NewsPolitikUntersuchung zeigt Folgen von Dieselabgasen vor Urteil zu Fahrverboten auf
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Untersuchung zeigt Folgen von Dieselabgasen vor Urteil zu Fahrverboten auf

Mittwoch, 21. Februar 2018

/dpa

Berlin/Leipzig – Vor der Verhandlung über mögliche Diesel-Fahrverbote am Bundesver­waltungsgericht zeigt eine amtliche Untersuchung die Gefahr von Dieselabgasen auf. Rund 6.000 Menschen in Deutschland sterben einer Analyse des Umweltbundesamts (UBA) zufolge pro Jahr vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die von Stickstoff­dioxid ausgelöst werden. In Städten stammt das NO2 abgekürzte Gas hauptsächlich aus Dieselabgasen. Dem UBA zufolge kann es über einen längeren Zeitraum schon in geringen Konzentrationen schwere Folgen haben. Zuerst hatte das ARD-Politmagazin „Report Mainz“ berichtet.

Morgen befasst sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit der Frage, ob Fahrverbote für Dieselautos zulässig sind, um die NO2-Belastung zu senken. Der erlaubte Jahresmittel-Grenzwert der EU liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die UBA-Studie zeigt, dass bereits eine länger anhaltende Stickstoffdioxid-Konzen­tration ab zehn Mikrogramm zu Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen führen kann. Solche Konzentrationen kämen auch in ländlichen Gebieten vor. In Innenstädten sind die Werte teils um ein Vielfaches höher. Das Umweltbundesamt, dass zum Bundes­umwelt­ministerium gehört, will die Analyse Anfang März der Öffentlichkeit offiziell vorstellen.

Wissenschaftliche Untersuchungen ausgewertet

Für die Studie wurden laut UBA zahlreiche andere wissenschaftliche Untersuchungen ausgewertet. Das Amt hat nach eigenen Angaben dabei nur solche Krankheiten berücksichtigt, bei denen statistische Zusammenhänge mit NO2-Belastungen verlässlich nachgewiesen sind. Die EU, die etwas anders rechnet, geht von mehr als 10.000 vorzeitigen Todesfällen als Folge von NO2 in Deutschland aus.

In der Frage, ob angesichts der Gesundheitsgefahren Dieselautos aus Innenstädten ausgesperrt werden sollten, sind die Deutschen tief gespalten. 43 Prozent der Bürger äußerten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, sie fänden solche Verbote eher gut oder sogar sehr gut. Genauso viele meinten bei der Befragung jedoch, Diesel-Fahrverbote wären in bestimmten Kommunen eher schlecht oder sehr schlecht.

Damit sind Befürworter und Gegner gleichauf – wobei der höchste Einzelanteil auf diejenigen entfällt, die Fahrverbote für Dieselwagen für „eher gut“ halten (24 Prozent). Eine Mehrzahl der Befragten glaubt aber, dass die Autoindustrie nicht genug für die Umwelt tut.

Die obersten deutschen Verwaltungsrichter in Leipzig prüfen frühere Urteile aus Stuttgart und Düsseldorf. Das Stuttgarter Gericht hatte Fahrverbote die „effektivste“ Maßnahme genannt, um den städtischen Gesundheitsschutz zu verbessern. Das Düsseldorfer Gericht urteilte, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge müssten „ernstlich geprüft“ werden.

Sorge um die Gesundheit

Unabhängig von der konkreten Aussicht auf Fahrverbote insbesondere für ältere Diesel, die zu viel giftige Stickoxide (NOx) ausstoßen, haben große Teile der Bevölkerung nur noch wenig Vertrauen in die Umwelt-Anstrengungen der Autobauer. 70 Prozent der Umfrageteilnehmer erklärten, sie seien nicht der Meinung, dass die Branche bisher genug unternommen habe, um möglichst abgasarme Fahrzeuge anzubieten. Nur 15 Prozent hielten die Maßnahmen bislang für ausreichend.

Von der deutlichen Mehrheit der Kritiker wiederum äußerten 87 Prozent ein eher geringes oder sehr geringes Vertrauen in die Autohersteller, wenn es darum geht, in den nächsten drei Jahren mit mehr abgasarmen Modellen nachzubessern. Ein eher großes Vertrauen gaben neun Prozent an, ein sehr großes Vertrauen nur ein Prozent der Umfrageteilnehmer.

Sehr große oder eher große Sorgen um die eigene Gesundheit wegen zu schlechter Luft durch Autoabgase machen sich 29 Prozent der Menschen. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) gaben demgegenüber an, eher geringe oder nur sehr geringe Befürchtungen zu haben, dass sie persönlich unter den Emissionen des Autoverkehrs leiden könnten. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Practicus
am Dienstag, 13. März 2018, 23:13

Donnerwetter

ich dachte immer, Nitrate (=NOx)in schnell resorbierbarer Form sind beim ACS unverzichtbares Medikament!?
nabilabdulkadirdeeb.germany
am Dienstag, 13. März 2018, 08:33

Schneller Anstieg von Stickoxiden ist mit akutem Myokardinfarkt verbunden. !!!


Nabil Abdul Kadir DEEB
Arzt . médecin . doctor .


Das Myokardinfarkt-Risiko hängt nicht nur von der lang- oder kurzfristigen Exposition gegenüber einer hohen Konzentration von Stickoxiden in der Umgebung ab, sondern auch von der Dynamik und dem Ausmaß ihres Anstiegs. Ein schneller Anstieg von Stickoxiden ist selbst in scheinbar sauberen Luftstädten keine Seltenheit, spiegelt sich jedoch nicht in den derzeitigen EU-Grenzwerten wider. Da das Ausmaß der beobachteten Effekte klinisch relevant sein kann, erfordern die Ergebnisse dringende größere Studien in verschiedenen geografischen Regionen, um die Beobachtungen zu verifizieren und zuverlässige politische Empfehlungen für öffentliche und Gesundheitseinrichtungen zu geben.

Mit freundlichen Gruessen

Ihr

Nabil Abdul Kadir DEEB
Arzt . médecin . doctor .

Postfach 20 10 53 ;
P.O. Box 20 10 53 ;
53140 Bonn - Bad Godesberg :
GERMANY

Nachrichten zum Thema

14. Juni 2018
Berlin – Niemand weiß, wie sich Ausbreitung multiresistenter Keime in Seen und Flüssen wirksam verhindern lässt. „Der Forschungsstand zur Verhinderung der Ausbreitung multiresistenter Keime im Wasser
Es fehlen Zahlen über und Konzepte gegen multiresistente Keime im Wasser
14. Juni 2018
Neu Delhi – Die indische Hauptstadt Neu Delhi hat heute unter extremem Smog gelitten. Herbeigewehter Wüstensand legte sich wie eine Glocke über die Stadt und verschärfte die Lage. Die
Extreme Luftverschmutzung in Neu Delhi
31. Mai 2018
Berlin – In Deutschland sind im vergangenen Jahr in 65 Städten Schadstoffgrenzwerte überschritten worden. Die Stadt mit den höchsten Belastungen vor allem durch Dieselabgase ist nach wie vor München,
65 Städte haben Schadstoffgrenzwerte überschritten
28. Mai 2018
Stuttgart – Bei den Bemühungen um saubere Luft in stark belasteten Großstädten rechnet der Sonderbeauftragte der Bundesregierung, Siegfried Balleis, nicht mit kurzfristigen Erfolgen. Die Maßnahmen des
Debatte um Dieselverbote gewinnt an Fahrt
24. Mai 2018
Berkeley – Das Abschalten von 8 Öl- beziehungsweise Kohlekraftwerken hat in Kalifornien zu einer Steigerung der Fertilität und zu einem Rückgang der Frühgeburten geführt. Dies geht aus 2
Weniger fossile Kraftwerke führen zu mehr und gesünderen Babys
24. Mai 2018
Berlin – Vor Kurzem verklagte die EU-Kommission Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Ungarn und Rumänien in Luxemburg vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen zu hoher
Pro und Contra: Schützen die EU-Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub vor Krankheit und Tod?
22. Mai 2018
Mykolajiw – In der Ukraine sind bereits zum zweiten Mal in einem Monat Dutzende Schulkinder mit Vergiftungsverdacht in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Schüler in der Hafenstadt Mykolajiw hätten

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER