NewsMedizinFortschritte in der Krebsdiagnose verbessern die Risikoabschätzung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fortschritte in der Krebsdiagnose verbessern die Risikoabschätzung

Mittwoch, 21. Februar 2018

Ausstattung einer onkologischen Klinik mit bildgebenden Verfahren /Alex Tihonov, adobe.stock.com
Empfindlichere Diagnosemethoden sollen eine präzisere Krebstherapie ermöglichen. Einige Innovationen wurden auf dem Krebskongress 2018 vorgstellt. /Alex Tihonov, adobe.stock.com

Berlin – Neue Perspektiven in der Krebsdiagnose und -therapie standen heute im Fokus des Deutschen Krebskongresses 2018 in Berlin. Dabei thematisierten Krebs­forscher Fortschritte in der radiologischen Bildgebung, der PET-Hybridbildgebung aber auch in der molekularen Pathologie, die laut dem Kongresspräsidenten Thomas Wiegel häufig unterschätzt würde.

Die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) hat bereits Eingang in das aktuelle Leitlinienprogramm Onkologie gefunden. Das bildgebende Verfahren gilt als das derzeit empfindlichste Verfahren, um anatomische Veränderungen aufzuspüren, die beispielsweise auf ein Prostatakarzinom hinweisen. Es komme aber auch bei vielen anderen Tumoren, etwa der Leber, zum Einsatz, sagte Heinz-Peter Schlemmer vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Anhand der 3 „Cancer Hallmarks“ (Anatomie, Zelldichte, Durchblutung) liefert die mpMRT zudem funktionelle Informationen über die Aggressivität des Tumors. Das verbessert die Risikoabschätzung und ermöglicht gezielte Stanzbiopsien.

An seine Grenzen stößt die mpMRT bei Mikrometastasen. Heinz-Peter Schlemmer, DKFZ, Heidelberg

Eine qualitätsgesicherte mpMRT erhalten Patienten zurzeit noch nicht bundesweit. Da das Verfahren erst vor einigen Jahren entwickelt wurde, kommt die Ausbildung mittels Workshops langsam in Gang. Auch eine Qualitätsprüfung sei geplant, sagte Schlemmer.

„An seine Grenzen stößt die mpMRT bei Mikrometastasen“, berichtete der Professor für radiodiagnostische Onkologie aus Heidelberg. Dort, wo die Empfindlichkeit dieses Verfahrens nicht ausreicht, etwa beim Nachweis befallener Lymphknoten, sei die Hybridbildgebung gefragt. Dabei werden Schichtbildverfahren wie Computertomo­graphie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) mit der Positronenemissions­tomographie (PET) kombiniert, um Informationen über Stoffwechselvorgänge im Krankheitsherd anatomisch zuordnen zu können.

Radiotracer verbessern die Diagnose und eventuell auch die Therapie

Bei Mikrotumoren könnten zudem Radiotracer zum Einsatz kommen, erklärt Schlemmer eine weitere Alternative. Mit ihnen ließen sich selbst kleine Tumoren im PET-Scan aufspüren, bestätigte Bernd Krause vom Universitätsklinikum Rostock. Tracer gegen das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) erleichtern zum Beispiel die Suche nach Metastasen eines Prostatakrebses, wenn nach einer Entfernung der Prostata ein erneuter Anstieg des PSA-Werts auf einen Rückfall hindeutet.

Mit dem geeigneten Betastrahler (177Lutetium) versehen, lassen sie sich sogar für therapeutische Zwecke nutzen – der PSMA-Ligand transportiert den Betastrahler zum Tumor und heftet sich dort selektiv an die Oberfläche der Tumorzellen. Die Strahlung sorgt dort für deren Zerstörung. Ob die Therapie mit Radiopharmaka das Überleben der Patienten tatschlich verlängert, ist noch ungewiss. „Daher wird es Anfang März ein Treffen mit einer Firma geben, die das 177Lutetium lizensiert hat, um eine interna­tionale Phase-3-Studie zu planen, an der Deutschland mit 12 Zentren teilnehmen wird“, sagte Krause.

Molekulare Pathologie: Auf der Suche nach Biomarkern

Eine wertvolle Ergänzung für die Therapieentscheidung liefert die molekulare Pathologie – sie erfasst die Veränderungen im Tumor, die sich auf einzelne Mutationen zurückführen lassen. Mittlerweile gibt es bei einigen Tumorarten, etwa beim Lungen­karzinom oder beim Darmkrebs, Beispiele, wie eine Analyse der Erbsubstanz im Tumor diejenigen Patienten identifizieren kann, die auf ein bestimmtes Medikament voraus­sichtlich gut ansprechen, so Christoph Röcken, Pathologe am Universitäts­klinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

Dennoch sprechen längst nicht alle Patienten auf Checkpoint-Inhibitoren an. Christoph Röcken, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,Kiel

In den letzten beiden Jahren waren es vor allem Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die in der medikamentösen Tumortherapie für Aufsehen gesorgt haben. Zwar deutet laut Röcken vieles darauf hin, dass die 2. Generation dieser Inhibitoren bei einer Vielzahl von Tumorerkrankungen wirken könnte. „Dennoch sprechen längst nicht alle Patienten auf Checkpoint-Inhibitoren an.“

Bei der Suche nach Biomarkern hatte jetzt ein US-Forscherteam einen vielver­sprechenden Ansatz. Ihre Studie in Molecular Cancer Therapeutics 2017 weist darauf hin, dass die Mutationslast im Tumor ein prädiktiver Marker für das Ansprechen auf die neuen Immuntherapien sein könnte. „Auch innerhalb der verschiedenen Krebsarten gibt es unterschiedliche Häufigkeiten der Mutationen“, erklärte Röcken. Jene Krebs­patienten (n = 151) mit vielen Mutationen sprechen laut der Studie gut auf eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren an. Weitere Studien sind nötig, um zu verifizieren, dass es sich bei Mutationslast um einen validen Biomarker handelt.

Auf eine andere interessante Studie zu Checkpoint-Inhibitoren verwies Thomas Wiegel: Die PACIFIC-Studie untersuchte die Wirkung eines solchen adjuvanten Checkpoint-Inhibitors Durvalumab bei Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom im Stadium 3. Der Zwischenbericht erbrachte für das mediane progressionsfreie Überleben einen hochsignifikanten Unterschied (5 Monate versus 17 Monate). „Das ist so bemerkenswert, dass man beim Abschlussbericht eine Verbesserung des Gesamt­überlebens erwarten kann“, berichtete Wiegel und ergänzt: „Und das bei einem relativ günstigen Sicherheitsprofil des Durvalumabs, was bei Checkpoint-Inhibitoren keinesfalls selbstverständlich ist.“

Ohne Innovationen in der Diagnostik sei die Präzisionsmedizin in der Onkologie aber nicht denkbar, betonte der Kongresspräsident des DKK 2018 auf der Eröffnungs­pressekonferenz. © gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat Qualitätsanforderungen für Einrichtungen festgelegt, die Patienten mit B-Zell-Neoplasien mit sogenannten CAR-T-Zellen behandeln. „Dass der Einsatz
Therapien mit CAR-T-Zellen: Einrichtungen müssen neue Qualitätsanforderungen erfüllen
17. September 2020
Boston und Houston – Der RET-Inhibitor Selpercatinib, der erste Vertreter einer neuen Gruppe von Kinasehemmern, kann bei den 70 % der medullären Schilddrüsenkarzinome und den 2 % der
RET-Inhibitor Selpercatinib erzielt bei NSCLC und Schilddrüsenkrebs längere Remissionen
14. September 2020
Hannover – Bei einer Vielzahl unterschiedlicher Tumoren wie Hautkrebs, Brustkrebs, Blasen- oder Lungenkrebs können Immuntherapien eine therapeutische Option sein. Aber die Therapiestrategien können
Hannover Arbeitsgruppe unterstützt Ärzte bei Krebs-Immunbehandlungen
9. September 2020
Marburg – Patienten mit einer akuten myeloischen Leukämie (AML) können von einer Behandlung mit dem Wirkstoff Sorafenib profitieren. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Andreas Burchert vom
Effektive Behandlungsform bei akuter Leukämie
7. September 2020
Calgary – Die Wirkung der Immuntherapie von Krebserkrankungen lässt sich bei Mäusen durch bestimmte Darmbakterien verstärken. Die in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abc3421) vorgestellten
Wie Darmbakterien die Wirksamkeit der Krebsimmuntherapie beeinflussen könnten
4. September 2020
Houston – Eine Kombination mit dem BCL-2-Antagonisten Venetoclax kann die Wirksamkeit des Zytostatikums Azacitidin steigern. In einer Phase-3-Studie wurde die Überlebenszeit von älteren Patienten mit
AML: Venetoclax verbessert Wirksamkeit von Azacitidin
3. September 2020
Heidelberg – Trotz der Herausforderungen der COVID-19-Pandemie sind auch Krebserkrankungen in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 weiterhin ein hervorgehobenes Thema. Deutschland arbeite
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER