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Medizin

Intensivmedizin: Haloperidol kann Delir nicht verhindern

Donnerstag, 22. Februar 2018

/dpa

Nijmegen – Eine prophylaktische Gabe von Haloperidol kann die Entwicklung eines Delir bei Intensivpatienten nicht verhindern. Dies zeigen die Ergebnisse einer multizentrischen Doppelblindstudie aus den Niederlanden im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 680–690).

Zwischen 30 und 80 % aller Patienten auf Intensivstation entwickeln ein Delir. Die Verwirrtheit und Desorientierung sind nicht nur eine psychische Belastung für den Patienten. Auch der Heilungserfolg wird häufig beeinträchtigt. Untersuchungen zeigen zudem, dass die Patienten noch ein Jahr nach der Entlassung von der Intensivstation kognitive Störungen ausweisen.

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Neben zahlreichen nichtpharmakologischen Maßnahmen, allen voran der Vermeidung einer unnötigen Sedierung, wird seit Längeren eine prophylaktische Gabe von Haloperidol diskutiert. Das Neuroleptikum wird auch zur Behandlung des Delirs eingesetzt.

Die „REDUCE“-Studie („Prophylactic Haloperidol Use for Delirium in ICU Patients at High Risk for Delirium“) hat an 21 Zentren in den Niederlanden 1.789 erwachsene Patienten mit einer vermuteten Liegezeit auf Intensivstation von mindestens 2 Tagen auf die prophylaktische Gabe von Haloperidol oder Placebo randomisiert. Ursprünglich wurden 2 Dosierungen von Haloperidol (1 mg und 2 mg, jeweils alle 8 Stunden intravenös verabreicht) untersucht. Doch bei einer Zwischenauswertung wurde festgestellt, dass die niedrigere Dosis von 3 mal 1 mg Haloperidol nicht ausreichen würde, um die Situation der Patienten zu verbessern. Dieser Studienarm wurde deshalb vorzeitig gestoppt.

Nach den jetzt vorliegenden Abschlussergebnissen steht fest, dass auch die höhere Dosierung keine präventive Wirkung entfaltet. Der primäre Endpunkt der Studie war die Sterblichkeit. Wie Mark van den Boogaard von der Radboud Universität in Nijmegen und Mitarbeiter berichten, lebten nach 28 Tagen noch 610 von 732 Patienten (83,3 %) gegenüber 585 von 707 Patienten (82,7 %) in der Placebogruppe. Die Differenz von 0,6 Prozentpunkten war mit einem Interquartilsabstand von minus 3,4 bis 4,6 Prozent­punkten nicht signifikant.

In keinem der 15 sekundären Endpunkte wurden statistisch signifikante Vorteile für die prophylaktische Gabe von 3 mal 2 mg Haloperidol gefunden: Die Inzidenz des Delirs konnte nur unwesentlich gesenkt werden (mittlere Differenz 1,5 %; 95-%-Konfidenzintervall minus 3,6 bis 6,7 %). Die Zahl der delirfreien und komafreien Tage (mittlere Differenz 0 Tage; 0–0 Tage) und die Dauer von Beatmung, dem Aufenthalt auf Intensivstation oder der Gesamtdauer des Kranken­haus­auf­enthaltes waren gleich (mittlere Differenz 0 Tage; 0–0 Tage für alle 3 Maßnahmen).

Die Nebenwirkungen von Haloperidol sind in der niedrigen Dosierung zwar gering. Die Nebenwirkungsrate betrug 0,3 % gegenüber 0,1 % in der Placebogruppe. Bei einer fehlenden Wirkung gibt es für van den Boogaard jedoch keinen Grund, das Mittel weiterhin prophylaktisch einzusetzen. © rme/aerzteblatt.de

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