher sein als die Kosten der zweckmäßigen Vergleichstherapie. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. Juli 2018
New York – Die harsche Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Preispolitik von Pharmakonzernen zeigt in der Branche immer mehr Wirkung. Nach der Zusage des US-Unternehmens Pfizer und des
Preissenkung: Merck & Co. knickt vor Trump ein
19. Juli 2018
Straßburg – Eine Frau, die als junge Erwachsene knapp zwei Jahre zu Unrecht in einer Bremer Psychiatrie eingesperrt war, ist vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mit ihrer erneuten
Psychiatrie-Opfer scheitert mit erneuter Beschwerde gegen Deutschland
19. Juli 2018
Zürich – Nach der Ankündigung des Novartis-Chefs Vas Narasimhan, in diesem Jahr die Preise für Medikamente in den USA nicht zu erhöhen, hat sich US-Präsident Donald Trump über den
Trump bedankt sich bei Industrie für Verzicht auf Preiserhöhungen
17. Juli 2018
Darmstadt – Asylbewerber haben Anspruch auf eine kostenintensive medizinische Therapie, wenn diese aus gesundheitlichen Gründen erforderlich ist. Das hat das Hessische Landessozialgericht Darmstadt in
Hepatitis C: Asylbewerber haben Anspruch auf Therapie
13. Juli 2018
St. Louis – Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (J&J) ist zu einer Milliardenstrafe verurteilt worden, weil bestimmte Körperpflegeprodukte Krebs verursacht haben sollen.
Milliardenstrafe für Pharmakonzern J&J wegen angeblicher Krebsrisiken
11. Juli 2018
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DHGO) hat die Bestätigung des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel für die Mischpreisbildung bei neuen Arzneimitteln
Onkologen begrüßen „Ja“ zur Mischpreisbildung
11. Juli 2018
Lübeck – In einem Prozess um die unerlaubte Abgabe der Ersatzdroge Methadon hat einer der beiden angeklagten Ärzte die Vorwürfe heute vor dem Lübecker Landgericht zurückgewiesen. „Wir haben niemanden

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER